Nach zwei Jahren Zwangspause steht an diesem Wochenende in der Bad Kissinger Innenstadt wieder großer Rakoczy-Ausnahmezustand an. Zur offiziellen Eröffnung des Stadtfestes am Freitagabend durch Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) und Kurdirektorin Sylvie Thormann zogen Fürst Rákóczi (Timo Baier) und Quellenkönigin Ann-Sophie Brath auf den trotz des angesagten Regenwetters gut besuchten Marktplatz ein.

Einziger Dämpfer für die Feststimmung ist, dass Stadt und Staatsbad GmbH das Abschlussfeuerwerk am Sonntag wegen der extremen Trockenheit und der hohen Brandgefahr abgesagt haben. "Wir wollen nicht mit einem schönen Rakoczy-Abend einschlafen und mit einem Waldbrand aufwachen", erklärten Vogel und Thormann laut einer am Freitagmittag veröffentlichten Erklärung. Man habe gehofft, dass sich die Lage durch den vorausgesagten Regen bessere, dies sei aber nicht eingetreten. Das Risiko eines Brandes ist zu groß. "Trotzdem freuen wir uns auf ein friedliches und fröhliches Fest", so der OB und die Kurdirektorin. Der guten Laune am Marktplatz, tat das im Nachhinein aber keinen Abbruch.

Extraschichten für Kehrmaschine

Wenn tausende Menschen ausgelassen feiern, bleibt es nicht aus, dass sie auch einiges an Müll in den Straßen zurücklassen: Zusammengeknüllte Servietten, Pappteller und Pommesschalen, Glasscherben, Zigarettenreste, leere Zigarettenpackungen. Rakoczy bedeutet für Kehrmaschinenfahrer Thomas Köhler und seine Kollegen vom städtischen Servicebetrieb Extraschichten. Um 5 Uhr beginnt für den gelernten Kraftfahrer am Rakoczy-Samstag und -Sonntag der Dienst. "Normalerweise sind wir bis zehn Uhr mit der Innenstadt fertig", sagt Köhler, der seit dem vergangenen Jahr beim Bauhof arbeitet. Dann ist der Festbereich wieder sauber und bereit für den nächsten Gästeansturm. Montag und Dienstag sind übrigens eingeplant, um auch die letzten Hinterlassenschaften des Stadtfestes zu beseitigen.

Zwei Kehrmaschinen sind im Einsatz, eine große mit 6000 Liter Müll-Fassungsvolumen für die Straßen und Plätze und eine kleinere mit 2000 Liter Volumen für die Gehwege und die Fußgängerzone. Etwa 8000 Liter werden als Sondermüll pro Rakoczy-Festtag von den Straßen gekehrt, schätzt der Hausener. Vier Mitarbeiter unterstützen die Kehrmaschinen zu Fuß und säubern die Stellen, die die Maschine nicht erreicht. In Schrittgeschwindigkeit bewegen sich die Maschinen beim Reinigen durch die Stadt. 3000 Liter Wasser - kein Trinkwasser, sondern aufbereitetes aus der Kläranlage - sprüht die große Maschine täglich, damit beim Kehren nicht zu viel Staub und Dreck aufgewirbelt wird.

Am Sonntag sind die Kehrmaschinen nicht nur morgens, sondern auch nachmittags im Einsatz: Für den historischen Festzug werden sie herausgeputzt und mit Blumen geschmückt. Sie bilden den Abschluss des Festzuges und räumen direkt die Pferdeäpfel weg, die die 70 Pferde der 34 Gespanne vor ihnen fallen lassen. "Das ist der angenehmste Einsatz", meint Köhler, der den Umzug bisher nur als Zuschauer kennt. Diesmal ist er mitten drinnen: als Akteur und als Arbeiter im Hintergrund.