Dieser in transparenter Folie verschweißte Zettel sorgt seit Wochen für Verwirrung. Auch deshalb, weil der Wisch weder behördlichen Stempel noch Unterschrift trägt. Darauf zu lesen ist, dass der Sportpark für sämtliche sportliche und andere Freizeit-Aktivitäten bis auf Weiteres gesperrt sei. Zuwiderhandlungen könnten eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch zur Folge haben und mit einem generellen Hausverbot geahndet werden.

Umso mehr überrascht sein durfte man, dass unlängst Fußball spielende Menschen dort gesichtet wurden - und ihrem Hobby mit gutem Gewissen nachgingen. "Nach 210 Tagen ist es endlich wieder soweit. Endlich wieder beim Eckchen tunneln oder getunnelt werden , endlich wieder zur Grätsche oder zum Torschuss ansetzen, endlich wieder den Ball aus dem gegnerischen oder eigenen Netz holen! Endlich wieder Training am E-Werk" hatte der FC 06 Bad Kissingen auf seiner Facebook-Seite getextet - und dafür reichlich Zustimmung aus der virtuellen Community erhalten.

Zum lockeren Kick auf rein freiwilliger Basis hatten sich 23 Spieler eingefunden, die sich vorab und unter Aufsicht von Abteilungsleiter Stephan Heimerl testen und schriftlich dokumentieren ließen. Die Selbsttests hatte der Verein von einer befreundeten Bad Kissinger Firma zur Verfügung gestellt bekommen. Eine Vorgehensweise, die rechtlich legitimiert ist, weil seit dem 21. Mai - bei einer 7-Tages-Inzidenz unter 100 - unter freiem Himmel Gruppen von bis zu 25 Personen miteinander trainieren können. Voraussetzung ist, dass sie einen negativen Corona-Test vorweisen, der nicht älter als 24 Stunden sein darf. Neben den PCR-Tests sind laut dem "Rahmenkonzept Sport" auch Selbsttests erlaubt. Ausgenommen sind Geimpfte ab dem 15. Tag nach der abschließenden Impfung sowie Genesene.

Individualsport bleibt verboten

Auch von Seiten der Stadt Bad Kissingen gibt es keine Einwände: "Der Dr. Hans-Weiß-Sportpark steht aktuell für die Nutzung durch Vereine und die Schulen zur Verfügung. Für den Individualsport öffnen wir tagsüber den Sportpark in Kürze. Die Stadt bittet aber eindringlich darum, dass die Sportlerinnen und Sportler die aktuellen Hygienebedingungen beachten", sagt Pressesprecher Thomas Hack. Eine Öffnung für die Öffentlichkeit sei aktuell nicht möglich, weil nach den entsprechenden Corona-Rahmenvorgaben für Sportstätten eine permanente Kontrolle und Kontaktnachverfolgung der Nutzer gewährleiste werden müsste. "Das ist nicht leistbar in Bezug auf Individualsportler", konkretisiert Thomas Hack.

Müll-Tourismus

Für Verdruss sorgt allerdings jene Spezies, die ohne sportliche Absicht auf das Gelände kommt. "Wir räumen im Sportpark fast jeden Tag Müll und Essensreste weg. Auf dem Parkplatz vor der Eishalle schaut es ähnlich asozial aus. Am Pfingstmontag mussten wir sogar zwei schwere Kanaldeckel, die neben den Schächten lagen, wieder in die Halterung bringen. Wenn da einer reintritt, wird's gefährlich", sagt mit Wolfgang Werner der Vorsitzende des FC 06.