Locker und ernsthaft zugleich zu sein, ist schon eine Kunst. Beherrscht von Andreas Metz, der seine seriöse Seite in der Lokalpolitik ausleben darf, aber als Fußballer des TSV Stangenroth und Genussmensch auch den Spaß am Spiel und Beisammensein pflegt. Darüber hinaus ist der 29-Jährige in seiner Freizeit auch einem guten Buch nicht abgeneigt und widmet sich der Aquaristik. Ledig, "aber glücklich vergeben", ist Andreas Metz, der als stellvertretender Logistikmeister bei der Firma ACO in Reith angestellt ist.

Wer hat Sie angespielt?

Angespielt wurde ich von Yanik "Pragi" Pragmann. Wir haben uns vor einigen Jahren beim jährlichen "Relegationstourismus" kennengelernt. Seitdem sehen wir uns öfter auf diversen Sportplätzen und der ein oder anderen Feierlichkeit. Ich warte seit damals immer noch auf ein Freundschaftsspiel und unser vereinbartes Wettrennen. Wobei ich bei Letzterem wohl nur mit einer halben Platzlänge Vorsprung eine Chance hätte.

Wie sieht Ihr Laufweg aus?

Seit meinem vierten Lebensjahr bin ich für den TSV Stangenroth aktiv. Ich habe alle Jugendmannschaften durchlaufen. Auch damals hatten wir schon verschiedenste Spielgemeinschaften, von Premich über Langenleiten bis nach Hassenbach. In dieser Zeit haben sich viele Freundschaften entwickelt, die bis heute anhalten, was ich wohl meinen größten persönlichen Erfolg nennen kann. Sportlich war unser größter Erfolg der Aufstieg in die Kreisklasse in der Saison 2011/2012. Das damalige Relegationsspiel gegen Wildflecken in Sandberg konnte ich aufgrund zweier schwerer Schulterverletzungen leider nur als "Stimmungsmacher" am Megafon verfolgen. Die anschließende Aufstiegsfeier - welche sich über mehrere Wochenenden zog - wird uns allen aber immer in Erinnerung bleiben.

Sie sind politisch sehr engagiert, vertreten Stangenroth sogar im Marktgemeinderat. Woher rührt Ihr Interesse?

Schon seit ich denken kann, ist die Politik in unserer Familie ein großes Thema. Mein Opa war über Jahrzehnte für Stangenroth in der Kommunalpolitik aktiv und vertrat die Interessen der Bürger sogar als zweiter Bürgermeister. Dementsprechend wird auf unseren Familienfeiern, zum Leidwesen meiner Freundin, immer lautstark über verschiedenste Themen politisiert. Ich bin der Meinung, dass sich junge Menschen, besonders auf kommunaler Ebene, für das Wohl ihrer Heimat einsetzen können. Als bei der letzten Wahl die Anfrage kam, ob ich mir dieses Amt vorstellen könnte, musste ich nicht lange überlegen.

Ist es schwer, sich als junges Rats-Mitglied in diesem Gremium Gehör zu verschaffen?

Dass ich als jüngstes und neues Rats-Mitglied nicht die meiste Redezeit habe, ist doch verständlich. Zudem waren die Abläufe für mich relativ neu und die Corona-Pandemie hat diese anfangs auch noch durcheinandergebracht. Nichtsdestotrotz verstehe ich mich mit meinen Kollegen sehr gut. Ich denke, dass wir insgesamt eine gute Mischung im Marktgemeinderat haben. Außerdem bin ich im ständigem Austausch mit unserer Ortreferentin Marion Zehe, gemeinsam versuchen wir bestmöglich die Interessen aller Bürger zu vertreten.

Was ist Ihnen gesellschaftspolitisch ein besonderes Anliegen für Ihren Ort?

Wir befinden uns in einer Zeit, in der wir vor großen Herausforderungen stehen, seien es der Klimaschutz, die Digitalisierung oder die Bekämpfung von Armut und Hunger auf der ganzen Welt. Die größte gesellschaftspolitische Aufgabe besteht für mich darin, die Spaltung unserer Gesellschaft zu verhindern und den Zusammenhalt in den Orten zu stärken. Meiner Meinung nach erreichen wir dies nur durch maximale Transparenz bei den politischen Entscheidungen, ein intaktes Vereinsleben und die Gleichbehandlung aller Bürger. Ich hoffe für uns alle, dass wir nach der Bewältigung der Corona-Pandemie wieder mehr soziale Kontakte pflegen können und es schaffen, die entstandenen Risse in der Gesellschaft zu schließen.

Und Sie sind auch einer der drei Vorstände beim TSV Stangenroth. Für was sind Sie da zuständig?

In meiner Funktion als Vorstand beim TSV Stangenroth bin ich für die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit und Sport zuständig. Neben der Fußballabteilung besteht der TSV auch noch aus der Tischtennis-, Faschings- und Gymnastikabteilung, also gibt es immer mehr als genug zu tun. Meine Hauptaufgaben bestehen in der Koordination der sportlichen Aktivitäten, dem Abhalten von Festreden wie kürzlich bei unseren Feierlichkeiten zum 100-jährigen Vereinsbestehen, der Leitung von Vorstandssitzungen sowie der Jahreshauptversammlung. Natürlich bin ich auch für die Überreichung der Geschenke zu verschiedenen Jubiläen verantwortlich. Da konnten wir schon die ein oder andere gesellige Stunde verbringen.

Ist es schwer, das alles unter einen Hut zu bekommen?

Natürlich gibt es Phasen, in denen viele Termine zusammenkommen und es auch mal stressiger wird. Ich würde das alles aber nicht machen, wenn ich keinen Spaß daran hätte. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die mich über die Jahre immer unterstützt haben. Besonderer Dank gilt meiner Freundin, die in den letzten fünfeinhalb Jahren zwischen Fußball, Dart, Gemeinde und Wochenendaktivitäten schon oft zu kurz gekommen ist, mich aber trotzdem nie im Stich lässt.

Zurück zum Fußball: Sie sind Kapitän der Reserve, die ja auch ihre erste Saison spielt seit dem Zusammenschluss mit der DJK Waldberg. Wie läuft es denn so?

Nach einem ziemlich schwachen Saisonstart haben wir uns relativ gut gefangen und stehen im Tabellenmittelfeld. Die Stimmung in unserer Reserve ist immer gut, auch wenn wir aufgrund von Verletzungen fast jedes Spiel mit einer anderen Mannschaft bestreiten. Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden. Wenn wir die Ausdauer der 3. Halbzeit auch auf dem Spielfeld hätten, wäre noch einiges mehr möglich.

Was muss ein Reserve-Kapitän besser können als ein Erste Mannschafts-Kapitän?

Ich denke, ein Reserve-Kapitän muss bessere soziale als fußballerische Qualitäten mitbringen. Es geht mehr darum, die Spieler auf und neben dem Platz bei Laune zu halten, was bei den jüngeren Spielern heutzutage immer schwieriger wird. Wichtig ist, dass man jedes Wochenende gemeinsam Spaß hat. Wenn ich dafür als Kapitän die ein oder andere Kiste Bier mehr bezahlen muss, ist es mir das allemal wert.

Sie selbst spielen auf der 6er Position. Und sind Gladbach-Fan. Das heißt, Christoph Kramer ist Ihr Vorbild?

Christoph Kramer ist für mich ein überragender Typ. Er gibt immer 100 Prozent und hat ein riesiges Spielverständnis, was er auch neben dem Platz als TV-Experte unter Beweis gestellt hat. Ich selbst bin technisch leider nicht so versiert, versuche das aber durch Einsatz und Willen auszugleichen. Ich glaube, in diesem Punkt ist Christoph Kramer ein sehr gutes Vorbild.

Sie sympathisieren auch mit dem FC 05 Schweinfurt. Wie kommt's? Und wie oft sind Sie bei den Spielen der Grün-Weißen?

Als die Schnüdel in der 2. Liga gespielt haben, war ich als Zehnjähriger mit meinem Vater öfter im Stadion und seitdem bin ich dem FCS treu geblieben. Das Stadion, die Historie, die Stimmung, die Fans, das alles ist sehr beeindruckend und ich hoffe, dass in den nächsten Jahren endlich der Sprung in die 3. Liga gelingt. Leider schaffe ich es aus zeitlichen Gründen viel zu selten zu Spielen der Grün-Weißen, aber fest eingeplant ist das Totopokal-Spiel gegen die Kickers aus Würzburg.

Was war denn Ihr schönstes Erlebnis mit den Schnüdeln?

Das schönste Erlebnis war natürlich der Pokalsieg gegen die Spielvereinigung Bayreuth im Mai 2018. Die Stimmung in Bayreuth während und nach dem Spiel war sensationell. Allgemein ist jede Auswärtsfahrt mit den Schnüdeln ein Erlebnis. Ansonsten bleibt mir wahrscheinlich für immer das 3:3 nach 3:0-Führung gegen den VfL Bochum in Erinnerung, welches ich als Kind vor 20 Jahren live im Stadion erleben durfte.

Stichwort Relegations-Tourismus: Was fällt Ihnen dazu ein?

Wir besuchen jedes Jahr so viele Relegationsspiele wie möglich, hierbei sind schon viele feuchtfröhliche Geschichten und auch Freundschaften, wie mit Pragi, entstanden. Jeder unterklassige Spieler träumt doch davon, vor solchen Kulissen zu spielen. Deshalb finde ich es gut, dass die Vereine im Rahmen der Relegationsspiele diese Möglichkeit geboten bekommen.

Sie sind ja schon Meister: Lager-Logistik-Meister nämlich. Wird's noch was mit einem Titel für die Stangenröther?

Mein Meistertitel war harte Arbeit und mit vielen Mühen verbunden. Genauso sehe ich es bei unseren Fußball-Mannschaften, wenn jeder alles gibt, können wir vieles erreichen. Auch wenn ich weiß, dass wir das Sportheim in Stangenroth anschließend noch einmal komplett sanieren müssten, wäre ein Titel natürlich ein Traum.

An wen spielen Sie weiter?

Den Steilpass spiele ich an Markus Kaufmann vom TSV Oberthulba weiter. Wir kennen uns bereits seit der gemeinsamen Zeit in der Realschule, für die wir auch in der Schülermannschaft aktiv waren. Zum Gedenken an die ein oder andere gemeinsam verbrachte Stunde bei unserem Stammgetränkehändler "Paletti", geht der Pass nach Oberthulba.