In schwieriger Zeit der mehrmonatigen Kontaktbeschränkung nicht nur den Zusammenhalt innerhalb der Selbsthilfegruppe bewahren, sondern zugleich durch eine neue, den widrigen Umständen angepasste Aktion ein erlebbares Zeichen setzen. Dies hatte sich André Pfister als Leiter der Multiple-Sklerose-Selbsthilfegruppe Bad Brückenau kürzlich mit seinem selbst entwickelten Online-Gedächtnistraining für die Mitglieder als Aufgabe gestellt.

Normalerweise treffen sich regelmäßig mindestens zehn bis 15 Mitglieder sowie deren Angehörige in Bad Brückenau beim monatlichen Informations- und Erfahrungsaustausch über neue Forschungsergebnisse zu ihrer neurologischen Autoimmunerkrankung, die wegen ihrer sehr unterschiedlichen Verlaufsformen auch als "Krankheit mit tausend Gesichtern" bezeichnet wird.

Bei diesen Zusammenkünften geht es um die Bewältigung möglicher durch die Krankheit im Alltag auftretender Probleme, um neue therapeutische Erkenntnisse und Hilfsmittel sowie Unterstützungsleistungen.

Zusätzlich trifft man sich zu Ausflügen wie zum therapeutischen Reiten, dem Besuch bei der Feuerwehr oder auch zu einer mehrtägigen Tour mit dem Liegedreirad.

In Online-Format

"Doch mit dem Beginn der Pandemie kam das Leben in der Selbsthilfegruppe fast zum Erliegen", berichtet André Pfister. Persönliche Kontakte waren fast nur noch telefonisch möglich. Um diesen Zustand zu ändern und wieder für regeren Austausch unter den Mitgliedern zu sorgen, führte Pfister nicht nur ein virtuelles Selbsthilfetreffen ein, sondern zusätzlich, um die Teilnahmebereitschaft an diesen Treffen zu steigern, seit Jahresanfang ein Online-Gedächtnistraining, dessen Konzept und technische Umsetzung Pfister schon in den Wochen zuvor sorgsam ausgearbeitet hatte.

Pfister: "Mein Anspruch war und ist, möglichst jeden in dieses Gedächtnistraining einzubinden und gemeinsam in einer von mir locker moderierten Runde angst- und druckfrei an den Lösungen zu arbeiten. Es soll kein Wettbewerb, sondern ein Gewinn für alle sein."

Zunächst begann er, die unterschiedlichen Videokonferenzsysteme auf ihre Tauglichkeit für den angedachten Zweck zu prüfen, und entschied sich letztlich für das System Zoom. Dann suchte er die bestgeeignete Visualisierungsmöglichkeit, um jedem Teilnehmer die Übungen auf dessen Bildschirm anzeigen zu können.

Seine Wahl fiel auf den CZUR-Visualizer, der die bei anderen Systemen oft auftretende Reflexion durch seitlich angebrachte Beleuchtung vermied.

Suche nach Übungsmaterialien

Nun galt es noch, geeignete Übungsmaterialien oder Zeitschriften für Gedächtnistraining zu finden. "Doch keine der Zeitschriften entsprach meiner Vorstellung", bemängelte Pfister, bis er auf die monatliche Apotheken-Kundenzeitschrift ,Kopf fit' stieß.

Die dort gezeigten Logikrätsel, Merkspiele und Knobelaufgaben erinnerten den MS-Gruppenleiter in ihrer Vielfalt an das von ihm seit Jahren geschätzte Gedächtnistraining beim Würzburger Altenbetreuungszentrum Heiligkreuz. Nur leider gab es jetzt ein Problem: Keine Apotheke in Bad Brückenau führte diese Zeitschrift.

Doch auch hier wusste sich Pfister zu helfen: Die Adler-Apotheke im 35 Kilometer entfernten Bad Kissingen stellt seiner Gruppe seit Jahresbeginn eine ausreichende Heftzahl zur Verfügung, so dass nun jeder Teilnehmer des Online-Gedächtnistrainings ein eigenes "Arbeitsheft" zur Verfügung hat. Pfister: "Ich hole die Zeitungen immer in Bad Kissingen ab und verteile sie dann an die Mitglieder."

Konzept vorgestellt

Aufgrund der guten Erfahrungen, die die Brückenauer MS-Gruppe mit ihrem Online-Gedächtnistraining macht, bietet Pfister sein System bereits einer Würzburger Selbsthilfegruppe in einem ebenfalls von ihm ehrenamtlich moderierten Online-Treffen an.

Sein Konzept durfte er auch schon der Rathaus-Apotheke in Bad Brückenau vorstellen - mit Erfolg: "Ab Juni werden wir die Apotheke bei der Durchführung unseres Angebots unterstützen." Darüber hinaus können sich die Brückenauer dann mit "Kopf fit" über eine neue interessante Zeitschrift freuen.