"Gegen die Stimmen der AfD-Fraktion und der Fraktion Die Linke bei einigen Gegenstimmen aus der Fraktion der CDU/CSU und einer Gegenstimme aus der Fraktion der SPD mit den Stimmen der übrigen Fraktionen des Hauses" wurde laut Bundestagsprotokoll am 28. Januar 2021 das so genannte Bundesbedarfsplangesetz angenommen. Beschlossen wurde damit auch der Bau der P 43. Weil die Wellen so hoch schlagen, haben wir nochmals nachgefragt: Die einzige Gegenstimme der SPD kam von der Maßbacher Bundestagsabgeordneten Sabine Dittmar. Ihre Kolleginnen Dorothee Bär (CSU) und Manuela Rottmann (Grüne) waren bei der Abstimmung nicht anwesend. Bär betont auf Nachfrage, dass sie - wie die Schweinfurter CSU-Abgeordnete Anja Weisgerber - dagegen gestimmt hätte. Nur Rottmann verteidigt, dass ihre Bundestagsfraktion dem Bundesbedarfsplangesetz einschließlich der P 43 zugestimmt habe, und: "Ich trage diese Entscheidung auch persönlich mit, gerade weil sie von Verantwortung für die Zukunft des Landkreises Bad Kissingen getragen ist."

Die von CDU und CSU angeführte Bundesregierung habe nach 2005 den Ausbau der Onshore-Windenergie unattraktiv gemacht, blickt Rottmann zurück. "Die bayerische Staatsregierung hat ihn dann mit der 10-H-Regelung völlig abgewürgt", sagt Rottmann, und: "Diese verlorenen Jahre können wir nicht mehr aufholen. Wir brauchen die Energiewende so schnell wie möglich, denn die Folgen einer ungebremsten Klimaerhitzung wären auch in unserer Region viel schlimmer als die ohne Zweifel vorhandene Beeinträchtigung durch die Leitung."

Wenn Windstrom nicht nach Süden geleitet werde, müssten Gaskraftwerke gebaut werden, was aber den Klimawandel anheize. "Ich wollte diese Leitung nie, sondern eine dezentrale Energiewende", betont Rottmann und zieht den Vergleich zu Atommüll, bei man auch nicht sagen könne: "Ich war immer gegen Atomkraftwerke, das geht mich nichts an, sollen die die Suppe auslöffeln, die immer für die Atomenergie waren." Rottmanns Devise: "Wir müssen die Situation so gut wie möglich bewältigen, wie sie jetzt ist." Diese Meinung habe sie auch im Wahlkampf und in Gesprächen mit Bürgerinitiativen vertreten: "Ich halte nichts davon, sich da wegzuducken und in Bad Kissingen etwas anderes zu erzählen als in Berlin." Die Gemeinde Bergrheinfeld sei hochbelastet und trage ein Sonderopfer. Zudem widerspricht Rottmann auch der These, dass die Region die neuen Leitungen gar nicht brauche: "Wir decken nicht einmal unseren eigenen aktuellen Strombedarf vor Ort." Zudem würden viele Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Landkreis Bad Kissingen in der Schweinfurter Industrie arbeiten oder Internetknoten im Rhein-Main-Gebiet nutzen. "Man kann nicht Digitalisierung wollen und dann sagen: Der Strombedarf hat mit uns nichts zu tun." Hinzu kämen der Transport des regional produzierten Stroms und der Bedarf für die E-Mobilität.

Gleichzeitig unterstütze sie den Protest in der Region: "Ohne Frage ist die Natur im Saaletal und im Biosphärenreservat besonders schützenswert." Deshalb müssten alle Möglichkeiten genutzt werden, um die Leitung natur- und landschaftsverträglicher zu machen.

Sabine Dittmar und Anja Weisgerber haben ihre Einwände gegen das Gesetz bei der Abstimmung im Bundestag sogar schriftlich zu Protokoll gegeben. "Gemeinsam mit Landrätinnen und Landräten aus meinem Wahlkreis Bad Kissingen beziehungsweise aus meiner Heimatregion kämpfe ich seit Jahren für eine Entlastung des Netzknotenpunktes Grafenrheinfeld/Bergrheinfeld und für eine Realisierung dieser Leitung über eine andere Trasse", begründet Dittmar ihre Ablehnung des Gesetzes. Auch sie bemängelt, dass die P 43 mod von Mecklar über Dipperz nach Urberach "bedauerlicherweise im Rahmen einer Dreiländereinigung von Bundesminister Altmaier mit den zuständigen Ministern der Länder Bayern, Hessen und Thüringen im vorletzten Jahr komplett verworfen [wurde] - leider ohne jede Beteiligung des Deutschen Bundestages". In einem Eckpunktepapier hätten sich die Parteivorsitzenden von CDU, CSU und SPD am 1. Juli 2015 auf einen bürgerfreundlichen Netzausbau verständigt. Trotzdem werde nun der Netzknotenpunkt Grafenrheinfeld erheblich belastet. Aus ihrer Sicht sei der "Umweg über Dipperz nach Bergrheinfeld West und dann weiter nach Großkrotzenburg nicht nachvollziehbar". Hinzu komme, dass in den Landkreisen Bad Kissingen und Schweinfurt bereits die Südlink-Trasse geplant sei. "Die Glaubwürdigkeit der Politik kann dadurch großen Schaden nehmen", befürchtet Dittmar, dass sogar der Widerstand gegen Südlink wieder zunehmen könnte.

"Maßvoll und ausgewogen"

CSU-Abgeordnete Dorothee Bär hat sich nach eigenen Worten "für eine Entlastung unserer Heimat und gegen die Trasse P 43 ausgesprochen" - unter anderem in Gesprächen mit dem Bundeswirtschaftsministerium. Der Netzausbau sei notwendig für die Versorgungssicherheit Bayerns. "Dieser Ausbau muss aber maßvoll und ausgewogen vollzogen werden und darf keine Region einseitig stark belasten", betont Bär und verweist auf "Alternativen in Hessen". Als Erfolg sieht Bär die Erdverkabelung bei Südlink und den Verzicht auf die P 44: "Auch bei der P 43 werden wir uns weiterhin nachdrücklich für eine Bedarfsprüfung einsetzen", kündigt Bär an. Und Weisgerber gibt die Devise aus: "Soviel Trassen wie nötig, so wenig wie möglich, und die Lasten müssen möglichst fair verteilt werden." Genau deshalb hätten sie und Dorothee Bär die P 43 immer abgelehnt.