Allmählich wird Ursula Boehm ungeduldig: "Da kann man durchdrehen", sagt die Betreiberin des Tierheims Wannigsmühle, in dem sich vor rund einer Woche eine verheerende Brandkatastrophe ereignete. Seitdem warten Boehm sowie zahlreiche freiwillige Helferinnen und Helfer darauf, mit den Aufräum- und Aufbauarbeiten am Tierheim beginnen zu können.

Der Hemmschuh ist laut Boehm die Versicherung. Zwar sei inzwischen ein Gebäudegutachter vor Ort gewesen, auf den Bausachverständigen warte sie allerdings noch. Trümmer und Inventar liegen weiterhin vor und in dem Gemäuer, kaum etwas darf aufgeräumt werden. Bereits absehbar sei, so Boehm weiter, dass der durch Feuer und Löscharbeiten verursachte Schaden im mittleren sechsstelligen Bereich liege.

Zum Glück versichert

Dass ein Tierheim überhaupt versichert ist, sei nicht selbstverständlich und im Fall der Wannigsmühle großes Glück im Unglück: "Einige Tierheime haben sich gemeldet und gefragt, ob wir eine Brandschutzversicherung haben. Ich bin richtig erschrocken, dass manche gar keine abgeschlossen haben aus Kostengründen." Die Wannigsmühle sei jedoch abgesichert gewesen.

Auch kann Boehm den von der Kriminalpolizei Schweinfurt verkündeten technischen Defekt als Brandursache inzwischen näher definieren: Ein Kurzschluss sei Auslöser für das Inferno gewesen. "Alte Leitungen", sagt Boehm nur. Man habe in der Vergangenheit schlicht nicht die finanziellen Möglichkeiten gehabt, schon früher auf die baulichen Missstände in der alten Mühle zu reagieren.

Diskussion um Fundtierpauschale

Tierheime seien, so Hester Pommerening vom Deutschen Tierschutzbund (Bonn) auf Anfrage dieser Redaktion, angehalten, den Brandschutz als Ganzes im Management zu berücksichtigen. Ein bestmögliches Brandschutzkonzept vereine bauliche und technische Aspekte. Der Dachverband sei bemüht, den Tierheimen und Tierschutzvereinen beratend zur Seite zu stehen. Allerdings fehle es meist an den zur Umsetzung benötigten Geldern.

"Da war nichts zu machen. Wir haben auch schon lange den Einbau einer Sprinkleranlage diskutiert. Auch das Hundehaus entspricht absolut nicht der üblichen Haltung heutzutage", erklärt Ursula Boehm. Aber: "Es ist ein Drauflegegeschäft. Natürlich wünschen wir uns mehr Unterstützung, die Fundtierpauschale ist bei weitem nicht kostendeckend."

Dieser Pauschalbetrag liegt für die Vertragsgemeinden aus den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld bei 60 Cent pro Einwohner. Im Gegensatz zum Nachbarlandkreis sind nicht alle Bad Kissinger Kommunen angeschlossen. "Tierschützer fordern eine Erhöhung auf 1,50 Euro, aber manchen Kommunen sind die 60 Cent schon zu viel", erklärt Boehm. "Ohne die zahlreichen Spender, Gönner, Sponsoren und Förderer würden wir drauflegen."

"Wir werden das Thema Fundtierpauschale mit dem Kreistag, den Städten und Gemeinden besprechen", kündigt Bad Kissingens Landrat Thomas Bold an. Der Landkreis wende derzeit rund 10 000 Euro im Jahr für die Abholung und Verwahrung von Fundtieren auf. Auch für Bold ist klar: "Der Brand im Tierheim ist eine Katastrophe." Wichtig sei derzeit vor allem ein funktionsfähiger Betrieb im Sinne des Tierschutzes.

"Wir tun alles, damit ein reibungsloser Ablauf gelingt", so Bold weiter. "Das Veterinäramt unterstützt und begleitet das Tierheim fachmedizinisch und wir stehen in ständigem Kontakt mit der Leiterin Frau Boehm." Man wolle nun zunächst die offenen Versicherungsfragen geklärt wissen, ehe man Unterstützung aus Eigenmitteln leisten könne.

Wirklich anzukommen scheint die Hilfsbereitschaft aus dem Landratsamt im Tierheim allerdings noch nicht. "Es wäre wünschenswert gewesen, wenn man sich vonseiten des Landkreises Bad Kissingen mal bei uns gemeldet hätte", sagt Ursula Boehm. Auch aus Rhön-Grabfeld habe sie bislang nichts gehört.

Neubau geplant

Dennoch sagt Boehm: "Wir müssen nach vorne blicken." Das Tierheim werde für die Region gebraucht und man werde es auf jeden Fall wieder aufbauen. Geplant ist dabei ein Neubau anstelle des stark beschädigten Gebäudes. "Eine Sanierung kommt nicht infrage. Das wäre wieder eine Kompromisslösung mit alten Leitungen und so weiter, da hätten wir nichts gewonnen bis zum nächsten großen Schaden", erklärt die Leiterin.

Breiter Unterstützung kann sie sich sicher sein. Bis Dienstagvormittag war laut Boehm bereits ein mittlerer sechsstelliger Betrag auf dem Spendenkonto der Tierheimstiftung zusammengekommen. Dazu kommen praktische Hilfsangebote aus allen Richtungen, auch von Architekten und Handwerkern. "Das berührt einen richtig und ist mit Worten gar nicht zu beschreiben", sagt Boehm. Am Freitag soll nach Möglichkeit eine erste große Aufräumaktion stattfinden.

Fest steht nun auch, wo die verendeten Tiere ihre letzte Ruhe finden werden: "Sie wurden alle vom Tierbestatter abgeholt und werden eingeäschert", erklärt Boehm, die die toten Tiere persönlich aus der Ruine trug. "Sie mussten nicht sehr leiden, hat man mir erklärt, sondern waren durch die Rauchentwicklung direkt bewusstlos. Sie werden alle hierher zurückkommen und auf unserem Tierfriedhof beerdigt." Simon Snaschel