Wolfgang Döring ist einer der vielen Rhöner, die zur Zeit auf der Suche nach Pilzen durch die Wälder streifen. "Hier rund um Steinach gibt es jede Menge Pilze", berichtet der 48-Jährige, der erst im vergangenen Jahr aus Niedersachsen in die Rhön gezogen ist. Deshalb kennt er auch noch nicht die besten Plätze: "Ich bin eher auf Zufallsfunde angewiesen und oft komme ich schon zu spät, weil alles abgeerntet ist." Trotzdem hat er schon jede Menge Pilze
entdeckt, darunter viele Parasol. Von Einheimischen eher verschmäht werde der Blut- oder Edel-Reizker. "Der sieht nicht so appetitlich aus, aber ich esse ihn gerne mal, vor allem in einer Pilzpfanne zusammen mit anderen."

Sämtliche Pilz-Kurse ausgebucht

Der Edel-Reizker gehört zur Familie der Täublingsverwandten, die auch Pilz-Experte Otmar Diez schätzt. Der Sulzthaler beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Pilzen, ist Sachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie und bietet in seiner "Naturschule Diez" Kurse an. "Heuer waren alle ausgebucht, selbst die Zusatz-Termine", sagt Diez. Rund 100 Anfänger hätten sich bei ihm informiert, was im Wald so üppig wächst.

"Von Grund auf lernen"

"Wichtig ist mir, dass die Leute die Pilzkunde von Grund auf lernen", sagt Diez. Deshalb überfordere er auch keinen Neuling mit Pilz-Namen. "Mir geht es zunächst um Gattungen, zum Beispiel kann man sich viel leichter merken, dass alle Filz-Röhrlinge essbar sind." Dazu gehört einer der beliebtesten Pilze der Rhön, der Steinpilz.
Bei Lamellen-Pilzen dagegen bestehe immer Verwechselungsgefahr mit tödlich giftigen Pilzen. Selbst Pilz-Sachverständiger Otmar Diez untersucht zum Teil die Sporen unterm Mikroskop, um sich wirklich sicher zu sein. Deshalb lautet seine Warnung: "Hände weg von Pilzen, bei denen man sich nicht zu 100 Prozent sicher ist." In Kursen teile er sein Wissen gerne und helfe auch bei der Bestimmung einzelner Pilze, aber als Sach-Verständiger ist er zurückhaltender geworden: "Oft haben mir Leute einfach einen Korb mit den unterschiedlichsten Pilzen vor die Tür gestellt und ich sollte ihnen eine Pilzpfanne zusammenstellen." Darauf geht er nicht mehr ein: "Das ist nicht meine Philosophie, wie man mit der Natur umgeht." Stattdessen möchte er Interessierte zum schonenden Umgang mit der Natur anleiten.

Gedörrte Pilze nur einsprühen

Und wie oft isst ein Sachverständiger Pilze? "Nicht jeden Tag", sagt Diez. Aber gerne mal einen Täubling: "Die behalten den Biss besser als Steinpilze." Am liebsten brate er Pilze in der Pfanne mit Zwiebeln an. Was er nicht gleich isst, dörrt er für den Winter. Sein Tipp zur Verwendung: "Am besten nicht einweichen, sondern nur einsprühen, dann bleiben die Geschmachsstoffe besser erhalten."
Pilz-Expertin beim Landratsamt Bad Kissingen ist Petra Koch. Sie verweist darauf, dass in Naturschutzgebieten keine Pilze und einige Arten gar nicht gesammelt werden dürfen: Kaiserlinge, Trüffel, Semmelporling oder Sommerröhrlinge etwa seien absolut tabu. Andere Pilzsorten seien zwar geschützt, dürften aber - wie auch die ungeschützten - für den eigenen Bedarf gesammelt werden: Steinpilze, Pfifferlinge, Schweinsohr, Rotkappe, Birkenpilz und Morcheln. Welche Mengen genau erlaubt seien, sei nicht festgelegt: "Das, was ich selbst verspeisen kann", laute die Faustformel.
Wer gewerblich sammeln möchte, muss sich das vorher genehmigen lassen. Petra Koch will in diesem Fall aber genau wissen, wo gesammelt wird. "Eine Handvoll" gewerbliche Sammler sei beim Bad Kissinger Landratsamt angemeldet. "Wir haben auch über die Lebensmittelüberwachung die Gaststätten darauf hingewiesen, dass sie sich die Genehmigung zeigen lassen müssen."

Drei Einsätze, aber nicht hochakut

Die Integrierte Leitstelle Schweinfurt verzeichnete heuer bisher drei pilzbedingte Einsätze, berichtet deren Leiter Thomas Schlereth, einer davon im September im Landkreis Bad Kissingen. Alle Fälle seien nicht "hochakut" gewesen, es habe sich "nur" um Erbrechen und Übelkeit nach Waldpilzgenuss gehandelt. "Grundsätzlich ist es in diesem Sektor ruhiger geworden", berichtet Schlereth. Allerdings gebe es ein anderes Phänomen: So mussten im Neuwirtshäuser Forst erst vor kurzem zwei Pilzsammler wegen Erschöpfung und Kreislaufkollaps notärztlich versorgt werden, weil sie sich verlaufen hatten.
Grundregeln Das Landratsamt und die Regierung von Unterfranken bitten Sammler, Pilze sorgfältig abzuschneiden oder herauszudrehen, kleine, alte, giftige und unbekannte Pilze stehen zu lassen sowie nur so viele Pilze mitzunehmen, wie man selbst verwerten kann. Gewerbliche Sammler können die Genehmigung bei der Unteren Naturschutzbehörde beantragen.

Info Im November wird das neue Programm der Naturschule Dienst veröffentlicht. Kontakt unter Tel.: 09704/ 600554 oder www.naturschule-diez.de.