Nach dem historischen Tief von 2899 Straftaten im Jahr 2019 steigen die Zahlen im Landkreis wieder leicht auf 3377 Fälle an. Dennoch liegen die Straftaten damit noch auf Platz drei der vergangenen zehn Jahre - und unter dem Zehn-Jahres-Durchschnitt von 3608 Fällen. Bei einem Großteil der Straftaten handelt es sich in der ländlich geprägten Gegend wie sonst auch um Fälle der einfachen und mittleren Kriminalität.

Belastbare Aussagen darüber, ob und wie die Corona-Pandemie verschiedene Deliktbereiche beeinflusst hat, seien den Präsidien nicht möglich, meint Stefan Haschke, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion (PI) Bad Kissingen.

Starke Steigerung der Fallzahlen in Hammelburg

Im Dienstbereich der Polizeiinspektion Hammelburg hat sich die Anzahl der registrierten Straftaten nach kontinuierlichem Abfall in den vergangenen Jahren stark gesteigert. Von 530 Fällen im Jahr 2019 stieg die Zahl auf 791.

"Damit befindet sich der auf den ersten Blick hohe Wert allerdings nur im Mittelfeld des Zehn-Jahres-Vergleichszeitraumes", sagt Christian Pörtner, Dienststellenleiter der PI Hammelburg. Die Steigerung der Fallzahlen habe verschiedene Gründe. Dennoch sei die Sicherheitslage hervorragend: "Die Aufklärungsquote erreicht einen Spitzenplatz in Bayern und es wurden keine Kapitalverbrechen verzeichnet."

Die größte Steigerung findet sich im Bereich der Sexualdelikte, es folgt der Bereich Vermögen und Betrug, Drogenkriminalität und Rohheitsdelikte. Letzteres habe seine Begründung in Nachbarschaftsstreitereien, was mitunter pandemiebedingte Gründe habe. Im Rauschgiftsektor führten gezielte Kontrollen dazu, dass mehr Fälle ins Hellfeld gezogen wurden. Zu der Steigerung im Bereich der Betrugs- und Fälschungsdelikte zählt auch der Fall eines Mannes, der 14 Betrugsdelikte hinter sich zog.

Bad Brückenau deckt Dealer auf

In Bad Brückenau liegen die Straftaten mit 696 Fällen zwölf Prozent über dem Niveau von 2019, während die Gesamtbilanz für Unterfranken 2020 praktisch keine zahlenmäßige Veränderung gegenüber 2019 verzeichnet.

Thomas Vöth, Polizeihauptkommissar der Polizeiinspektion Bad Brückenau sagt: "Die Zahl von 696 Fällen relativiert sich, wenn man sie mit dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre vergleicht." Das sind 755 Fälle. Die im ländlichen Bereich regelmäßig hohe Aufklärungsquote stieg 2020 erneut an und erreichte 2020 mit 80,3 Prozent einen Spitzenwert. Körperverletzungsdelikte und schwere Diebstähle sanken. Die Zahl der Sachbeschädigungen blieb praktisch gleich.

Für die Steigerung der Gesamtstraftatenzahl entscheidend war die Steigerung im Betäubungsmittelsektor von 43 Fällen 2019 auf 142 Fälle im Jahr 2020. Dies ist eine prozentuale Steigerung um 230 Prozent. "Auch im längerfristigen Vergleich findet sich keine annähernd hohe Fallzahl im Bereich der PI Bad Brückenau", sagt Vöth. Hintergrund: In Strafverfahren gegen Dealer tauchen häufig Informationen über deren Abnehmer auf. Diese Personen, meist eine große Zahl von Kleinverkäufern oder Konsumenten, würden mit zur Anzeige gebracht und sorgen so für die statistisch starke Zahlenmehrung im Rauschgiftbereich.

Nach Einschätzung der PI Bad Brückenau sei die Region Bad Brückenau 2020 nicht plötzlich zu einem Hotspot der Betäubungsmittelkriminalität geworden. Vielmehr sei es gelungen, das Geschäft mit illegalen Suchtmitteln ein Stück weit ans Tageslicht zu bringen.

Leichter Anstieg der Straftaten in Bad Kissingen

Nach dem historischen Tiefstand im Jahr 2019 ist die Anzahl der registrierten Fälle auch im Bereich der PI Bad Kissingen mit einem Plus von 8,6 Prozent gestiegen. Dies entspricht in absoluten Zahlen eine Zunahme um 144 Fälle auf 1890 Straftaten für das Jahr 2020. Doch auch hier ist der Wert im Zehn-Jahres-Vergleich nur der drittniedrigste Wert. Der Durchschnitt der vergangenen Jahre liegt bei 2058.

Die Aufklärungsquote von 73,2 Prozent ist die beste der vergangenen zehn Jahre. Eine Steigerung gab es in Bad Kissingen bei den Sexualdelikten und bei Vermögens- und Betrugsfällen, zudem stiegen die Fälle von Diebstählen und Rauschgiftdelikten leicht an. Rohheits- und Beleidigungsdelikte sanken hingegen.

Das Fazit von Stefan Haschke, Dienststellenleiter der PI Bad Kissingen: "Ein moderater Anstieg der Straftaten, eine niedrige Kriminalitätsbelastung sowie ein historischer Höchststand bei der Aufklärungsquote: All dies sind objektive Kriterien für eine sehr gute Sicherheitslage in der Region Bad Kissingen und vermitteln ein gutes Gefühl der Sicherheit".

Neue Aufgabe durch Corona

Die Überprüfung der Einhaltung der Corona-Regeln bildete im Jahr 2020 in allen drei Polizeiinspektionen einen Schwerpunkt der polizeilichen Arbeit. Die PolizistInnen leiteten rund 750 Ordnungswidrigkeitenverfahren ein. Diese sind keine Straftaten und werden daher nicht in der Polizeistatistik gezählt.

Für den Landkreis Bad Kissingen wurden im Zeitraum von 20. März 2020 bis 31. Dezember 2020 insgesamt 747 Ordnungswidrigkeiten im Zusammenhang mit dem Infektionsschutzgesetz festgestellt. Darauf entfielen im Einzelnen auf die PI Bad Kissingen 405 Ordnungswidrigkeiten, auf die PI Bad Brückenau 189 und auf die PI Hammelburg: 153 Ordnungswidrigkeiten.

Details zu den Straftaten der einzelnen Bereiche lesen Sie in diesem Artikel.