Alexander Müller hat viel Erfahrung im Amateurfußball. Obwohl er inzwischen Familie hat und ein Haus baut, kann er den Sport nicht lassen. Das hat Gründe.
V iele Jahre kickt Alexander Müller beim TSV Oerlenbach beziehungsweise der SG Oerlenbach/Ebenhausen, ist Kapitän und Führungsfigur. Dazwischen schnupperte der 33-Jährige, verheiratete Elektroingenieur in Schwebenried auch ein paar Jahre Bezirks- und Landesliga-Luft. Im Interview berichtet der Innenverteidiger, wie es dazu kam und warum er wieder nach Oerlenbach zurückkehrte. Darüber hinaus plaudert Müller über den Saisonverlauf. Und er bricht eine Lanze für Jogi Löw.
Die Hälfte der Vorrunde ist absolviert. Die SG Oerlenbach/Ebenhausen steht mit je drei Siegen und Niederlagen auf Platz sechs der Kreisklasse Rhön. Wie ist Dein persönliches Zwischenfazit? Alexander Müller: Unterm Strich befinden wir uns gerade in der Tabellenregion, in der wir am Ende der Saison vermutlich auch stehen werden. Auch wenn im Umfeld die Erwartungshaltung an das Team sehr hoch ist, fehlen uns die Mittel, sie zu erfüllen. In unserer Mannschaft spielen viele Polizisten, Schichtarbeiter, aber auch mehrere, deren Arbeitgeber nicht um die Ecke ist. Das sieht man an den ständig wechselnden Startformationen. Daher ist es schwierig, ganz oben mitzuspielen.
Die drei Siege habt Ihr gegen Mannschaften eingefahren, die in der Tabelle hinter Euch liegen, dagegen seid Ihr gegen Teams, die in der Tabelle weiter vorne platziert sind, bisher leer ausgegangen. Woran liegt das? In den drei erfolgreichen Spielen sind unsere Schwächen nicht so stark in Erscheinung getreten. Wir haben in zwei der drei verlorenen Partien stark gespielt; jedoch hatten die Gegner Spieler in ihren Reihen, die unsere Schwächen eiskalt aufgedeckt haben. Wir bekommen es aktuell nicht in den Griff, die starken Einzelspieler der gegnerischen Mannschaft zu isolieren. Dazu kommt, dass wir auch offensiv die Torgefahr teilweise vermissen lassen und im Spielaufbau zu viele Fehler machen, die vom Gegner eiskalt ausgenutzt werden. Ich gehe davon aus, dass diese drei Mannschaften mit Bad Brückenau um den Kreisligaaufstieg spielen werden.
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Am Sonntag geht es gegen die SG Gräfendorf/Wartmannsroth. Wie ist die Lage bei Euch vorm Match? Wie schätzt Du den Gegner ein? Gräfendorf ist im letzten Jahr als Mitaufsteiger stark in die Saison gestartet. Im Rückspiel ist es ziemlich optimal für uns gelaufen, so dass es am Ende eine eindeutige Angelegenheit war. Allerdings werden wir den Gegner nicht unterschätzen. Die haben mit Philipp Hölzer einen starken Angreifer, den es auszuschalten gilt. Wir fiebern dem Spiel am Sonntag absolut entgegen. Gerade nach der Niederlage gegen Reiterswiesen haben wir etwas gutzumachen. Diese Chance haben wir am Sonntag beim Heimspiel in Oerlenbach. Wir werden natürlich auf drei Punkte gehen.
In der vergangenen Saison habt Ihr auf Platz eins überwintert. Am Ende der Saison stand der fünfte Rang. War die Enttäuschung über eine verpasste, bessere Platzierung größer, oder die Freude, als bester Aufsteiger in den "Top Five" gelandet zu sein? Freude war am Ende der Saison bei keinem zu spüren. Viel zu groß war die Enttäuschung über die verkorkste Rückrunde. Sicherlich haben sich alle nach der Vorrunde mehr erhofft. Mit etwas Abstand sieht man die vergangene Saison etwas emotionsloser. Wir haben eine Top-Hinrunde gespielt, in der ziemlich viel funktioniert hatte. Wir hatten fast keine Verletzten und konnten ständig aus dem Vollen schöpfen. Umgedreht war es in der Rückrunde der Fall. Je mehr wir den Erfolg erzwingen wollten, desto verkrampfter traten wir auf und dementsprechend war unser Spiel. Von daher ging die Endplatzierung in Ordnung. Ich denke, die beiden stärksten Mannschaften haben am Ende verdient das Rennen gemacht.
Du bist Kapitän Deiner Mannschaft, in der ganz erfahrene Kicker aktiv sind, aber auch blutjunge. Haust Du auf den Tisch, wenn es mal nicht läuft? Ich bin schon einer, der seine Meinung sagt. Das ist unabhängig vom Alter der Mitspieler. Junge Spieler benötigen noch die Führung im Spiel, aber auch im Training. Ich hätte in meinen ersten Jahren im Herrenbereich gerne ein paar erfahrene Spieler in meiner Mannschaft gehabt, an denen man sich hochziehen kann. Davon kann man nur profitieren. Die älteren Spieler haben teilweise Landes- oder Bayernliga gekickt. Die sollten wissen, wie der Fußball funktioniert.
Selbst hast Du Deinen Heimatverein Oerlenbach ein paar Jahre verlassen und bei der DJK Schwebenried in der Bezirks- und Landesliga gekickt. Wie war die Erfahrung in höheren Ligen? Ich habe damals eine neue Herausforderung gesucht. Aufgrund meines fortgeschrittenen Fußballalters von Mitte zwanzig habe ich diesen Schritt gewagt. Ich suchte einen Verein nahe meines Arbeitgebers in Schweinfurt. Mein ehemaliger Trainier Michael Beyfuß wohnt in Schwebenried und hat den Kontakt hergestellt. Im Nachhinein keine schlechte Entscheidung. Schwebenried, auch nach der Fusion zur DJK Schwebenried/Schwemmelsbach, ist trotz der höheren Spielklasse ein richtiger Dorfverein mit einer sehr professionellen Führung. Viele damalige Mitspieler kamen aus den beiden Dörfern. Dementsprechend gut war die Gemeinschaft. Fußballerisch haben mir die fünf Jahre viel gebracht. Aufgrund des ständigen Konkurrenzkampfes musste man bei jedem Spiel und Training an die Grenzen gehen. Jedes Training war von der Intensität her wie ein Punktspiel. Bei der DJK habe ich die Wandlung vom defensiven Mittelfeldspieler zum Innenverteidiger durchgemacht. Auf dieser Position spiele ich aktuell immer noch.