Auf dem Areal zwischen Bahnhof und Ostring will eine Investorengruppe um Niko Rotschedl und 2. Bürgermeister Anton Schick ein neues Wohngebiet entstehen lassen: den Prinzregentenpark. Geplant sind 163 Wohnungen plus Büros verteilt auf elf Neubauten. Das Ganze richtet sich an ein wohlhabendes Klientel, ist aber nicht unumstritten. So fürchten Anwohner zum Beispiel dass ihre Wohnqualität unter dem geplanten neuen Quartier leidet, etwa weil der Verkehr zunimmt. Weitere Kritiker sehen in den bis zu 19 Meter hohen Neubauten Gebäuden massive Eingriffe in ein unberührtes Biotop, das zudem direkt an die Welterbe-Schutzzone angrenzt.

Im Frühjahr hatte der Stadtrat grundsätzlich Grünes Licht gegeben. Aktuell schafft das Bauamt die baurechtlichen Voraussetzungen für das Vorhaben. Teil des Verwaltungsprocederes ist eine frühzeitige Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch im Stadtrat diskutiert und es wurde beschlossen, welche Auflagen sich daraus für die Investoren ergeben. Die wichtigsten Kritik- und Diskussionspunkte im Überblick:

1. Umwelt- und Naturschutz: Hier kommen auf die Investoren einige Vorgaben zu. Zum einen müssen sie einen 25 Meter langen Grünstreifen zwischen den Häusern und den Gleisen anlegen. Vor allem aber haben sie größere Ausgleichsmaßnahmen zu leisten, für den Wald, der dem Wohnprojekt weicht. Die Stadt und die Untere Naturschutzbehörde fordern, dass 16 Bäume in den späteren Höfen und Plätzen gepflanzt werden. Zudem soll an Stellen, wo bereits zu viele Bäume geschlagen wurden, der Wald wieder aufgeforstet werden. Ansonsten bleibt der Wald auf dem Areal als Biotop erhalten und soll von den Investoren gepflegt werden. Weitere Vorgabe ist, 151 Bäume auf der früheren Deponie Katzengrund (Garitz) neu anzupflanzen. Darüber hinaus sollen die Investoren ein Areal von mehr als 11.000 Quadratmetern am Embach (Albertshausen) renaturieren. 42 Bäume werden noch gefällt. Alle Fällungen sind mit den Neupflanzungen ausgeglichen, sagt Bauamtsleiterin Christine Schwind. Der Stadtrat stimmte den Vorgaben einstimmig zu.

2. Einzelhandel: Der Einzelhandelsverband Unterfranken begrüßt, dass neuer Wohnraum entsteht. Geschäfte die sich dort möglicherweise ansiedeln, sollen aber nicht die Läden in der Innenstadt gefährden. Das sieht die Stadt ähnlich: Sie will dort keinen großflächigen Einzelhandel erlauben (maximale Verkaufsfläche von 1000 Quadratmetern). Geschäfte dort sollen der Quartiersversorgung dienen und Artikel für den täglichen Bedarf anbieten. Auf Antrag von Bernd Czelustek (SPD) sollen aber auch Fachgeschäfte die Möglichkeit haben, sich dort anzusiedeln. Der Stadtrat stimmte den Vorschlägen mehrheitlich mit 19 zu 6 Stimmen zu. Die Fraktionsgemeinschaft Grüne und Linke lehnte die Ausnahmen für ein nicht zentrenrelevantes Sortiment ab.

Martina Greubel (DBK) stieß eine kurze Diskussion an, weil sie befürchtet, dass eine Geschäftswelt im Prinzregentenpark die Bemühungen torpediert, das ungenutzte Bahnhofsgebäude wieder mit Leben zu füllen.

3. Bürgerkritik: Ein Bürger fordert in einer Stellungnahme, das Planungsverfahren abzubrechen, was der Stadtrat einstimmig ablehnte. Der Bürger kritisiert die große Flächenversiegelung und fordert, zunächst Leerstände etwa im Kurgebiet zu beseitigen. Darüber hinaus behindere die Bebauung die Frischluftzufuhr, die Attraktivität des Welterbes werde gefährdet und bisherige Visualisierungen des Prinzregentenparks seien geschönt und würden nicht die massiven Eingriffe zeigen. Die Stadt verweist auf verschiedene Sanierungsprogramme zur Innenentwicklung, stützt sich auf Klimagutachten, sowie laufende Absprachen mit Denkmalschutzexperten. "Brachflächen sind nicht im Sinne des Welterbes", kommentiert Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) die Stellungnahme. Die Befürchtung von Anwohnern, die Verkehrsbelastung würde zunehmen, entkräftet die Stadt mit einem Verkehrsgutachten. "Es werden keine Konflikte erwartet", so die Einschätzung aus dem Bauamt.

Wesentliche Änderungen für das Wohnquartier ergeben sich nicht. "Die Planung ist konkreter geworden", sagt Bauamtsleiterin Schwind. Der Stadtrat beauftragte die Verwaltung mit den nächsten Planungsschritten.