Brass erobert den Max-Littmann-Saal. Und wie! Noch gut in Erinnerung sind die Wettspiele der Brass Bands um die Deutsche Meisterschaft im Kissinger Musiktempel vor einem Jahr, als die Musiker des vielfachen Blech von der "tollen Akustik" im Regentenbau geradezu schwärmten. Da dürfte es dem Veranstaltungsteam der Bayerischen Staatsbad GmbH leicht gefallen sein, den damaligen Gewinner für ein Konzert im Kissinger Winterzauber zu gewinnen.

Dass das Kirschenholz des Saales den mächtigen Blechsound der Bläser aus Cornett, Posaune, Flügelhorn, Tuba, Euphonium und Schlagzeug kann, ist der Concert Band der Bayerischen-Brass-Band-Akademie noch in Erinnerung, und das wissen die 35 Musiker grandios zu nutzen. Das "Genre Brass" mag manchem Zuschauer bisher eher fremd gewesen sein, nach diesem Konzert hat die Musik im Stil englischer Bergwerkskapellen auch bei uns viele neue Freunde gewonnen.

Ein Ausrufezeichen im Veranstaltungskalender des Winterzauber wird "Brass Magic" -bei aller Wertschätzung für diese Musikrichtung- aber auch durch exzellente Solisten: die jubilierende Klarinette einer umwerfend guten Shirley Brill und der wandelbar weiche Sopran der sympathischen Isabell Münsch. Zur großen Freude vor allem des Kissinger Publikums konnten auch die erfrischend fröhlichen Stimmen des Kinderchores der Kissinger Musikschule in das Programm hineinkomponiert werden. Chefin Brigitte Ascherl leistet da Großartiges. So gelingt ein klangvoll heiteres, gleichzeitig aber raffiniert aromatisches Werk.


In der Elite Liga

Brass Bands müssen sich qualifizieren , um erfolgreich zu sein. Die 3BA Band hat es in die Champions League geschafft, und es hat den Anschein, als würden die Musiker vom besonderen Klang des Saales zu lustvollem Spiel animiert, und so kann Dirigent Thomas Ludescher seine Bläser und Schlagzeuger ohne den Zwang vorspielen zu müssen, richtig von der Leine lassen.

Ein Paukenschlag zu Beginn: "Embracing Sounds", die Eigenkomposition des Dirigenten als mitreißende Klangumarmung. Schon da springt der Funke über. Erstaunen über die Zauberflöten-Ouvertüre. Das Tempo ein wenig rasch vielleicht, aber Mozart klingt auch mit Blech richtig gut. Deshalb wagt sich Ludescher an einen anderen Mozart-Geniestreich: das A-Dur Klarinettenkonzert, wohl wissend, dass diese Tonart für Bläser nicht leicht ist, wie der Meister in der Pause verrät. Aber wenn eine Ausnahmekönnerin wie Shirley Brill ihr Instrument an die Lippen setzt, dann wird dieses vielgehörte Stück auch mit Blechbegleitung zum großen Erlebnis. Shirley Brill-sie hat bei Sabine Meyer studiert- nimmt das Adagio zum Hinschmelzen, das Rondo hingegen tänzerisch leicht. Es gelingt brillant.


Mittelalterliche Klangfülle

Und dann Carl Orffs "Carmina Burana". Die Musik verlangt Klangfülle, Rhythmus, Intensität. Da zeigt sich die Klasse des Orchesters. Das ist viel mehr als monumentales Blech, die subtile Mittelalter-Melodieführung gestalten Cornett und Posaune im Dialog. Und wenn dann noch mit Isabell Münsch eine Sopranistin mit großer Gestaltungskraft und bewusster Stimmführung die Klassiker wie "Floret silva nobilis" singt und zu "O Fortuna" und "Totus floreo" der Kinderchor, mit Brigitte Ascherl verstärkt, den Backgroundchor gibt, dann jubelt der Regentenbau.

Was Isabell Münsch singt, erinnert an Turnier, Schwert und Burghof. Die charmante Moderatorin Susanne Müller kündigt dann einen Ausflug in die Welt der Filmmelodien an: Gänsehaut beim Ruf der krächzenden Posaune in Ennio Morricones Western-Epos "Spiel mir das Lied vom Tod" und den Hits aus "König der Löwen". Brigitte Ascherls musikalische Kinderschar kommt nochmals groß raus mit "Supercalifragilisticexpialigetisch". Da klatschen sogar die Musiker.

Zum großartigen Schlusspunkt wird "Extreme Make-Over" mit einem Tschaikowski-Thema, das der niederländische Komponist Johan de Meij für Brass Orchester geschrieben hat. Noch einmal verschiedene Schichten Musik übereinandergelegt, Klänge die nachhalten, virtuose Marimba Einlagen, drei Schlagwerker, die von Glockenspiel zu Gong und Pauken rennen. Beim letzten Ton steht das komplette Publikum im Regentenbau.