Es muss nicht immer gleich der Giftköder sein, der einem Hund den Magen verdirbt und im schlimmsten Fall sogar tödlich sein kann. Auf dem Gassiweg oder im Garten finden Hunde vieles, was sie nicht fressen sollten. Die Angst, dass ein Hund etwas zwischen die Zähne bekommt, was ihm nicht gut tut, kennen viele Tierfreunde. Eine Garantie dafür, dass dies nicht passiert, gibt es nicht. Herrchen oder Frauchen können aber vorbeugen. "Hunde brauchen ein Grundgehorsam", sagt Petra Will. Die Münnerstädter Hundetrainerin kennt die Erziehungsmethoden.

"Lass das" ist das magische Wort, bei dem Willi und Amy wissen: Ihre Beute bleibt erst einmal dort, wo sie hingehört. Die beiden sitzen vor einem Wiener Würstchen und schauen flehend zu Petra Will. Sie warten auf ein Zeichen ihres Frauchens, sich die verführerischen Happen schnappen zu dürfen. Willis Zunge schleckt schon ums Maul, Amy guckt demonstrativ über die Wurst hinweg. Endlich das erlösende Zeichen ihres Frauchens. Erst dann gibt es den Leckerbissen - eine Belohnung für das geduldige Ausharren. Was bei Amy und Willi ganz selbstverständlich aussieht, ist das Ergebnis eines konsequenten Trainings. "Der Hund darf erst fressen, wenn es erlaubt ist." Wer das seinem Tier beibringt, hat präventiv schon viel getan.

Den Ablauf "sitzen, angucken, Fressen erlauben" kann man den Hunden schon im Haus am Futternapf angewöhnen, so die Hundekennerin. Klappt das, wird die Übung nach draußen verlegt, damit dort Gefundenes nicht sogleich verschlungen wird. Dieses Training sei durchaus anspruchsvoll, meint Petra Will. "Denn man muss dabei gegen den Instinkt des Tieres arbeiten." Nahrung, die man auf dem Boden findet, aufzunehmen, gehöre zur Natur des Tieres. Doch sie weiß auch: "Es ist erlernbar".

Grundgehorsam ist die erste Regel

Man müsse konsequent sein, üben und immer wieder auffrischen, damit der Vierbeiner Kommandos und Befehle verinnerlicht, meint die Münnerstädterin. Die erste Regel für ein Grundgehorsam ist: Der Hund muss den sicheren Rückruf beherrschen. Dann beginnt das Training mit dem Abbruchwort. Das kann, wie bei Petra Will "Lass das" heißen, aber auch ein anderer, klarer Befehl funktioniert. Das Wort sollte nur nicht zu häufig im täglichen Gebrauch vorkommen. "Nein" beispielsweise hält sie für ein schlechtes Abbruchsignal. "Das sagt man einfach zu oft". Damit der Hund lernt, auf den Befehl verlässlich zu reagieren, müsse man ihm eine attraktive Alternative zur Beute bieten. Als ihre beiden Hunden beim Spaziergang in den Lauerwiesen jüngst einen gammeligen Biberschwanz aufstöberten, war ein Leckerli in der Jackentasche eine solche Alternative. Der Biberschwanz blieb dort, wo er lag. Alternativen könnten aber auch ein Lieblingsspielzeug, ein Lob oder Streicheleinheiten sein, erläutert Petra Will.

Ähnlich läuft es, wenn Willi und Amy schon etwas im Maul haben, was da nicht hingehört. Ein klares "Aus", sagt den beiden, dass sie den Gegenstand fallen lassen beziehungsweise hergeben müssen. Wenn sie gehorchen, erwartet sie auf jeden Fall etwas Positives. Ganz wichtig sei, sagt Petra Will, diesen Befehl ruhig und betont auszusprechen. Ein panisches "Aus" verstehe der Hund schnell falsch. Entweder er rennt mit der Beute davon, bringt sie in Sicherheit, um sie anderswo zu fressen oder er versteht die hektische Ansage als Aufforderung zum Spiel.

Wer noch intensiver mit seinem Vierbeiner trainieren will, der kann ihm das Anzeigen beibringen. Findet ein Hund einen für ihn interessanten Gegenstand - vermeintliches Futter oder geruchsintensive Hinterlassenschaften - bleibt er davor sitzen oder liegen und wartet auf weitere Befehle seines Besitzers oder seiner Besitzerin. Jagd- oder Polizeihunden beherrschen dieses Verhalten, aber auch Willi und Amy "Dies ist jedoch ein langwieriger Trainingsweg", weiß Petra Will. Dazu wird ein Leckerli in ein Einmachglas verpackt und draußen versteckt. Der Deckel ist durchlöchert, damit er ein gutes Aroma verströmt. Findet der Hund das Glas, werde er am Anfang versuchen, es selbst zu öffnen. Irgendwann erkenne er, dass er den Menschen als Helfer braucht, um an das Futter zu gelangen. In diesem Moment biete sie als Trainerin eine positive Alternative. Später könne man versuchen, eine offene Wurst auf den Boden zu legen. Das sei aber dann schon große Schule, bei der nicht jeder Hund widerstehen kann.

Rechtzeitig Grenzen setzen

Um einem Hund grundlegendes Gehorsam beizubringen, brauche es nicht unbedingt eine Hundeschule, sagt Petra Will. Wichtig sei, von Anfang an Grenzen zu setzen, auch einem tapsigen, süßen Welpen gegenüber. Wie lange ein Hund braucht, um die Regeln zu erlernen, sei unterschiedlich. Dies hänge von der Lernfähigkeit und der Hundeart ab, sagt Petra Will. So sei dies bei einem Labrador oft schwieriger, weil dieser genetisch bedingt kein Sättigungsgefühl kennt und gerne alles verschlingt, was er auf dem Boden findet.

Doch auch der Mensch ist ein wichtiger Faktor. Der Hund müsse die Autorität des Menschen spüren. Und es brauche Zeit, alles einzustudieren. Wer einen Hund anschafft, sollte sich überlegen, ob er die Zeit hat, sich um ihn zu kümmern, meint Petra Will. Wer trotz allen Trainings Furcht davor hat, sein Hund könnte etwas Schlechtes fressen, der kann beim Gassigehen auf ein bewährtes Mittel zurückgreifen: die Hundeleine. Dann habe man den Hund nah bei sich und könne schneller reagieren, so der Tipp der Fachfrau.

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