Bad Kissingen
Erinnerung

Rakoczy-Fest Bad Kissingen: Norbert Feineis geht nach 30 Jahren als Zar in Rente

Norbert Feineis hat 30 Jahre Zar Alexander II. beim Rakoczy-Fest verkörpert. Dieses Jahr ist er nicht mehr dabei. Ein Gespräch über einen emotionalen Abschied, russische Fanpost und eine schräge Beziehung zur Uniform.
Besondere Erinnerungsstücke: Das Foto von der Autogrammstunde (links) hat ein Fan aus Russland an Norbert Feineis geschickt.
Besondere Erinnerungsstücke: Das Foto von der Autogrammstunde (links) hat ein Fan aus Russland an Norbert Feineis geschickt. Foto: Benedikt Borst
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Fanpost aus Russland, eine geplatzte Uniformhose, oder Festzug-Teilnehmer, die sich provisorische Pissoirs auf die Festwägen bauen, damit sie während des Umzuges austreten können - Norbert Feineis hat viele Geschichten rund um das Rakoczy-Fest zu erzählen. Kein Wunder: Mehr als 30 Jahre hat er als Darsteller mitgewirkt.

Mitte der 1980er Jahre ging es los, in der Bürgerwehr von Peter Heil, des Helden, der der Legende nach die Stadt 1645 vor den angreifenden Schweden gerettet hat. "Ich war als Kfz-Mechaniker beim städtischen Bauhof beschäftigt. Da bin ich darauf angesprochen worden, ob ich als Darsteller bei der Bürgerwehr mitmache", erzählt der heute 75-Jährige. Schon kurze Zeit später war es Feineis, der für den Festwagen Peter Heils der Hauptverantwortliche war. Anfang der 1990er Jahre hat der Peter Heil-Darsteller aufgehört und Feineis als Nachfolger vorgeschlagen. "Das habe ich vier Jahre lang gemacht. In der Bürgerwehr waren dann viele Lehrlinge aus dem Bauhof", sagt er.

Mitte der 1990er Jahre folgte der zweite und letzte Rollenwechsel innerhalb der Historischen Persönlichkeiten des Rakoczy-Festes. Walter Schießer hörte auf, der Rakoczy-Förderverein suchte einen neuen Darsteller für den russischen Zaren Alexander II. Der echte Zar weilte drei Mal zur Kur in Bad Kissingen, in den Jahren 1857, 1864 sowie 1868. Ihn hat Feineis bis zuletzt verkörpert. In diesem Jahr wird der Zar nicht zu den Besuchern des Rakoczy-Festes gehören - Feinheis gibt die Rolle nach annähernd drei Jahrzehnten altersbedingt ab. Tausenden beim Umzug zuwinken oder bei der Autogrammstunde im Kurgarten auf Tuchfühlung mit den Besuchern gehen - für ihn ab sofort vorbei. "Alles hat seine Zeit. Das Bad in der Menge war schön und hat Spaß gemacht, egal bei welchem Wetter. Aber einmal ist für alles Schluss", findet er. In die Rolle des Zaren zu schlüpfen, hat der Wahl-Hausener genossen. "Der echte Zar war von der Beschreibung her ein melancholischer, ruhiger, kühler Typ." Mit dem Charakter habe er sich wohlgefühlt.

Zur korrekten Darstellung gehört die richtige Optik. Feineis wäre nie auf die Idee gekommen, sich einen künstlichen Bart ankleben zu lassen, weil die Haare sich bei warmen Temperaturen beim Trinken und Essen lösen können. Also war Jahr für Jahr ab April Bart wachsen lassen angesagt. Ein Zentimeter Länge kam so im Monat dazu. "Am Rakoczy-Fest hat dann der Maskenbildner den Bart nach historischer Vorlage in Form geschnitten ", erklärt er. Zu Beginn wurde ihm in den schwarzen Bart graue Strähnen gefärbt. Weil die eigenen Haare im Lauf der Jahre grauer als die des Originals wurden, "haben wir den Bart am Ende sogar schwarz gemacht."

Eine lange Bilderrecherche

Eine besondere Verbindung hat der Hausener Zar zu seiner Uniform. Die seines Vorgängers passte ihm nicht. "Da hätte ich ein Hungerhaken sein müssen", meint er lachend. Also stellte ihm der Verein eine alte Paradeuniform, die er kombiniert mit einem schweren Umhang aus Pferdedecken trug.

2009 segnete die Uniformhose das zeitliche - ausgerechnet während eines offiziellen Termins zur Städtepartnerschaft. Der Stoff riss, und der Zar musste sich mit einer Anzughose behelfen. Feineis beschloss, sich eine neue Uniform auf eigene Kosten maßschneidern zu lassen. "Da haben wir lange recherchiert, alte Bilder angeschaut, bis wir den Schnitt der Uniform genau herausgefunden hatten." 2400 Euro habe sie gekostet. Das Zarenkleid hat Feineis bei seinem Abschied dem Verein überlassen. "Jetzt können sie jemanden suchen, der dort hineinwächst." Das Rakoczy-Fest ist im Lauf der Jahre professioneller und besser geworden, findet er. "Der Umzug ist gewachsen und schöner und, dass das Festprogramm am Freitag beginnt, ist wichtig." Dass er über Jahrzehnte als Darsteller bei den Feierlichkeiten eingebunden war, ist für ihn eine Bereicherung. "Es hat viel Spaß gemacht, sonst hätte ich es nicht so lange gemacht."

Als Höhepunkt schätzt er persönlich gar nicht einmal den Festball und den Umzug, sondern die Autogrammstunde, die die Historischen Persönlichkeiten im Kurgarten abhalten. Gerade bei russlandstämmigen Besuchern habe er als Zar Alexander II. hoch im Kurs gestanden. "Sie wollen ganz oft mit dem Zar fotografiert werden. Ich habe sogar schon Fanpost aus Russland bekommen", erzählt er.

Überhaupt hat Feineis das Rakoczy-Fest in seinen Jahren als Aktiver als sehr international kennengelernt. "Rakoczy ist Völkerverständigung", sagt er. Die Besucher kommen nicht nur aus ganz Deutschland oder aus den Partnerstädten Eisenstadt, Vernon und Massa, er habe genauso Besucher aus den USA, Kanada, Australien oder aus Russland kennengelernt, die zu dem Festwochenende anreisen.

Privat mitfeiern will Norbert Feineis dieses Jahr nicht. Zu emotional ist der Abschied, auch wenn er sicher ist, dass es der richtige Zeitpunkt ist, um aufzuhören. "Mit 75 Jahren muss man das nicht mehr haben. Jetzt sind jüngere dran", sagt er. Alles hat seine Zeit. Das gilt auch für den Zaren aus Hausen.

Programm-Höhepunkte 2022

Das Rakoczy-Fest findet von Freitag bis Sonntag, 29. bis 31. Juli, statt. Eröffnung ist freitags um 19 Uhr auf dem Marktplatz. Programmhöhepunkte sind Saale brennt (21.45 Uhr, Freitag), Festball (20 Uhr, Samstag), sowie am Sonntag Festzug (14.30 Uhr) Autogrammstunde (16 Uhr) und Abschlussfeuerwerk (22.15 Uhr).