Ein Alptraum ging am Montagvormittag für das Ehepaar Zöller zu Ende. Rund zwei Wochen sind sie bereits zur Erholung in Bad Brückenau, allerdings ohne jegliches Gepäck. Ihr in Hamburg aufgegebener Koffer wurde - vermutlich wegen des Streiks bei der Post - erst mit großer Verspätung ausgeliefert.

Sonst vor den Gästen am Ziel
Seit mittlerweile 14 Jahren kommen Werner und Christiane Zöller ins Appartementhaus Gayer in der Ernst-Putz-Straße. Um sämtlichen Stress bei der Reise aus der norddeutschen Metropole in die Rhön aus dem Weg zu gehen, wird der Koffer schon einige Tage vorher bei DHL versandfertig aufgegeben und war bisher meist schon vor den Gästen am Ziel.

"Dann konnten wir in Ruhe auspacken und waren sofort in Ferienstimmung", sagt die 78-jährige Hamburgerin. "Eine bequemere Lösung gab es für uns nicht", ergänzt ihr 81-jähriger Ehemann Werner.

Aber diesmal war eben alles anders. Mit jedem Tag sei die Hoffnung kleiner geworden, dass der Koffer überhaupt noch einmal ankommt. Da war dann eben Improvisationstalent gefragt. "Die Kleidung, die wir am Leibe trugen, wurde jeden Tag ausgewaschen und über Nacht zum Trocknen aufgehängt." Natürlich mussten die Zöllers auch noch einige Teile dazukaufen, "um wenigstens einigermaßen über die Runden zu kommen". "Ich saß regelmäßig ab 18 Uhr im Schlafanzug auf der Couch, T-Shirt und Shorts waren ja in der Wäsche", beschreibt Werner Zöller den "Urlaubsalltag".

Verärgert über Auskunft
Trotz aller Widrigkeiten hat das Ehepaar aus der Hansestadt aber nie seinen Humor verloren. "In unserem Alter wissen wir, dass es schlimmere Dinge gibt als ein paar fehlende Wäschestücke." Verärgert sind beide nur darüber, dass sie trotz mehrfacher Nachfrage nirgends eine konkrete Auskunft über den "Aufenthaltsort" ihres Koffers erhalten haben, "weder telefonisch bei der Aufgabestelle in Hamburg noch bei der Postagentur in Bad Brückenau."

Große Hilfsbereitschaft
Beeindruckt waren sie hingegen von der Hilfsbereitschaft ihrer Wirtsleute Christa und Artur Gayer. "Von ihnen haben wir jegliche Unterstützung bekommen", betonen die Stammgäste. Werner Zöller, der viele Jahre selbst Betriebsrat in einer Maschinebaufirma war, hat zwar durchaus Verständnis für einen Streik. "Diesmal war aber alles viel zu dämlich organisiert", kritisierte der Urlaubsgast. Nun wollen die Zöllers, die noch weitere Wochen bis Anfang August in Bad Brückenau sind, ihren Aufenthalt "mit allem Komfort" erst einmal richtig genießen und die Kofferpanne so schnell wie möglich vergessen.

Übrigens stand noch ein weiterer Gast der Gayers einige Tage ohne den bei DHL aufgegebenen Koffer da. Und wie beim Ehepaar Zöller kam auch sein Gepäckstück erst mit einiger Verzögerung am Montagvormittag an.