Urlaub mit dem Wohnmobil boomt. In eine bessere Marktsituation hätte bei Rhön Camp in Schildeck der Start des Ausbaus von Reisemobilen gar nicht fallen können. Gewissermaßen auf der grünen Wiese, umrahmt von Rhöner Bergen, ist nahe der Autobahnausfahrt Bad Brückenau/Wildflecken binnen neun Monaten eine 4500 Quadratmeter große Produktionsstätte entstanden.

"Wir haben den Nagel auf den Kopf getroffen", freut sich Geschäftsführer Mario Volklandt über die Auslastung des Unternehmens, das schon seit zwölf Jahren besteht. In Schildeck bündelt die Volklandt GmbH & Co. KG ihre Aktivitäten, die bisher auf diverse Orte in der Region verstreut waren. Produziert wird für verschiedene namhafte Hersteller.

Nach und nach sollte seit Januar die Produktion hochgefahren werden. Doch viel Zeit zum Eingewöhnen blieb der Belegschaft nicht. Sie ist inzwischen auf 29 Vollzeit-Mitarbeiter angewachsen. Gesucht werden jetzt weitere Schreiner und Fahrzeugausbauer.

Den Anfangserfolg untermauert Volklandt mit einem Blick auf die Auftragslage. Rund 250 Mobile werden nach seinen Angaben in diesem Jahr ausgebaut. "Mittelfristig können es bis zu 500 werden." Das klingt nach goldenen Zeiten für das Rhöner Unternehmen. Volklandt sieht viel Grund für Optimismus: "Die Branche sieht gute Prognosen für die kommenden fünf Jahre."

Der Ausbau von Vans ist ein Schwerpunkt des Unternehmens. Alleine 120 Mercedes Vito habe er 2021 für die Firma Eurocaravaning ausbauen wollen. "Schon jetzt haben wir 170 Bestellungen", beschreibt er die Marktlage. Pluspunkt sei, dass seine Firma inzwischen bei Mercedes direkt als Aufbauhersteller gelistet ist.

Neben den kleineren Wohnmobilen werden dort auch größere Kaliber ausgebaut. So etwa aktuell zwei geländegängige Mercedes-Zetros-Lastwagen für einen arabischen Abnehmer. Einrichtungselemente für den Yachtbau und den Objektbau runden die Produktpalette ab.

Mit einer breiten Fertigungstiefe will der 52-Jährige auf dem Markt vorne dabei sein. Produziert wird nach dem Industriestandard 4.0. Das heißt: Alle Maschinen sind vernetzt, und so ist vom Entwurf über den Zuschnitt von Sperrholzplatten über ihre Beschichtung bis zur Fertigung der Möbel in Schildeck alles in einer Hand. Auf dem Firmenhof stehen derzeit 45 Fahrzeuge, um in die riesige Halle gefahren zu werden. Dort legen die Beschäftigten in Gruppenarbeit an zehn Stationen Hand an. Sie beginnen bei der Demontage von Innenausstattungen der angelieferten Basisfahrzeuge. Dann folgt eine Station mit einer Hebevorrichtung, an der Aufstelldächer montiert werden.

Die Dämmung der Karosserie folgt und im Anschluss die Montage der Möbelsätze aus der Schreinerei nebenan. Gegen Ende geht es auf eine Hebebühne zur Montage von Gas-, Frischwasser- und Abwassertanks am Unterboden, bevor die TÜV-Abnahme sich anschließt. Gut sieben Tage dauere es, bis ein Wagen die Stationen durchquert hat, so der Firmenchef.

Doch Mario Volklandt will mehr als nur Reisemobile auf die Straße bringen. Ihm ist bewusst, dass manche Regionen mit dem Ansturm von campenden Übernachtungsgästen an ihre Grenzen stoßen. Durch das Wildcampen ist die Akzeptanz seiner Kundschaft in Gefahr.

"Bei der Schaffung von Stellplätzen hinken wir hinterher", kommentiert er die bundesweite Situation, aber gerade auch die in der Rhön. Deswegen wolle er sich bald mit Bürgermeistern zusammensetzen, um ein Konzept für mehr Plätze zu schaffen. "Natürlich müssen die Gemeinden auch ihren Beitrag leisten", findet er. Denn die Wohnmobilisten seien eine touristische Chance für abgelegenere Gegenden. "Jeder dieser Gäste lässt 50 Euro am Tag da", berichtet er von einer Studie.

Mit der Eigenmarke Rhön Camp will Volklandt gewissermaßen zum Markenbotschafter des Mittelgebirges werden. Unter diesem Namen produziert sein Betrieb eigene Wohnmobile, in denen zum Beispiel Motorräder mitgenommen werden können oder in denen sich Absetzkabinen für geländegängige Pritschenwagen befinden.

Einer breiteren Öffentlichkeit sollen sie bei der Schau "Abenteuer & Allrad" Ende Juli in Bad Kissingen vorgestellt werden. Coronabedingt erst einmal zurückgestellt ist die Eröffnung eines Camperladens, der von der Nähe zur Autobahnabfahrt profitieren soll.

Der 52-jährige Thüringer blickt dankbar auf sein bisheriges Lebenswerk zurück. Vor 30 Jahren fing er bei der Firma Tabbert in Mottgers (Main-Kinzig-Kreis) als Schreiner an, dann machte er sich mit seiner Entwicklungsabteilung selbstständig. Später absolvierte er ein Fernstudium zum staatlich geprüften Holztechniker, bildete sich zum technischen Betriebswirt weiter und ist seit 2018 auch zertifizierter Unternehmensberater der Industrie- und Handelskammer.

Ein weiteres Projekt hat der begeisterte Camper schon im Kopf. Bei der Tourismusmesse CMT in Stuttgart will er 2022 den Prototyp eines Campervans mit Elektroantrieb vorstellen.Wolfgang Dünnebier