Wer Entschleunigung sucht, findet sie in der Kutsche, die mit vier PS vom Welt- ins Biedermeierbad fährt. Das gilt seit 82 Jahren und das gilt auch in diesen schwierigen Pandemiezeiten und so strahlte Thomas Leiner im Innenhof von Schloss Aschach mit der milden Herbstsonne um die Wette. Der 3. Bürgermeister der Stadt ist Vorsitzender des Postkutschenvereins, dem neben Stadt, Landkreis und Staatsbad GmbH Bad Kissingen auch der Bezirk Unterfranken sowie der Markt und die Touristik GmbH Bad Bocklet angehören. Er hatte nach der Abschlussfahrt durchweg Erfreuliches zu berichten: "Zuerst das Wichtigste. Die Saison ist wieder unfallfrei verlaufen", stellte Leiner fest.

Die beiden neuen Pferde aus Polen, die Pferdewirt Hans Körner vor die seit Jahren bewährten Rosse gespannt hatte, und Kutscherin Yvonne Körner haben ihre Passagiere wieder völlig entspannt durch das Saaletal kutschiert und sie die idyllische Weite der Landschaft erleben und langsam an sich vorüberziehen lassen. Wenn dann der Postillion Stefan Matthes noch mit "Wohlauf, die Luft geht frisch und rein" ein Loblied auf Franken bläst, dann kann man zwischen dem Welt- und dem Biedermeierbad für eine Weile Lärm, Hast und manche Probleme vergessen, meinte der Vorsitzende und verwies auf die Tradition, die der Verein seit 82 Jahren aufrechterhält. Auch jetzt noch, da die Post sich vor einigen Jahren aus der Finanzierung zurückgezogen hat. Aber der kleine Postkutschenverein will weiterhin zum sorgsam gehegten Image von Bad Kissingen und Bad Bocklet beitragen. Ein nostalgisch-traditionelles Fortbewegungsmittel, das die naheliegenden Bäder verbindet, passt da einfach perfekt dazu.

Abstimmung mit dem Gesundheitsamt

So ganz einfach war auch die zweite Corona Saison nicht, berichtete Leiner. Der enge Raum in der Kutsche - sie wird wegen "Personenbeförderung mit fester Linie" wie ein öffentliches Verkehrsmittel gesehen und mit einer Seilbahn verglichen - erfordert nun mal strenge 3 G Regeln und Maskenpflicht, aber die Passagiere hatten für alle Maßnahmen Verständnis, so Leiner. Nur die ersten beiden Fahrten waren nicht ganz ausverkauft, ansonsten war die Kutsche jeden Tag voll besetzt. Der Postkutschenchef verwies auf die gute Zusammenarbeit mit Bad Bocklet und hofft auf eine vielleicht wieder einfachere Saison im nächsten Jahr, wenn die Schrecken von Covid 19 hoffentlich überwunden sein werden.

Die Stunde mit Meditation, Geschichte und Langsamkeit hat schon was, meinte auch Bocklets wiedergenesener Bürgermeister Andreas Sandwall nach dem Ständchen, mit dem die Postkapelle im Schlosshof von Aschach die Fahrgäste, stellvertretender Landrat Emil Müller, Kissingens Staatsbadchefin Sylvie Thormann, Bocklets Touristikmanager Thomas Beck und erstmals auch Bad Kissingens Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogel mit Familie empfangen hatte. Der freute sich sichtlich, als Ehrengast mitfahren zu dürfen: "Viele Jahre habe ich die Postkutsche vorbeifahren sehen. Heute durfte ich mitfahren und die Fahrt kann ich nur jedem empfehlen".