Jochen Vogel (CSU) hat in Sachen Fulda-Main-Leitung (P43) mit vielem gerechnet. Aber dass der Übertragungsnetzbetreiber Tennet ausgerechnet die A7 als "Vorzugstrassenkorridor" wählt, das überraschte den Bürgermeister von Bad Brückenau schon. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man an dieser Stelle die 380-kV-Leitung umsetzt", sagt der ehemalige Vorsitzende des Vereins "RhönLink".

Dieser Verein hatte sich einst gegen den Südlink-Strang gewandt. Der sollte ebenfalls als Freileitung mehr oder weniger an der Rhönautobahn entlangführen. Erst später wurde die Gleichstromtrasse unter die Erde und in den östlichen Landkreis Bad Kissingen verlegt.

Die Gemengelage an der A7 hat sich für Vogel seitdem nicht verändert: Naturschutzgebiete und sogar Kernzonen des Biosphärenreservats bis fast an die Autobahn, ebenso Bebauung, zum Beispiel in Römershag oder weiter südlich in Elfershausen. Dort bildet ja zusammen mit der Bebauung der Schwedenberg auf der anderen Seite eine weitere Engstelle. Für den Bürgermeister sind das für eine Freileitung "unüberwindbare Hürden".

Er fragt sich, wie man da zum Beispiel die Abstandsflächen von 400 Metern zu geschlossener Wohnbebauung und 200 Metern zu einem Weiler einhalten wolle. Wohnhäuser mit Höchstspannungsleitungen zu überspannen, ist nicht erlaubt.

Was den Kommunalpolitiker besonders wundert: Schon bei Südlink habe man erkannt, dass der Korridor an der A7 zu viele Widerstände für eine Freileitung bietet. Das habe damals auch die Bundesnetzagentur als genehmigende Behörde erkannt.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Variante bei der Bundesnetzagentur für gut geheißen wird", sagt Vogel nun zum P43-Vorzugskorridor. Das würde seiner Ansicht nach allem widersprechen, was in der inzwischen sieben Jahre währenden Debatte um die Stromleitungen diskutiert worden sei.

Auch Mario Götz (CSU), Bürgermeister von Oberthulba, ist "in gewisser Weise überrascht". Auch er führt "große Hindernisse" an, meint damit die Beschaffenheit der Landschaft, Naturschutz- und Waldgebiet, die bedroht wären. Besonders fürchtet Götz um das Thulbatal, in dem 40 Hektar Kernzone seien. "Es wäre ein Schlag ins Gesicht, wenn da Strommasten drüberlaufen."

Hammelburgs Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) müsste eigentlich entspannt sein. Der Vorzugskorridor schrammt knapp an der Grenze des Stadtgebiets vorbei. Trotzdem hält sich seine Erleichterung in Grenzen. "Wir dürfen uns nicht in Sicherheit wiegen, dass die Vorzugsvariante nicht wieder verlegt wird." Damit spielt Warmuth darauf an, dass die Bundesnetzagentur nicht nur die von Tennet vorgeschlagene Variante, sondern auch die restlichen Korridore weiter prüft.

Tennet hat zwei Alternativkorridore vorgeschlagen. Einer führt entlang der ICE-Trasse Würzburg - Fulda, der andere entlang der Gasleitung Rimpar - Sannerz. Zumindest Letzterer beträfe Hammelburger Stadtgebiet.

Auch Florian Atzmüller lehnt sich im Wartmannsrother Rathaus nicht zurück, nur weil der Vorzugskorridor weit weg scheint. "Ich bin nicht erleichtert, sondern abwartend aus der Erfahrung heraus", sagt der Bürgermeister. Noch sei in der Sache nicht viel passiert, keine Entscheidung getroffen. Er und seine Kollegen wollen bei den nun von Tennet angebotenen Infoforen genau hinhören, was die Gründe für die Wahl des A7-Korridors waren.

Würde Matthias Hauke nur für seinen Markt Zeitlofs sprechen, würde ihm "ein Stein vom Herzen fallen". Vom Gefühl her hielt er den Korridor entlang der Gasleitung für den wahrscheinlichsten als Vorzugsvariante; an die A7 hätte der Bürgermeister am wenigsten gedacht.

Doch Hauke ist jetzt auch Vorsitzender von RhönLink. Als solcher sagt er: "Der Vorzugskorridor betrifft uns als ganze Region". Die P43 sehe er daher als "genauso kritisch und schlecht, als wenn sie durch den Markt Zeitlofs laufen würde". Nun müsse man "das Beste für unsere Region herausholen", sprich, die Fulda-Main-Leitung so verträglich wie möglich machen.

Einige seiner Kollegen sprechen noch von "Verhindern". Doch Hauke und auch Jochen Vogel setzen auf "maximale Erdverkabelung". Letzterer hofft auf ein Pilotprojekt, bei dem die Leitungen größtenteils in die Erde kommen (bei Wechselstromleitungen ist das nur bedingt möglich; wir berichteten). "Sonst", fürchtet Vogel, " geht in der Region zu viel kaputt."

Landrat Thomas Bold (CSU) bedauert die von Tennet beantragten möglichen Verläufe: "Leider war damit zu rechnen, dass der Landkreis Bad Kissingen betroffen sein wird." Die Verläufe würden in den nächsten Wochen fachlich geprüft. Der Landkreis werde dann im Verfahren Stellung nehmen.

Markus Stockmann, Vorsitzender der Bürgerinitiative Gegenstrom Elfershausen, greift als Reaktion auf die Veröffentlichung des Vorzugskorridors noch einmal Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) an. Der habe Vereinbarungen, dass schützenswerte Gebiete, wie die Rhön, ausgespart werden müssten, außer Kraft gesetzt. Stockmann fordert Aiwanger auf, "zu seinem Wort zu stehen, das die Fulda-Main-Leitung als Erdkabel gebaut wird". Ansonsten sei er als Minister nicht mehr tragbar.