Merkwürdig mutet das verfallene Ensemble an der früheren B 19 an. Das denkmalgeschützte einstige Gasthaus Schwarze Pfütze ist, vorn an der Giebelseite, bis zur Oberkante des Erdgeschosses abgerissen. Der hintere Teil des Gebäudes wurde nicht einbezogen. Gleichzeitig herrscht auf dem Grundstück Bewegung, denn nebenan hat die Firma Vodafone einen riesigen Kran aufgebaut, mit Hilfe dessen der Mobilfunkmast auf dem Grundstück modernisiert wird.

"Eine Schande ist das!", ruft einer aus einem vorbeifahrenden Auto heraus und deutet auf das baufällige Haus an der früheren B 19. In der Nachbarschaft lenkt ein Mann seine beladene Schubkarre durch die Hofeinfahrt: "Ja, das stört mich schon", sagt Hubert Greubel zu dem halb eingelegten Bau neben seinem Wohnhaus. Er findet: "Es sieht jetzt schlimmer aus als vor dem Abriss der Dachbalken."

Bushaltestelle nebenan

Das Landratsamt habe aber offensichtlich handeln müssen, sagt er. "Das Zeug ist vom Dach 'runtergeflogen, und unten standen die Kinder früh an der Bushaltestelle." Das sei viel zu gefährlich gewesen. Sein Sohn, der auch in der Nachbarschaft wohnt, habe sich schließlich bei der Behörde darüber beschwert.

Mit dem dahin bröckelnden Gebäude haben die Behörden - Landratsamt und Landesamt für Denkmalpflege - schon länger ihre liebe Not. Bei einem Brand im Dezember 2013 wurde das Haus in Mitleidenschaft gezogen. Tragisch dabei: Der Betreiber des Gasthofs, der das Haus seit 1974 geführt hatte, kam ums Leben. Sein Bruder, der auf einer Pazifik-Insel zu Hause ist, hatte das Gebäude nach der Jahrtausendwende erworben und im Dezember 2010 an einen Mann aus Schweinfurt verkauft. Da war die Episode des Landgasthofs als Swingerclub (2002 bis 2006) schon Geschichte.

Der neue Eigentümer hatte seinerzeit angekündigt, aus der Schwarzen Pfütze das machen zu wollen, was sie früher war: ein gutbürgerliches Gasthaus mit Biergarten. Doch der Betrieb wurde ein knappes Jahr später zugemacht. Irgendwann verlor sich offenbar seine Spur. Der Schweinfurter sei zwar ordnungsgemäß am Amtsgericht Bad Kissingen als Eigentümer ins Grundbuch eingetragen, weiß der beim Landratsamt für Bauen und Umwelt zuständige Abteilungsleiter Thomas Schoenwald. Den Kaufpreis entrichtet habe der Mann bislang aber nicht. Vielmehr sei der Mann in Schweinfurt nicht mehr auffindbar, so der Abteilungsleiter weiter. Denn das Landratsamt habe mehrfach versucht, Kontakt zu ihm aufzunehmen und ihm mitzuteilen, dass die Schwarze Pfütze - inzwischen äußerst marode - nun gesichert werden müsse.

Besitzer reagierte nicht

Der Mann, der als in Schweinfurt wohnhaft gilt, habe jedoch noch einen Briefkasten. Deshalb habe ihm die Behörde im Sommer schriftlich eine Frist gesetzt, dass das Obergeschoss des Gasthofs bis zum 1. September abzureißen sei. Nachdem der Besitzer mehrfach nicht reagiert habe, teilte ihm die Behörde mit, dass dass man von Amts wegen an seinem Besitz eine Sicherungsmaßnahme wegen Einsturzgefahr vornehmen müsse, sagt Schoenwald. "Wir dürfen aber nur sichern, nicht den Müll aufräumen."

Blick in die Zukunft

Manch einer fragt sich, nachdem das Dach eingerissen wurde, ob das baufällige Gebäude ewig so stehen bleiben wird. "Es könnte wieder Bewegung reinkommen, wenn wir die Auslagen für den Abbruch - rund 6000 Euro - erstattet haben wollen", sagt Schoenwald. Sollte der Besitzer auf diese Zahlungsaufforderung nicht reagieren, könnte sich die Behörde beim Amtsgericht eine Sicherungshypothek auf das Grundstück eintragen lassen, so der Abteilungsleiter. Denkbar wäre später vielleicht, dass die Behörde eine Zwangsversteigerung einleitet, spinnt Schoenwald den Faden weiter. Möglicherweise fände sich dann ein Interessent, den der Erwerb dieses Grundstücks reizt.

Auf die Frage, was an dem Gebäude aktuell schutzwürdig sei, äußert sich das Landesamt für Denkmalpflege (München) vorsichtig. Nach dem Brand sei der Denkmalbestand an dem Landgasthof zwar "erheblich reduziert" gewesen, heißt es von der Münchner Pressestelle. Die Kubatur der ehemaligen Posthalterei als zweigeschossiger Halbwalmdachbau des frühen 19. Jahrhunderts sei jedoch "noch substanziell überliefert" gewesen. "Ein Wiederaufbau wäre seinerzeit noch möglich gewesen", so die Pressesprecherin. Durch fortschreitenden Wassereintrag sei das Obergeschoss offenkundig inzwischen so weit zerstört, dass das Landratsamt entsprechend bauaufsichtlich habe tätig werden müssen.ikr