"Gemeinsam. Brücken. bauen" heißt ein im vergangenen Sommer gestartetes Förderprogramm der bayerischen Staatsregierung zum Ausgleich pandemiebedingter Nachteile für Schülerinnen und Schüler. Mit diesem zusätzlichen Geld sollen an Schulen bereits vorhandene Förderangebote gestärkt und neue zusätzlich ermöglicht werden. Die Mittelschule Burkardroth nutzt bereits seit Schuljahresbeginn mit drei aufeinander folgenden Projekten dieses Programm und zeigt nach Aussage von Schulleiterin Heidrun von Schoen, "dass auch kleine Schulen solche staatlichen Fördermittel sinnvoll einsetzen können".

Förderprogramm

Die durch das Förderprogramm ermöglichten Projekte sollen den Schülern helfen, die während der Lockdowns, der zweijährigen Kontaktbeschränkungen und durch fehlenden Präsenzunterricht möglicherweise entstandenen Lücken wieder zu schließen, Versäumtes nachzuholen sowie die Kinder und Jugendlichen aus der langen Isolationsphase wieder in die Gemeinschaft des Klassen- und Schulverbunds zurückzuführen. Begonnen wurde an der Mittelschule Burkardroth schon in der letzten Woche vor Schuljahresbeginn im September vergangenen Jahres mit der "Ferienschule". Für deren Durchführung hatten sich eine Lehrerin und zwei pädagogische Mitarbeiterinnen der von Katrin Frank geleiteten Offenen Ganztagsschule (OGS) freiwillig bereit erklärt. Nicht nur für die Pädagogen, sondern auch für alle Schülerinnen und Schüler der fünften bis achten Klassen war dieses Angebot freiwillig, wodurch der täglich von 9 bis 12 Uhr in kleinen Arbeitsgruppen abgehaltene Unterricht einfacher war.

Von März bis April folgte im Rahmen des staatlichen Förderprogramms das vierwöchige Projekt "Rund um den Hund", bei dem sich alles um den erst halbjährigen Irischen Wolfshund Ludwig drehte. Für die Kinder war Ludwig kein Unbekannter. Dessen Frauchen, Erzieherin Jutta Kleinhenz, hatte ihn schon seit Schuljahresbeginn als Welpen täglich mit in die OGS gebracht. "Man braucht ein Medium, um die Kinder aus ihrer mehrmonatigen Isolation im Elternhaus herauszuholen", erläutert Schulleiterin von Schoen das Prinzip dieses Projekts. Allein durch die körperliche Nähe zum Tier und den Umgang mit ihm wird Stress abgebaut, versichert dessen Besitzerin Kleinhenz. Die Kinder, die sich altersunabhängig in dieser Projektgruppe zusammengefunden hatten und vielleicht sonst nie gemeinsam gespielt hätten, durften die Lerninhalte des Projekts selbst bestimmen. So erfuhren sie jeweils donnerstags nach dem gemeinsamen Mittagessen in den zwei Stunden bis 16 Uhr Grundsätzliches über Hunde- und Tierhaltung, lernten spielerisch und kreativ etwas über Hundeerziehung, Verantwortung im Umgang mit dem Hund und auch ganz konkrete Dinge wie Leinenführung. "Es war auch für uns interessant, wie die Kinder auf den Hund reagierten", stellt OGS-Leiterin Frank fest. Inzwischen werden in der OGS zusätzlich eine Katze und eine griechische Landschildkröte umsorgt.

"Alles kann, nichts muss" lautet die Devise bei den spielerisch angelegten Projekten, deren Reihe seit dem 28. April - wieder jeweils donnerstags zwischen 14 und 16 Uhr - sechs Wochen lang mit dem von Katrin Frank geführten Theaterworkshop "Wir führen uns auf" fortgesetzt wird. Dabei geht es der Workshop-Leiterin, die selbst seit Jahren mit der Burkardrother Theatergruppe auf der Bühne steht, einerseits um die Übung in nonverbaler Kommunikation wie Körperhaltung, Körpersprache und Mimik, andererseits aber auch um freies Sprechen vor Publikum. Frank: "Eine gute Übung für den Vortrag von Referaten im Schulunterricht." Gerade nach den zwei Jahren des Maskentragens, in denen Gesichter bis zu den Augen verdeckt waren, gilt es jetzt, selbst die Mimik als Ausdrucksmittel bewusst einzusetzen sowie die Mimik des Gegenübers richtig deuten zu können. Obwohl auch in diesem Workshop die Teilnehmer das konkrete Programm vorgeben, will Katrin Frank versuchen, mit den Kindern und Jugendlichen abschließend ein 20-minütiges Schauspiel aufzuführen. Ob dafür aber sechs Doppelstunden reichen werden? Frank: "Ich gehe davon aus, dass der Workshop fortgesetzt wird."

Im Grunde seien diese zusätzlichen Projekte, die nicht nur den eingetragenen OGS-Schülern, sondern ausdrücklich allen 110 Mittelschülern offen stehen, reine Präventionsangebote, meint Schulleiterin Heidrun von Schoen. "Wir wissen ja gar nicht genau, was Corona bei den Kindern verursacht hat." Voraussetzung für die Umsetzung solcher mit Mitteln des Förderprogramms "gemeinsam.Brücken.bauen" ermöglichten Zusatzangebote war allerdings und ist auch künftig die Bereitschaft hilfswilliger Schullehr- und OGS-Fachkräfte für zusätzlichen Arbeits- und Zeitaufwand und dass der normale Unterricht an der Mittelschule nicht beeinträchtigt wird. "Wenn wir ausreichend Personal haben, kann auch unsere kleine Schule solche Förderprogramme nutzen und die verfügbaren Fördermittel zum Wohl unserer Schülerinnen und Schüler sinnvoll einsetzen", beweist Heidrun von Schoen mit diesen zusätzlichen Angeboten.