Eine Spitze der Hoffnung ist unter anderem das Erfüllen von Wünschen - und sei es unter erschwerten Bedingungen. In den Townships um "Das Kap der guten Hoffnung" herum, in der Region Kapstadt, hat die Bad Bockleter Journalistin Gaby Zahn eine Aufgabe gefunden, die in wunderbarer Weise klassische Musik mit humanitärer Hilfe verbindet.

Sie drückt das so aus: "Die Kinder in den Townships sind hungrig nach Bildung, sie sind wissbegierig, sie wollen alles erfahren." Es lässt vermuten, dass sie vielleicht weniger Zeuge dessen sind, wie ihre Unterstützung denn zustande kommt - durch die "Cape Classic"-Reihe nämlich, bei der ausgewählte Interpretinnen und Interpreten aus der Welt der klassischen Musik in Bad Kissingen und Umgebung einen Ausschnitt aus ihrem hervorragenden Können präsentieren.

Mit zwölf Jahren Orchestersolist

Zum zweiten Konzert im Jahr 2021 hatte Gaby Zahn Amadeus Wiesensee eingeladen, und der sehr gute Besuch des Recitals im Max-Littmann-Saal des Regentenbaus konnte eine weitere Bestätigung ihres Engagements sein. Wenn 'Amadeus' als Namensgebung eine Hoffnung der Eltern ausdrückt, so ist bei dem 28-jährigen Künstler bisher alles richtig gut gelaufen: mit zwölf Jahren schon als Orchestersolist in München aufgetreten, in der Zwischenzeit Nachwuchs- und etablierte Festivalauftritte hinter sich und in großen Konzertsälen zuhause. Fachleute bescheinigen ihm eine riesengroße Zukunft.

Warum ist er so? Dass er das Instrument perfekt beherrscht, ist bei seinem Niveau Standard. Jedoch fällt die Herangehensweise besonders auf, dass sich auf einen sehr guten Freund - den Steinway Flügel - zubewegen, die Tasten behutsam für sich einzunehmen und anschließend das zu fordern, was man von guten Freunden erwarten kann, ehrliche und gefühlvolle Töne. Selbst das Loslassen der Tasten nach hochkonzentrierter Darbietung ist ein Akt der Zuneigung, das Gespür dafür, den Trennungsschmerz nach gelungenem Spiel zu verkleinern.

Parallelinteresse an der Philosophie

Die Biografie von Amadeus Wiesensee spricht von einem Parallelinteresse an der Philosophie, welches der Künstler auch durch Studium und Einser-Abschluss bestätigt hat. Es ist irgendwie anders, den Beethoven (1770-1827) so interpretiert zu bekommen, sei es zu Beginn das II. Allegro aus der Sinfonie Nr. 7 in einem Arrangement von Franz Liszt oder am Ende die "Mondscheinsonate". Die Zuhörer erfahren eingangs von Amadeus Wiesensee, dass Robert Schumanns (1810-1856) Fantasie C-dur op.17 anlässlich einer Denkmaleinweihung zu Ehren Beethovens in Bonn erklingen sollte. Die Auftragskomposition von Franz Liszt ist aber erst Jahre später fertig geworden. Es erschließt sich aber kurze Zeit später in der Spielweise des Pianisten "das Monument der Liebe", welches Schumann für Ludwig van Beethoven empfunden haben muss.

Mozart und Beethoven vereint

So harmonisch vereint, wie bei diesem oder seit langem bei anderen Vorträgen, sind sich der Bonner Komponist und der Salzburger Weltstar Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) nach biografischen Darstellungen bei ihren kurzen Begegnungen nicht gewesen. Trotzdem ist es ein Genuss, von demselben Interpreten in einer Konzertfolge von Beiden zu hören. Mozarts Klaviersonate A-Dur (KV 331), wie vieles von ihm ein weltberühmter Ohrwurm, ist in Amadeus Wiesensees Version auch ein Teil seiner Hinterfragung der nicht vorhandenen Notenblätter. So als spüre man den philosophischen Ansatz, wofür denn diese Komposition gut sein soll, die "wie ein kleiner Bergsee am frühen Morgen" (Wiesensee) in den Ohren klingt. Jedenfalls dürfte spätestens in der finalen "Mondscheinsonate" dem härtesten Konzertgänger aufgefallen sein, dass um ihn herum das Hören der Wiesensee-Interpretationen zu einer sich bewegenden Gefühlswelt geführt haben - zu einer Stille, die durch Beifall für eine Zugabe zu zerreißen, nur sehr verhalten angegangen wurde. Eine Pause für Sekt oder Häppchen hätte da nur geschadet. Amadeus Wiesensee hat diesem Konzertabend eine Seele gegeben und im wahrsten Sinne Humanität geschenkt.