Man stelle sich vor: drei Kinder sind im Homeschooling, die Eltern arbeiten von zuhause. Also fünf Personen, die zeitgleich einen Laptop oder ein Tablet brauchen. Es gibt aber nur ein oder zwei Geräte in der Familie. Das wird zum Problem.

Lehrer schicken Aufgaben und fordern, dass ihre Schüler diese zügig beantworten. Der Chef erwartet Fortschritte bei der Projektplanung. Die Folge: Stress und Streit, wer ein Gerät wann und wie nutzen darf.

Klar ist: Es gilt die Schulpflicht. Kinder müssen am Unterricht teilnehmen können. Deshalb hatte der Bund und der Freistaat Bayern im Sommer im Rahmen des Digitalpaktes und der Auswirkungen der Pandemie weitere Gelder zur Anschaffung von Laptops und Tablets freigegeben. Schüler sollen sich in der Schule Geräte ausleihen, wenn Bedarf besteht.

Förderprogramme

Der Landkreis hat in einem ersten Schritt 275 000 Euro für Leihgeräte erhalten. Später weitere 106 000 Euro. Für die Leihgeräte der Lehrer und Lehrerinnen und die Stellen für IT-Support an Schulen gibt es noch kein Förderprogramm.

Lieferengpässe

Das Geld ist da, aber die Geräte nur zum Teil. Die Nachfrage ist aufgrund der Corona-Pandemie weltweit enorm angestiegen, sodass es zu Lieferschwierigkeiten kommt. "Die Lieferengpässe sind enorm", heißt es aus dem Landratsamt.

Insgesamt sei der Markt in vielen Teilbereichen sehr angespannt, teilt Pressesprecherin Nathalie Bachmann mit. "Das haben wir in der Form noch nie so erlebt."

Im Zuge des ersten Förderprogramms bestellten Mitarbeiter des Landratsamtes 365 iPads inklusive Hüllen, digitalen Stiften und der zugehörigen Software.Dazu kamen 42 Laptops, fünf Tablet-Koffer und acht Tablet-Wagen.

Weitere Geräte sind bestellt

Der Kreisausschuss hat jüngst beschlossen, mit dem Geld aus der zweiten Förderung weitere 207 Tablets inklusive Zusatzausstattung zu ordern.

Aber: Die iPads aus der ersten Leihgeräte-Bestellung fehlen wegen Lieferschwierigkeiten noch. Zwischenzeitlich haben das Landratsamt einige iPads über andere Bestellungen erreicht.Die Verwaltung im Landratsamt habe sofort reagiert, als das Förderprogramm anlief. Zuvor hätten Mitarbeiter die Rumpf-Infrastruktur aufgebaut - also beispielsweise in Firewalls, Bandbreiten, die Verkabelung investiert.

Nachfrage hält sich in Grenzen

Einige Geräte fehlen zwar noch, aber bisher ist die Nachfrage nach Leihgeräten in den meisten Schulen im Landkreis noch sehr begrenzt.

"An unserer Schule stehen ausreichend Leihgeräte zur Verfügung", teilt Schulleiter Stefan Bub vom Franz-Miltenberger-Gymnasium in Bad Brückenau mit. Nur rund fünf Prozent der Gesamtschülerzahl benötige ein entsprechendes Gerät.

Auch am Johann-Philipp-von Schönborn-Gymnasium in Münnerstadt hält sich der Bedarf an Leihgeräten für Schüler in Grenzen. 40 Schüler benötigen ein Leihgerät.

"Da unsere Unterstufenschüler bereits in weiten Teilen hervorragend mit iPads ausgestattet sind (Tablet-Klassen), ist dort von Haus aus eine Versorgung gewährleistet", schreibt Schulleiter Peter Rottmann.

Ausstattung der Schulen

Am Frobenius-Gymnasium in Hammelburg konnte man den Bedarf an Leihgeräten noch nicht abschätzen. Bis vergangenen Freitag sammelte die Schule Rückmeldungen der Eltern, ob Geräte benötigt würden. "Derzeit haben wir zwei Bedarfsmeldungen, es stehen 35 Leihgeräte zur Verfügung", teilt Schulleiter Matthias Ludolph mit.

Tabletwagen

Die Staatliche Realschule Bad Brückenau hat im April vom Landkreis einen Tabletwagen mit 25 iPads bekommen. "Die Geräte werden täglich im Unterricht umfangreich genutzt", teilt Schulleiter Michael Kreil mit. Diese können als Leihgeräte auf Anfrage der Eltern ausgegeben werden. Die Nachfrage sei derzeit jedoch sehr gering, weil die Schüler zu Hause relativ gut versorgt seien.

höherer Bedarf

An der Mittelschule in Bad Brückenau ist der Bedarf höher. Eine Umfrage im Juli ergab, dass zwanzig Prozent der Schüler, das entspricht 60 Schüler und Schülerinnen auf Leihgeräte angewiesen sind. 40 Leihgeräte gibt es schon, 20 müssen noch angeschafft werden, damit jeder Schüler ein Gerät erhält.

Moderne Klassenzimmer

Die Mittelschule ist generalsaniert und digital auf einem modernen Stand. Jedes Klassenzimmer und jeder Fachraum verfüge über eine hochmoderne digitale Tafel mit Touch und über einen Lehrerarbeitsplatz mit Mini-PC, so Schulleiter Marco Genzler. Es gebe für jeden Unterrichtsraum eine Webcam. Die Schüler hätten Links erhalten, mit denen sie über den Jitsy-Server der Schule von daheim am Unterricht teilnehmen können. Diese Technik sei mit Schülern und Lehrern trainiert und könne eingesetzt werden.

Hürden des Onlineunterrichts

In vielen Schulen im Landkreis ist der Internetzugang nicht dafür ausgelegt, dass Lehrer ihren Unterricht aus dem Klassenzimmer heraus streamen. Ein Beispiel: In der Mittelschule Bad Brückenau müssten dann ca. 350 Zugriffe gleichzeitig verarbeitet werden.

Schon vor dem Beschluss, die Schulen zu schließen, führte das Fehlen eines Breitbandanschlusses im Gigabitbereich etwa an der Staatlichen Realschule Bad Brückenau von Tag zu Tag zu immer größeren Problemen im täglichen Unterricht. Außerdem liegt vielen Schulen kein professionelles Videokonferenzsystem vor.

Hinzu kommen persönlichkeits- und datenschutzrechtliche Einschränkungen, die beim Onlineunterricht zu beachten sind. Es gilt das Prinzip der Freiwilligkeit: Sobald ein Schüler oder eine Schülerin nicht zugestimmt hat, kann der Livestream nicht erfolgen.

Bildung als Persönlichkeitsbildung

Ein Kernelement des Schulunterrichts ist die Persönlichkeitsbildung. Die bayerische Verfassung nennt es Bildung von Herz und Charakter. Bildung ist mehr als bloße Informations- und Wissensvermittlung, deshalb ziehen die meisten Schulen jede Form von Präsenzunterricht einem digitalen Distanzunterricht vor.