Dass Aldin Dzafic in seiner knapp bemessenen Freizeit seine beiden Kinder gerne beschäftigt und dabei auch mal auspowert, passt natürlich bestens zum 30-Jährigen, der im Sport selbst gerne Spaß und Ehrgeiz zu verknüpfen verstand. Weil der ausgebildete Gesundheits- und Krankenpfleger im Jahr 2018 mit seiner Frau das Ausflugslokal Forellenhof von den Schwiegereltern übernommen hatte, war im Sportteil der Heimatzeitung zuletzt nicht mehr so viel zu lesen über den Diebacher, der in Tuzla (Bosnien-Herzegowina) geboren und aufgewachsen ist. Aber mit dem Steilpass lässt sich das ja ändern.

Wer hat Sie angespielt?

Aldin Dzafic: Mich hat mein Trauzeuge Dominic Hugo angespielt. Wir kennen uns schon lange und verbringen relativ viel Zeit zusammen, da er auch der Cousin meiner Frau ist und bei uns die Familie groß geschrieben wird.

Wie sieht Ihr Laufweg aus?

Nach der Schule habe ich mich für eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger entschieden und 2010 meine Staatsprüfung bestanden. Mit dem Sport war ich mir, bis ich 17 war, unschlüssig. Vom Basketball bis Tischtennis habe ich fast alles durchgemacht, bis ich mich für Volleyball entschieden habe. Die Entscheidung war nicht so leicht, da ich ein Zocker bin und finde, dass jede Sportart etwas schönes an sich hat. Man lernt viele verschiedene Charaktere und Persönlichkeiten kennen. Ich denke, dass mich das für das Berufsleben und meine Entwicklung als heutiger Geschäftsmann und Familienvater sehr gut vorbereitet hat. Nach eineinhalb Jahren im Volleyball-Geschäft wurde ich in die Nationalmannschaft Bosniens berufen. Es folgte der Sprung aus der 2. Liga in die 1. Liga zum Verein OK Mladost Brcko, mit dem ich Vizemeister und Zweiter im Pokal wurde. Danach bin ich zurück zu meinem Ausbildungsverein OK Bosna Kalesija und habe dort ebenfalls in der 1. Liga gespielt und mal wieder den 2. Platz im Pokal erreicht. Im Sommer 2014 kam der Anruf vom damaligen Hammelburger Trainer Tado Karlovic, der mich überzeugen konnte, dass ich hierher komme, um zu arbeiten und Volleyball zu spielen. Auf Anhieb haben wir den Sprung in die 2. Bundesliga geschafft, wo der Verein heute noch spielt, sehr gut sogar. Durch Freunde und Bekannte bin ich zum Fußball gekommen, erst beim FC Hammelburg und dann beim SC Diebach. Nach einem Kreuzbandriss 2017 hatte ich mit dem Volleyball aufgehört.

Sie sind zuletzt für viele überraschend nach langer Pause beim Volleyball zum Drittligisten VC Eltmann gewechselt. Was waren Ihre Beweggründe?

Für mich kam das mit VC Eltmann auch überraschend. Ich bekam einen Anruf vom Vorstand des Vereins, der mir den Plan oder besser gesagt den Wunsch mitteilte, wieder 2. Bundesliga zu spielen. Wer mich kennt weiß, dass ich ein sehr ehrgeiziger Teamspieler bin. Natürlich war auch der Reiz groß, die Jungs zu unterstützen. Einige Spieler kenne ich privat oder vom Spielfeld, die Zeitspanne hat auch gepasst und es hat definitiv wieder mal gejuckt in den Fingern.

Sportlich haben Sie mit der Niederlage in Dachau den Aufstieg in die 2. Liga verpasst. Was waren die Gründe für das Scheitern?

Der Gegner hatte einen perfekten Tag erwischt, wir leider nicht. Wir haben zu viele einfache und unnötige Fehler gemacht, die man sich nicht hätte leisten dürfen, wenn man aufsteigen will. Das war ärgerlich, oder ist es immer noch, aber ich bin mir sicher, dass die Jungs das nächstes Jahr packen! Auch ohne mich.

In Hammelburg gibt es für die neue Saison ja eine freie Stelle auf der Zuspieler-Position. Wäre das nichts für Sie?

Dass die Hammelburger einen Zuspieler suchen, höre ich zum ersten Mal von Ihnen. Ich habe nur mitbekommen, dass einige Spieler aufhören. Sport ist im Moment für mich in den Hintergrund gerückt, da ich relativ wenig Freizeit habe und diese mit meiner Familie verbringen möchte.

Wie sehen Ihre sportlichen Pläne für die Zukunft denn aus?

Ich denke, ich werde weiterhin beim SC gelegentlich Fußball spielen, obwohl ich ein paar andere Möglichkeiten angeboten bekommen habe. Sicher ist, dass ich nie komplett mit dem Sport aufhören möchte und kann, aber wo mich mein Weg hinführt, kann ich noch nicht sagen.

Wann haben Sie eigentlich das letzte Spiel der Hammelburg Volleys live in der Halle gesehen? Verfolgen Sie die Spiele im Livestream?

In der Halle war ich mangels Zeit lange nicht mehr, zuletzt kurz vor Beginn der Pandemie. Und ja, die Spiele verfolge ich gerne immer wieder mal im Livestream.

Sie sind bekanntlich auch ein guter Fußballer, stürmen für den SC Diebach. Gefällt Ihnen das Veredeln von Vorlagen vielleicht sogar besser als selbst die Kollegen in Szene zu setzen, wie das als Zuspieler beim Volleyball ja der Fall ist?

Darüber habe ich echt nie nachgedacht. Wie ich es schon gesagt habe, jede Sportart hat was eigenes und ich stelle mich gerne in den Dienst der Mannschaft. Und beim Fußball habe ich auch schon ein paar Vorlagen gegeben, es ist also nicht so, dass ich nur die Tore schieße...

Sie sind beruflich in der Gastronomie tätig. Wollen die Gäste mit Ihnen mehr über Volleyball oder Fußball reden?

Es ist immer unterschiedlich, aber meistens mehr über Volleyball. Schade ist, dass die Gespräche oft zu kurz ausfallen, da der nächste Gast schon in der Schlange steht.

Überhaupt scheint es unter Volleyballern gute Fußballer zu geben. Wer von Ihren aktuellen oder ehemaligen Kollegen ist denn auch ein guter Kicker?

Da muss ich den Branko Damjanovic erwähnen, mit ihm hat es immer Spaß gemacht, im Training zu kicken.

Gibt es noch andere (Ball-)Sportarten, die Sie begeistern?

Eigentlich fast alle Sportarten bis auf den Wintersport, da werde ich nicht warm mit.

Wie intensiv ist denn noch der Kontakt in die bosnische Heimat?

Der Kontakt mit der Heimat ist täglich, da meine Eltern und mein Bruder dort wohnen.

An wen spielen Sie weiter?

Ich spiele Oscar Benner an, meinen langjährigen Teamkollegen und Freund. Auch weil ich finde, dass hier überwiegend über Fußball gesprochen wird, ein bisschen Abwechslung tut da gut.