Albert Köpplin veranstaltet am 25. August in der Bayernhalle zum zweiten Mal eine offene Bayerische Meisterschaft im Combat-Sambo.
Besonders stolz ist Sambo-Trainer Albert Köpplin auf die ehemalige amerikanische Turnhalle hinter dem Jugend- und Kulturzentrum. "Die gesamte Einrichtung der Halle haben wir selbst finanziert", sagt er. Selbstverständlich mit tatkräftiger Unterstützung von Sponsoren wie der Kidro, bei der er seit Jahren als Streetworker arbeitet. Die Halle nutzt Köpplin als zweites Trainingsgelände, da der Saalbau des TSV Bad Kissingen sehr eng belegt ist.
In der Halle auf dem ehemaligen Kasernengelände treffen sich Jugendliche und Erwachsene mehrmals in der Woche zum Combat-Sambo-Training. So auch an diesem Abend. Acht junge Sambokas sind gerade mit dem Aufwärmtraining fertig, alle schwitzen und atmen schwer. Doch die Verschnaufpause dauert nicht lange. Sergej Pesozkij ist seit acht Jahren dabei. Der 16-Jährige greift seinen Sparringspartner an Arm und Schulter, schickt ihn mit einem einstudierten Wurf zu Boden und setzt ihn mit einem Beinhebel außer Gefecht. Partner Juri Pitschenko (16) klatscht ab und gibt sich geschlagen.
Die Bad Kissinger Sambokas trainieren hart, auch wenn es noch gute zwei Monate bis zu der offenen Bayerischen Meisterschaft dauert, die Albert Köpplin am 25. August in der Bayernhalle veranstaltet. Wettkämpfe bestreiten seine Jungs verteilt über das ganze Jahr. "Dieses Jahr war bisher sehr erfolgreich", bilanziert Köpplin, der mit Sambo beim russischen Militär in Nowosibirsk in Kontakt kam. Sieben seiner Kämpfer haben bei der Deutschen Meisterschaft den ersten Platz erreicht, zwei Kämpfer qualifizierten sich dadurch für die Weltmeisterschaft im Herbst in Minsk.
Europameisterschaft als langfristiges Ziel Das Niveau versucht Köpplin in die Bayernhalle zu transportieren: "Es kommen gute Leute, zum Beispiel auch Europameister." Das erklärte Ziel von Köpplin ist es, langfristig eine eigenständige Combat-Sambo-Europameisterschaft aufzubauen, weil beim Combat-Sambo im Gegensatz zum reinen Sambo die Dominanz durch ehemalige Sowjet-Länder nicht ganz so überwältigend sei.
Bei der Erstauflage im vergangenen Jahr reisten fünf internationale Mannschaften nach Bad Kissingen, für August rechnet Köpplin mit zehn Teams. "Drei russische Mannschaften und eine aus Kasachstan haben bisher zugesagt", zählt der gebürtige Kasache auf. Außerdem habe sich eine Mannschaft aus Weißrussland angekündigt, wobei das erst dann sicher sei, sobald die Visa-Angelegenheiten geklärt seien. "Wir hatten bei der Einreise nach Weißrussland selbst auch schon Probleme und wurden lange an der Grenze aufgehalten", berichtet der 54-jährige, der Bundestrainer beim Deutschen Sambo Verband ist.
"Das Turnier auf hohem Niveau wird meinen Jungs sehr viel bringen und sie in ihrer Entwicklung fördern", schildert der engagierte Samboka seine Erwartungen. Sambo sei in Ländern wie Russland, Kasachstan oder Weißrussland sehr populär und die Sportler, die nach Bad Kissingen kommen, seien alles Profis und Berufssportler. "Die trainieren zwei bis dreimal täglich", weiß Köpplin. Deswegen nutze er die Gelegenheit nicht nur für die Meisterschaft, sondern auch für einen Lehrgang, der tags darauf stattfinden werde. Sich mit solchen Kämpfern zu messen, könne nur gut tun.
Das ist Sambo: Herkunft : Sam ooborona
B jes
O ruschija, kurz Sambo, ist russisch für Selbstverteidigung ohne Waffen. Seine Wurzeln hat es im japanischen Judo und Jiu Jitsu sowie in traditionellen Faustkampf- und Ring kampfarten. Sambo wurde in den 1920er Jahren von der sowjetischen Armee entwickelt. Ziel war es, effektive und traditionelle Selbstverteidigungstechniken zu einem militärischen Nahkampfsystem zu verbinden. Wichtige Pioniere waren Viktor Spiridonov, Vasili Oshchepkov und Anatoly Kharlampiev. 1938 wurde Sambo in der UdSSR als Wettkampfsport anerkannt.
Stile: Heute unterscheidet man drei Stile. Grundlegend ist das Sport-Sambo, welches von den Regeln her dem Judo oder Ringen ähnelt. Erlaubt sind Würfe, Fixierung des Gegners am Boden und Hebel auf Arme und Beine. Das Combat-Sambo ist eine sportliche Wettkampfdisziplin, ähnlich modernen Mixed-Martial-Arts-Wettkämpfen. Erlaubt sind Würfe, Hebel, Würgegriffe, Schläge und Tritte. Beim Combat-Sambo tragen die Sportler Helme, Handschuhe und Mundschutz. Sambo-Selbstverteidigung bezeichnet schließlich das System, das bei Polizei und Militär gelehrt wird.