Was macht eigentlich ein Honorarkonsul?

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Der unterfränkische Unternehmer Nikolaus Knauf hat vor kurzem sein Amt als Honorarkonsul für Russland niedergelegt.
Der unterfränkische Unternehmer Nikolaus Knauf hat vor kurzem sein Amt als Honorarkonsul für Russland niedergelegt.
Archiv/Eike Lenz
Am Skyline Hill Center am Würzburger Hubland war der Honorarkonsul für Belarus ansässig.
Am Skyline Hill Center am Würzburger Hubland war der Honorarkonsul für Belarus ansässig.
Thomas Obermeier (Archiv)

Zwei Honorarkonsuln aus Franken haben nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ihre Ämter aufgegeben.

Durch den russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben sich die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland massiv verschlechtert. Kurz nach Ausbruch des Krieges legten auch zwei Honorarkonsuln in Franken ihre Ämter nieder. Nikolaus Knauf, Seniorchef des gleichnamigen Gipskonzerns aus Iphofen (Lkr. Kitzingen), ist seither nicht mehr Honorarkonsul für Russland. Markus Burtscher vertrat rund zwei Jahre die Interessen von Belarus in Bayern und hatte ein Büro in Würzburg. Auch er legte sein Amt Anfang März nieder. Der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko gilt als Verbündeter des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Infolge der Berichterstattung erreichten diese Redaktion Nachfragen von Leserinnen und Lesern, was es mit dem Amt eines Honorarkonsuls und einer Honorarkonsulin auf sich hat. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen im Überblick:

Was ist ein Honorarkonsul?

Honorarkonsulinnen und Honorarkonsuln vertreten ein Land auf diplomatischer Ebene. Dabei ist zwischen dem Entsendestaat und dem Empfangsstaat zu unterscheiden. Nikolaus Knauf war beispielsweise ein von Russland entsandter Honorarkonsul mit Sitz in Deutschland. Umgekehrt entsendet auch die Bundesrepublik Honorarkonsuln ins Ausland.

Welche Aufgaben hat ein Honorarkonsul?

Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin heißt es dazu: "Honorarkonsuln unterstützen diplomatische und berufskonsularische Vertretungen bei der Wahrnehmung konsularischer Aufgaben, können aber auch eigene Beiträge zur Pflege insbesondere wirtschaftlicher und kultureller Belange leisten." Ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums teilt mit, Honorarkonsuln seien "etablierte Ansprechpartner in der außenwirtschaftlichen Zusammenarbeit". Sie würden durch ihre regionalen Zuständigkeitsbereiche als "ergänzende Verbindungsstellen unterhalb der Ebene der Botschafter" fungieren. Bürgerinnen und Bürger können in manchen Honorarkonsulaten auch Reisepässe beantragen.

Nachdem Markus Burtscher sein Amt als belarussischer Honorarkonsul niedergelegt hatte, teilte er mit, dass ein wesentlicher Teil dieser Tätigkeit darin bestehen würde, "Begegnungen von Menschen zu organisieren und zu unterstützen". Er sprach von einem ehrenamtlichen Beitrag "zur beiderseitigen Völkerverständigung". Dem Rechtsanwalt Christopher Hahn zufolge liegt der Fokus der Honorarkonsuln eindeutig auf den wirtschaftlichen Belangen. Er selbst ist Honorarkonsul der Elfenbeinküste mit Sitz in München und hat ein Fachbuch mit dem Titel "Der Honorarkonsul" über das Ehrenamt geschrieben. Hahn bezeichnet die Honorarkonsuln darin unter anderem als Netzwerker, Brückenbauer, "Country Manager" und Wirtschaftslobbyisten.

Wie wird man Honorarkonsul für einen ausländischen Entsendestaat in Deutschland?

Um das Amt des Honorarkonsuls kann man sich Christopher Hahn zufolge nicht bewerben. "Es ist vielmehr üblich, von der Botschaft des Entsendestaates oder von anderen Institutionen aus Wirtschaft und Politik des Empfangsstaates angefragt und sodann vorgeschlagen zu werden", sagt der Fachbuchautor. In der Regel seien das Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen, Unternehmerinnen und Unternehmer oder Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die Zulassung von aus dem Ausland entsandten Honorarkonsuln nach Deutschland ist ein Hoheitsakt und wird von der Bundesregierung vorgenommen.

Honorarkonsuln und Honorarkonsulinnen dürfen ihre Tätigkeit erst aufnehmen, nachdem das Auswärtige Amt ihnen das sogenannte Exequatur, eine Art Zulassung, erteilt hat. Dafür muss man auch formale Kriterien erfüllen. Beispielsweise muss der Anwärter oder die Anwärterin die deutsche Staatsangehörigkeit oder die Staatsangehörigkeit des Entsendestaates besitzen, darf keine Vorstrafen haben und nicht bereits Honorarkonsul für ein anderes Land sein.

Was verdient ein Honorarkonsul?

Der Begriff "Honorar" im Honorarkonsul kommt von "Ehre" und nicht von "Honorar" im Sinne von Geld. Das Auswärtige Amt kommt eigenen Angaben zufolge für keinerlei Kosten im Zusammenhang mit der Bestellung und Tätigkeit von ausländischen Honorarkonsuln in Deutschland auf. Über etwaige Aufwandsentschädigungen seitens der Entsendestaaten für deren Honorarkonsuln liegen dem Auswärtigen Amt keine Kenntnisse vor. Deutschlands Honorarkonsuln im Ausland erhalten eine Aufwandsentschädigung für ihre Tätigkeit.

Markus Burtscher zufolge müssen die durch das Ehrenamt entstehenden Ausgaben vom Honorarkonsul selbst getragen werden. Ob er eine Aufwandsentschädigung erhalten hat, teilte er auf Nachfrage nicht mit. "Einnahmen aus diesem Ehrenamt entstehen durch das Erstellen von konsularischen Dokumenten oder Beglaubigungen, welche nach einer entsprechenden Gebührenordnung abgerechnet werden können", so Burtscher.

Welche Honorarkonsuln sind eigentlich in Bayern ansässig?

Im Freistaat Bayern sind derzeit 127 Konsulate, 45 Berufskonsulate und 82 Honorarkonsulate akkreditiert, teilt das bayerische Konsularskorps mit. Eine Liste der offiziellen Repräsentanzen ausländischer Staaten in Bayern findet man im Internet unter www.konsulate.bayern/konsulate-verzeichnis-bayern/. Das Auswärtige Amt führt einer Sprecherin zufolge keine Statistik zu Honorarkonsuln, die nach einzelnen Bundesländern oder Regierungsbezirken aufgeschlüsselt wäre. In Würzburg ansässig ist der Honorarkonsul der Republik Albanien.Jonas Keck