Wohin an einem sonnigen freien Tag? Eine - nicht nur in Corona-Zeiten sehr beliebte - Möglichkeit wäre da eine Wanderung. Allerdings möglichst nicht an einen der viel besuchten touristischen Hotspots in Rhön oder Spessart. Und gerade wer im Landkreis Bad Kissingen lebt, hat es nicht schwer, hier durchaus interessante und lohnenswerte Alternativen zu den gerade an solchen Tagen viel begangenen Touren zu finden.

Der Wandertipp führt diesmal zu den Ausläufern der Rhön an die westliche Grenze des Landkreises, nämlich nach Völkersleier, bekanntlich einem Ortsteil von Wartmannsroth. Auf dem Gemeindegebiet sind nicht nur die beliebten und ebenfalls empfehlenswerten Brennerwege, sondern auch zehn Rhön-Rundwege ausgewiesen. Unsere Tour ist als "Rhön-Rundweg 5 Wartmannsroth" gekennzeichnet. Die Strecke ist etwa zwölf Kilometer lang. Insgesamt sind rund 270 Höhenmeter zu bewältigen, die Steigungen sind aber sanft und daher auch für nicht so geübte Wanderer leicht zu bewältigen.

Gegen der Uhrzeigersinn

Schotter- und Asphalt, wie man sie hier oft als Untergrund findet, sind bei Wanderern nicht unbedingt beliebt. Wenn das Wetter jedoch eher regnerisch ist oder war, erweist sich das als Vorteil. Und selbstverständlich findet sich auf längeren Abschnitten auch natürlicher Untergrund.

Startpunkt für die Tour ist der kleine Parkplatz am südlichen Ortseingang von Völkersleier. Vorbei an einem kleinen, idyllisch gelegenen See erreicht man das Dorf. Nach wenigen Metern steht man vor der katholischen Kirche, die dem Heiligen Sebastian geweiht ist. Hier darf man sich entscheiden, in welche Richtung der Rundweg begangen werden soll. Ihn in Richtung Heckmühle und damit gegen den Uhrzeigersinn zu laufen, hat einen nicht ganz unwichtigen Hintergrund. Auf diese Weise erwartet den Wanderer kurz vor Erreichen des Ziels eine besonders schöne Rastmöglichkeit.

Besondere Fernsicht

So geht es nun auf der Rhönstraße durch den kleinen Ort vorbei am Dorfplatz und der evangelischen Gustav-Adolf-Kirche, bevor der Weg nach rechts in die Ludwig-Koberstein-Straße abzweigt und über den Aspenbusch sanft bergan den Ort verlässt. Nach einigen landwirtschaftlichen Gebäuden geht es vorbei an Feldern und von Löwenzahn gelb leuchtenden Weideflächen. Dabei gewinnt man immer mehr an Höhe. Die - nicht sonderlich großen - Anstrengungen werden mit einer besonderen Fernsicht über den Neuwirtshauser und Detterer Forst hinweg Richtung Dreistelz oder Dammersfeldkuppe belohnt.

Nun führt der Weg immer weiter bergab, zunächst an den Waldrand und dann in den ergrünenden Wald am Heckberg, bis unterhalb im Tal der Weiler Heckmühle zu sehen ist, durch den Schondra und Feuerbach fließen. Entlang der Ortsstraße durchquert man den Ort. An einem landwirtschaftlichen Gebäude lädt eine kleine Steinbank samt einem an einer Kette befestigtem Flaschenöffner durstige Wanderer ein, ein Bier aus dem Rucksack zu holen. Doch Vorsicht! Es sind gerade einmal drei Kilometer geschafft.

Weiter geht es vorbei an teils sehenswerten Häusern und Gärten und - als weiterer Attraktion - einem noch in Betrieb befindlichen Mühlrad. Nach einer Brücke über die Schondra und einem Wiesenweg folgt ein kurzer Anstieg in den Wald. Hier im Schondratal wird es nun wildromantisch. Durch einen mit Felsen durchsetzten Hochwald führt der Weg immer entlang des Baches. "Wildweibstein" heißt das Felsengebiet. Vor Urzeiten, so die Sage, sollen hier verstoßene Menschen Zuflucht gesucht und gefunden haben. Nach etwa drei Kilometern purer Genusswanderung weitet sich das Tal, Wiesen sind zu sehen und bald darauf Heiligkreuz.

Den Ortseingang hier prägen nicht nur ein mächtiges Holzkreuz und die evangelische Kirche, an einem Teich sind hier auch das Backhaus und ein Rastplatz zu finden. Hier legen auch Motorrad- und Radfahrer gerne ihre Pausen ein.

Eindrucksvolles Rhön-Panorama

In Heiligkreuz ist auch der tiefste Punkt der Tour erreicht. Nachdem man den Ort durchquert hat, verlässt man ihn entsprechend auf einem Weg, der stetig bergan in den Wald führt. Weiter geht es dann durch eine Feldflur bis am höchsten Punkt einer Erhebung eine Schutzhütte und Raststation des Rhönklubs erreicht ist.

Ein herrlicher Platz für eine Rast, zumal sich hier ein eindrucksvoller Blick in Richtung Spessart vor allem auch in die Rhön bietet. Wer das Panorama hier nicht so gut kennt, kann dabei auf einer Infotafel die einzelnen Gipfel in der Ferne identifizieren. Nun ist es nicht mehr weit, und nach knapp zwei Kilometern und gut drei Stunden erreicht man über einen Hohlweg Völkersleier. Vorbei am barocken Hofhaus ist bald wieder der Parkplatz erreicht.

Fazit: Der "Rhön-Rundweg 5 Wartmannsroth" bietet eine abwechslungsreiche Tour durch die frühlingshafte Natur in den südlichen Ausläufer der Rhön mit eindrucksvollen Fernsichten und einen wunderschönen Streckenabschnitt im Schondratal.

Wem die zwölf Kilometer zu kurz sind, der hat zum Beispiel die Möglichkeit, am Feuerwehrhaus in Wartmannsroth zu parken und von dort über den Rundweg 1 die etwa 2,5 Kilometer nach Völkerleier zurückzulegen und dann in die Tour einzusteigen. Und wer sich nicht hinters Steuer setzen muss, ist sogar in Corona-Zeiten eingeladen, in Wartmannsroth samt Ortsteilen die verschiedensten Brände zu testen.Thomas Pfeuffer