Unter den Vorzeichen von Corona stand die Mitgliederversammlung des Vereins Naturpark & Biosphärenreservat Bayerische Rhön. Um zwischen den gut 40 Vertretern von Behörden, Verbänden und den Bürgermeistern der beteiligten Gemeinden genügend Sicherheitsabstand zu halten, wurde die Versammlung kurzfristig aus dem Landratsamt Bad Kissingen in den Kammermusiksaal der Bayerischen Musikakademie Hammelburg verlegt.

Vorsitzender Landrat Thomas Habermann (Rhön-Grabfeld) und sein Stellvertreter Landrat Thomas Bold sehen den Verein auf einem guten Weg. Beide erneuerten die Kritik an der geplanten Stromleitung P 43, die es zu verhindern gelte. "Die Raumwiderstände in der Rhön sind gewaltig", sagte Landrat Thomas Bold. Weil hauptsächlich Strom für das Rhein-Main-Gebiet transportiert werde, forderte er einen Verlauf in Hessen. Ansonsten werde man unter Umständen den Konsens zum Südlink in Frage stellen.

Lenkung der Besucher im Blick

Bei einer vorgeschalteten Sitzung beschäftigte sich der Vorstand nichtöffentlich mit dem Haushalt 2020. Angepeilt wird eine Steigerung von 1,8 auf 2,2 Millionen Euro.

Geschäftsführer Klaus Spitzl begründet die ins Auge gefasste Erhöhung unter anderem mit der Einstellung von drei Rangern, die die Natur und das Verhalten der Menschen dort besonders im Blick haben. Außerdem werde es durch die Umsetzung von Landschaftspflegerichtlinien zu Mehrkosten kommen. "Details dazu werden wir mit den Beteiligten noch abstimmen", sagte er. Es gehe unter anderem um Artenschutz und Besucherlenkung.

Steg über das Moor wird fertig

Ein großes Vorhaben für das Jahr 2021 ist die Fertigstellung des letzten Bauabschnittes am Holzsteg über das Schwarze Moor. Für das insgesamt 700 000 Euro teure Vorhaben sind noch einmal 250 000 Euro eingeplant. Je nach Wetter ist die Fertigstellung im ersten Halbjahr geplant.

Fertig werden soll auch die Ausstellung im Haus der Schwarzen Berge in Oberbach. Dafür werden noch einmal rund 100 000 Euro ausgegeben. Interaktiv werden dort vor allem Bezüge zwischen der Geologie und der Artenvielfalt der Rhön aufgezeigt. Ziel sei es unter dem Eindruck von Corona, dass die Exponate möglichst kontaktlos bedient werden können. Im späten Frühjahr oder um den Sommeranfang herum soll die überarbeitete Ausstellung zur Verfügung stehen. Ob die Einweihung größer gefeiert werden könne, hänge auch von der Entwicklung der Pandemie ab. Wie auch in den Vorjahren wird der Löwenanteil der Ausgaben in die Umweltbildung fließen. Dazu gehört auch die Instandhaltung von Lehrpfaden und Wanderwegen. Bei der Lenkung der Besucherströme sollen künftig auch drei Ranger eine maßgebliche Rolle spielen. Zwei davon sind bereits eingestellt. Daniel Scheffler ist für den nördlichen Teil der Rhön zuständig. Frisch präsentierte sich bei der Versammlung jetzt die "Neue". Sie heißt Amelie Nöth. Die gebürtige Gemündenerin ist künftig im südlichen Teil des insgesamt 124 000 Hektar großen Gebiets unterwegs.

Eigene Führungen geplant

"Ich liebe die Region", begründete die studierte Expertin für Umweltsicherung ihr Engagement. Ihre Aufgabe ist es, Naturschutzprojekte zu begleiten, Beschilderungen zu überprüfen und die Besucherlenkung voranzubringen. Außerdem begleitet sie das Monitoring von Arten und unterstützt andere Forschungsarbeiten. Sie ist für Informationen zuständig und plant eigene Führungen. Ihr Büro hat sie im Landratsamt Bad Kissingen. Demnächst soll noch die dritte Rangerin oder der dritte Ranger eingestellt werden. Das Zuständigkeitsgebiet wird zwischen den Schwarzen Bergen und dem Kreuzberg liegen.

Weil nach der Kommunalwahl einige Bürgermeister gewechselt haben, kommt es im Vorstand des Naturpark-Vereins zu Umbesetzungen. Einstimmig wählten die Mitglieder die Bürgermeister Georg Seiffert (Bischofsheim), Daniel Wehner (Burkardroth) und Jochen Vogel (Bad Brückenau). Neben den beiden Landräten gehören bereits die Bürgermeister Dirk Vogel (Bad Kissingen), Gerd Kleinhenz (Wildflecken), Michael Schnupp (Fladungen) und Birgit Erb (Oberelsbach) dem Vorstand an. Im dreijährigen Turnus wechselt der Vorsitz zwischen den Landräten Thomas Habermann und Thomas Bold. Zum Jahreswechsel rückt Bold wieder an die Spitze. Wolfgang Dünnebier