Am Montag, 19. September (18 Uhr im Sitzungssaal des Kellereischlosses), entscheidet der Hammelburger Stadtrat über die künftige Fahrtrichtung durch die nach rund zweieinhalb Jahren Bauzeit sanierte Bahnhofstraße. Erst wenn die Verkehrsregelung beschlossen ist, sollen die letzten Barrieren, etwa auf Höhe des früheren Kupsch-Parkplatzes, zur Seite geräumt werden.

Es sei sinnvoller, die Straße gleich mit der neuen Regelung zu öffnen, als Autofahrer nach drei Tagen gleich mit einer Änderung zu konfrontieren, sagt Bürgermeister Armin Warmuth auf Nachfrage dieser Redaktion. Interpretiert man die Einladung zur kommenden Stadtratssitzung richtig, dann wird dort voraussichtlich eine Entscheidung für eine Einbahnstraße stadteinwärts fallen.

Denn laut Tagesordnung wird dem Stadtrat ein gemeinsamer Antrag für besagte Einbahnregelung von CBB, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Bürgerliste Obereschenbach zur Entscheidung vorliegen. Angesichts dieser Konstellation deutet sich bereits an, in welcher Fahrtrichtung der Verkehr in der Bahnhofstraße künftig fließen wird. Ziel des Antrag ist es, Fußgängern und Radfahrern in der Straße ausreichend Raum zu geben. Die zwischenzeitliche Fertigstellung von Teilstücken der Bahnhofstraße hatte bei gegenläufigem Verkehr zu teils chaotischen Zuständen zwischen fahrenden und parkenden Autos geführt. Durch die jetzt beabsichtigte Einbahnregelung soll der Durchgangsverkehr vom Marktplatz her aus der Bahnhofstraße herausgehalten werden. Dies trage auch zur Beruhigung im Interesse der Anwohner bei, hatten Befürworter des Antrags im August gegenüber dieser Redaktion erklärt.

Enttäuscht: täglich 8500 Autos

Enttäuscht über die Einladung zur Stadtratsitzung ist Stefan Seufert als ein Sprecher der Bürgerinitiative zur Verringerung des Durchgangsverkehrs auf den Schleichwegen von Weber- über Kobel-, Seeshofer Straße und Rote-Kreuz-Straße. Auf diesen Routen sind nach den Zählungen der Initiative täglich bis zu 8500 Autos unterwegs.

Deshalb fordert die Initiative zeitgleich mit einer neuen Verkehrsregelung in der Bahnhofstraße begleitende Maßnahmen, um die Belastung in den Wohngebieten zu verringern. Gedacht ist dabei vor allem an eine veränderte Ampelschaltung und einen grünen Pfeil an der Postamtskreuzung, damit Autos von dort anstatt in die Seeshofer Straße schneller in die Turnhouter Straße abfließen.

Antrag nicht dabei

Nun vermisst Seufert einen entsprechenden Antrag seiner Initiative auf der Tagesordnung des Stadtrates. Einen formellen Antrag hätte die Initiative dieses Jahr mangels ausgefallener Bürgerversammlung nicht einreichen können, bedauert er. "Trotzdem hätten wir uns gewünscht, mit unseren Anliegen Gehör zu finden", sagt Seufert.

Die beiden Themen gehörten nicht unmittelbar zusammen, argumentiert Bürgermeister Armin Warmuth auf Nachfrage dieser Redaktion. Man werde sich mit der Ampelschaltung gesondert befassen und dabei auch das Staatliche Bauamt Schweinfurt einbinden. Ein zeitlicher Rahmen für eine Lösung sei noch offen.

Widerspruch gegen eine Einbahnregelung in der Bahnhofstraße kommt auch von dort ansässigen Geschäftsleuten. Nach der Befragung von elf Geschäftsleuten hat Apothekerin Rita Schubert ein Schreiben an alle Stadträte formuliert. Sie erinnert an eine 2018 vorgestellte Planung, nachdem der Verkehr in beiden Fahrtrichtungen mit einem Tempolimit von unter 20 Stundenkilometern durchrollen und die Straße mit Bänken und Blumenkübeln möbliert werden soll. "Es käme automatisch zu einer Beruhigung der Straße, aber die Geschäfte wären aus allen Richtungen erreichbar", folgert Schubert. Auch sie plädiert für eine Verringerung des Durchgangsverkehrs. Aber durch eine Einbahnregelung werde die Bahnhofstraße vom restlichen Kundenfluss in der Stadt abgeschnitten.

Schleichen oder rasen?

Außerdem sei denkbar, dass sich künftig Autofahrer entweder über die Obere Stadtmauer und die Dalbergstraße oder den Viehmarkt in die äußere Bahnhofstraße schleichen. Zudem sei die Weihertorstraße zu eng, um den Verkehrsfluss aus den beiden Achsen der Altstadt aufzunehmen. Dies auch im Hinblick auf die engen Gehsteige zu den Parkplätzen am westlichen Stadtrat. Gleichzeitig wirft Schubert die Frage auf, ob eine Einbahnregelung in der Bahnhofstraße zum Langsamfahren oder mangels Gegenverkehr doch zum Schnellerfahren führt.

Diese Aufzählung mündet in der Forderung, die Straße vor Anordnung einer Einbahnregelung erst einmal mit Pollern, Sitzbänken, Fahrradständern, Blumenkübeln und dem geplanten Brunnen an der Einmündung zur Dalbergstraße komplett fertigzustellen, um dann unter diesen Voraussetzungen die Reaktionen zur Verkehrsführung in beiden Richtungen aus der Kernstadt und dem Umland abzuwarten.