Sven Hofmann fühlt sich bereits nach wenigen Wochen wohl in Hammelburg: "Es ist einfach eine schöne Dienststelle", sagt der 36-jährige Polizeioberkommissar. Damit meint er zum einen die Lage der Polizeiinspektion (PI) im Roten Schloss, zum anderen aber auch die Größe mit 35 Mitarbeitern. "Gerade richtig zum Lernen", kommentiert Hofmann seine Tätigkeit: Sechs Monate lang ist er jetzt im Rahmen seiner Führungsbewährung zum Aufstieg in die 4. Qualifikationsebene Chef der Hammelburger Polizei. Er habe zwar bereits Erfahrungen als Dienstgruppenleiter und stellvertretender Dienststellenleiter gesammelt. Die neue Station sei aber doch etwas anderes: "Jetzt stehe ich ganz vorne, es gibt keine Rückfallebene mehr."

In Schweinfurt aufgewachsen

Sven Hofmann ist gebürtiger Schweinfurter. "Direkt in der Innenstadt aufgewachsen", erzählt er lachend. Mittlerweile lebe er mit seiner Frau und den drei Töchtern im Landkreis Schweinfurt. In der Freizeit spiele er Fußball, fahre gerne Fahrrad und wandere viel. Nach dem Fachabitur 2007 habe er sich erst eine Findungsphase gegönnt: Neun Monate verdiente er sich mit Nebenjobs was dazu, bevor er im März 2008 in den mittleren Polizeivollzugsdienst startete. Erste Station war das 10. Ausbildungsseminar der Würzburger Bereitschaftspolizei. Danach ging es weiter zum Einsatzzug Würzburg und in den Schichtdienst an der PI Schweinfurt. Leiter der PI war damals der aktuelle unterfränkische Polizeipräsident Detlev Tolle aus Hammelburg. "Jetzt bin ich für seine Heimatregion zuständig", sagt Hofmann.

Für den Aufstieg in die 3. Qualifikationsebene bewährte er sich ab 2014 als stellvertretender Dienstgruppenleiter bei der Polizeiinspektion Haßfurt. Gute Ergebnisse in Lehrgängen hätten ihm dazu verholfen, immer weiter aufzusteigen, blickt der 36-Jährige dankbar zurück. Im Jahr 2016 habe er dann das Studium in Sulzbach-Rosenberg begonnen. Die zusätzliche Ausbildung wäre nicht ohne seine Frau, die Eltern und Schwiegereltern möglich gewesen, dankt Sven Hofmann seiner gesamten Familie für die Unterstützung. Umgekehrt habe er mit Elternzeiten nach der Geburt des zweiten und des dritten Kindes auch bewusst Pausen für die Familie eingelegt. Die letzte Elternzeit sei bereits in die Förderphase für den gehobenen Dienst gefallen, habe den Aufstiegschancen aber keinen Abbruch getan: "Der Staat ist als Arbeitgeber sehr modern unterwegs", lobt er die Möglichkeiten im öffentlichen Dienst.

Als Diplom-Verwaltungsfachwirt und Kommissar sammelte Sven Hofamm ab 2018 Erfahrungen als stellvertretender Dienstgruppenleiter und Dienstgruppenleiter bei der Polizeiinspektion Bad Kissingen. Damals habe er bereits mit Christian Pörtner zusammengearbeitet, der von März 2020 bis Juni 2022 die Polizeiinspektion Hammelburg leitete. Über gute Bewertungen ging es weiter: Das Personalentwicklungskonzept sah als erste Förderstation ein halbes Jahr im Polizeipräsidium Unterfranken vor: Im Sachgebiet Organisation und Dienstbetrieb habe er einen Einblick in die Arbeitsweise bekommen.

Ab September 2021 war Hofmann dann ein halbes Jahr Dienstgruppenleiter in Schweinfurt. Chef war damals Markus Hack, der ebenfalls jetzt in Hofmanns vorübergehendem Zuständigkeitsbereich wohnt. "Da sammelt man viele Eindrücke", kommentiert Hofmann die großen Querdenker-Demonstrationen, die damals für Schlagzeilen aus Schweinfurt sorgten. In den sozialen Medien seien zum Teil Polizisten zu "Freiwild" ausgerufen worden. "Die Situation war für viele Beamte nur schwer nachvollziehbar", erinnert er sich. Trotzdem habe er immer versucht, sich ein positives Menschenbild zu bewahren: "Wir müssen immer im Gespräch mit den Bürgern bleiben, wer friedlich demonstrieren will, der soll das tun", betont Sven Hofmann. Schließlich sei die Versammlungsfreiheit ein Grundrecht. Auch bei seiner letzten Förderstation als stellvertretender Dienststellenleiter in Bad Neustadt sei der Umgang mit der Querdenker-Szene ein wichtiges Thema gewesen.

In Hammelburg dagegen gebe es bereits seit Juni keine Demonstrationen mehr auf dem Marktplatz. Auch sonst sei ihm der Einstieg sehr leicht gefallen: "Christian Pörtner hat mir eine gut geführte Dienststelle übergeben." Zudem habe er mit Oliver Ebert einen erfahrenen Stellvertreter an seiner Seite. Für Ebert und die meisten Beamten der PI Hammelburg ist Sven Hofmann mittlerweile der vierte Chef in drei Jahren: Nachdem Alfons Hausmann im Jahr 2019 in den Ruhestand verabschiedet worden war, gab es die erste Führungsbewährung: Martin Kuhn leitete ein halbes Jahr die PI, bevor Pörtner zum 1. März übernahm. Der war vorher stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion in seiner Heimatstadt Bad Kissingen. Dort wurde zum 1. Juli 2022 die Stelle des Dienststellenleiters frei, weshalb Pörtner nach nur 28 Monaten wieder zurück nach Bad Kissingen wechselte. "Ich kann von jedem dazulernen", kommentiert Oliver Ebert die Fluktuation in Hammelburg. Und neben dem Wechsel an der Spitze gab es auch eine Vertretung beim Stellvertreter: Während Ebert ein halbes Jahr beim Polizeipräsidium neue Erfahrungen sammelte, vertrat ihn Florian Aut. Nun sind alle gespannt, wie es ab März 2023 - hoffentlich dauerhaft - an der PI Hammelburg weitergeht.