Der Palmsonntag naht mit großen Schritten und damit die Tradition Palmzweige für den Kirchgang bereitzuhalten. In der Region werden Zweige von Sal-Weiden genutzt. Mit den silbern schimmernden weichen "Kätzchen" halten sie durchaus das ganze Jahr im Herrgottswinkel hinter dem Kruzifix. Auch im Ostergesteck für die Dekoration machen sie sich gut.

2019 fand das Artenschutz-Volksbegehren "Rettet die Bienen" statt. Da ging es neben die Landwirtschaft betreffende Themen auch um den Schutz der Artenvielfalt. Für den Pfarrgemeinderat im Pastoralen Raum Hammelburg war es Grund ihren Gläubigen zu empfehlen auf die Sal-Weiden am Palmsonntag zu verzichten.

Pastoralreferent Markus Waite schreibt im Pfarrbrief: "Die Pollen der Salweiden-Blüten sind für 500 einheimische Insektenarten - darunter Bienen und Hummeln - erste und oft einzige Nahrungsquelle im Frühjahr, etwa 100 Schmetterlingsarten leben davon und selbst Vögel suchen sie auf. Darum stehen "Weidenkätzchen" unter Naturschutz. Die Pfarreiengemeinschaft empfiehlt für den Palmsonntag stattdessen Buchs oder ähnliches.

Es sei keine Vorschrift, sondern eine Empfehlung an die Gemeinden, betonte Waite im Gespräch. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen aber, dass diese Anregung durchaus angenommen und Alternativen genutzt werden, die ebenfalls sehr schön anzusehen seien.

Liturgisch sei es nicht notwendig, dass "Weidenkätzchen" an Palmsonntag verwendet werden. "Das ist aus der Tradition heraus entstanden", ist sich Waite sicher.

Begründet sei die Tradition auf der biblischen Überlieferung von Jesus Einzug nach Jerusalem. Im Markus-Evangelium heißt es: "Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg, andere aber grüne Zweige, die sie auf den Feldern abgehauen hatten."

In Israel handelte es sich zur Zeit Jesu sicher nicht um Weidenkätzchen. "Der Brauch zum Palmsonntag mit einem Handstrauß von Weiden in die Kirche zu gehen oder einer Prozession teilzunehmen, ist nicht an eine bestimmte Pflanze gebunden", sagte Waite.

Klaus Spitzl der Geschäftsführer des Vereins Naturpark und Biosphärenreservat und leidenschaftlicher Bienenzüchter bezeichnet das Thema als "Spannungsfeld zwischen Umweltschutz und Tradition". Neben dem Schutz der Bienen müsse auch der Respekt vor einer Tradition berücksichtigt werden. Ob eine Gefahr für die Biodiversität gegeben sei, wenn im frühen Frühjahr Weidenzweige für den Palmsonntag geschnitten werden, wollte er nicht beurteilen. Allerdings gebe es auch eine rechtliche Grundlage, die zu beachten sei.

Bettina Albert vom Umweltamt (Untere Naturschutzbehörde) am Landratsamt Rhön-Grabfeld erteilte hierzu Auskunft: In der Zeit vom 1. März bis 30. September jeden Jahres sei zum Schutzes wild lebender Tiere und Pflanzen die Erlaubnis für Gehölzschneidemaßnahmen stark eingeschränkt. Das Bundesnaturschutzgesetz erlaube in diesem Zeitraum lediglich schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des jährlichen Zuwachses oder zur Gesunderhaltung von Bäumen.

Alternative: Buchs

"Aus diesem Grund ist es auch untersagt, zum jetzigen Zeitpunkt Weidenkätzchen für den kirchlichen Osterbrauch zu entnehmen", so Albert. Dies betreffe Sal- und Korbweiden. "Wer auf den österlichen Brauch nicht verzichten möchte, kann bei einer Blumenhandlung die Zweige erwerben, da diese nicht von dem Verbot des Bundesnaturschutzgesetzes erfasst sind. Auch in Ihrem eigenen Hausgarten dürfen Sie die Zweige auch zum jetzigen Zeitpunkt im Rahmen eines Pflegeschnitts abschneiden." Das Umweltamt verweist auf Alternativen, wie Buchs, der sich für diesen Brauch anbiete.

Wer vor dem 1. März die Zweige für den Palmsonntag geschnitten hat, der sei ebenfalls auf der rechtlich sauberen Seite. In Oberweißenbrunn werden für die Gläubigen an Palmsonntag von der Kirchengemeinde entsprechend Zweige mit "Weidenkätzchen" bereit gehalten. Sie wurden geschnitten und lagern dunkel und kühl in einer Scheune, damit sie nicht vorzeitig ausblühen.

Bislang sei die Untere Naturschutzbehörde bei diesem Thema nicht tätig geworden, erklärte Albert. "Die Entnahme von einzelnen Zweigen für die häusliche Dekoration oder für die kirchlichen Traditionen wird hier allerdings in der Regel geduldet, sofern die Entnahme behutsam und sparsam durchgeführt wird."