"Watch, listen, just enjoy (Schaut zu, hört zu und genießt)," ist das Motto, mit dem das englischsprachige White Horse Theatre in Schulen auftritt. So spielten vier professionelle Muttersprachler aus Großbritannen "Pygmalion" für die Oberstufe und "Neighbours with long teeth" für die Mittelstufe im Frobenius Gymnasium.

"Die Schüler freuen sich auf diese Aufführungen. Oft ist es der erste Kontakt mit Englischsprachigen außerhalb des normalen Unterrichtes. Für die höheren Klassen ist der gesellschaftliche Hintergrund, die Sprachdifferenzierung in Klassikern interessant. Das fördert das sprachliche Vertrauen und motiviert zum Lernen," ist Fachbetreuerin Eva Schweiger von dem Konzept überzeugt.

Gerade am Anfang von Pygmalion kamen nicht nur Schüler ins Straucheln. Denn der Cockney-Akzent des Blumenmädchens Eliza war nur ansatzweise zu verstehen. In diesem berühmten Stück von George Bernard Shaw aus dem Jahr 1912, das auch die Vorlage für "My fair lady" ist, wettet Sprachprofessor Higgins mit seinem Freund Pickering, das Blumenmädchen Eliza Dolittle als Fürstin auf einem Ball zu präsentieren.

Moralisch verwerflich

Das Experiment gelingt. Die moralische Aspekt aber ist verwerflich. Denn der sprachlich sehr distinguierte Higgins benimmt sich sich gedanken- und skrupellos, behandelt die junge Frau wie ein Objekt und stellt sich nicht die Frage, wie sie danach leben soll. "Vorher habe ich Blumen verkauft. Jetzt habe ich nur noch mich selbst", klagt Eliza. In dem vielschichtigen Stück werden wichtige Fragen aufgeworfen, wie der Einfluss der Sprache, der Gesellschaftsklasse auf den Charakter und den Erfolg im Leben des Einzelnen oder die sprachlich verschiedene Kommunikation zwischen Mann und Frau.

Der Applaus des Publikums zeigte dem Ensemble, dass sie das komplexe, immer noch aktuelle Stück sehr gut vermittelten und den richtigen Nerv getroffen hatten. Eine Stunde Zeit bleibt den Darstellern, die Bühne für die zweite Aufführung umzubauen, sich umzukleiden und sich zu erholen. An manchen Schulen kommt sogar noch ein drittes Stück dazu. Das erfordert bewundernswert viel Kondition, Konzentration und Vielseitigkeit von den Akteuren. Die Bühnenkonstruktion ist einfach umzubauen und trotzdem erstaunlich effektiv.

Für "Neighbours with long teeth" von Peter Griffith schlüpfen die Schauspieler von der historischen in moderne Kleidung. Im zweiten Stück für die Mittelstufe ist die englische Sprache einfacher, es wird mehr mit Mimik, Gestik, Musik und Effekten gearbeitet.

Vampire als Abwechslung im Leben

Zum Inhalt: Die Smiths bekommen neue Nachbarn, eine willkommene Abwechslung ihres Mittelklasselebens. Doch die sind anders: es sind Vampire, sie schlafen in Särgen und dieses Anderssein flößt Furcht ein. Ihr einziger Sohn, für den sie nur das Beste wollen, freundet sich mit der Vampirstochter Phylthia an. Vorurteile und Missverständnisse führen zu Problemen. Doch durch die Beharrlichkeit der Jugendlichen kommt man sich näher.

Fragen nach der Aufführung sind erlaubt und ausdrücklich erwünscht. Aber auch zu einer einfachen Frage auf Englisch wie nach dem Namen gehört Mut vor der vollen Aula. Die Schauspieler honorieren dies mit ehrlichen, leicht verständlichen Antworten. Vor allem Details interessieren die Schüler. "Das Sprechen mit Vampirzähnen ist wirklich anstrengend", antwortet Schauspielerin Lauren natürlich auf Englisch.

Interessante Bühnenkonstruktion

Auch die Bühnenkonstruktion zieht die Schüler an. Einmal in einen Sarg klettern, den Teddy mit Vampirzähnen streicheln und hinter die Bühne schauen nimmt die Scheu und ermöglicht ein wenig Small Talk mit den Schauspielern. So erfahren die Schüler, dass die Schauspieler Lauren Baino, Katherine Fielder, Adam Baylis und Myles Horgan noch bis Ende Januar in Deutschland sind. Danach gehen sie nach Frankreich.

Für das junge Publikum interessante Inhalte, dem Wissensstand angepasstes sprachliches Niveau und professionelle Muttersprachler als Akteure sind das Rezept des Theatergründers und Leiters Peter Griffith. Die aufgeführten Stücke stammen meist aus seiner Feder. Peter Griffith arbeitet seit 35 Jahren mit dem Konzept des pädaogischen Theaters. Den Lehrern werden unterrichsbegleitende Materialien vorab zu den Theaterstücken gereicht. Sieben Schauspielgruppen touren durch Europa und Japan und bringen etwa 400.000 Schülern jährlich die englische Sprache durch Theater näher.