Die Erhardstraße, die vom östlichen Rand der Kissinger Innenstadt hoch führt Richtung Sinnberg, hat ihr Gesicht zuletzt deutlich verändert. Verantwortlich war zunächst einmal der Abschluss der Erneuerung der Straße. Im November kam dann ein Fahrrad-Schutzstreifen hinzu. Dieser Schutzstreifen ist zwar nicht der erste in der Stadt, aber der bisher auffälligste. Und wie es aussieht, könnten bald noch weitere folgen.

Richard Fix von den Grünen, Beauftragter des Stadtrats für Mobilität und Umwelt, sieht den Schutzstreifen für Radfahrer in der Erhardstraße grundsätzlich als Fortschritt an. Noch besser hätte er allerdings gefunden, wenn der Raum für Radfahrer und das Angebot fürs Parken von Autos dort konsequent getrennt worden wären. So aber schlängelt sich der Fahrrad-Sicherheitsstreifen an straßenbegleitenden Stellflächen für Autos entlang rechts die Straße hoch. Radfahrer auf der einen Seite und parkende Autos auf der anderen hätte Fix perfekt gefunden.

Umsetzen könnte man die Idealvorstellung unter Umständen in den Straßen, die der grüne Stadtrat als nächste Kandidaten für solche Sicherheitsstreifen ansieht: in der Maxstraße und in einem Teil der Salinenstraße. In der Maxstraße - zwischen Hemmerichstraße und Ring - dürfe ohnehin nur auf einer Seite geparkt werden.

Schutzstreifen

Das ist dort zufällig auch die richtige Seite für einen anderen Gedanken des Stadtratsbeauftragten. In ansteigenden Straßen wirke ein Schutzstreifen am effektivsten in Fahrtrichtung des Anstiegs. Denn da würden Radfahrer im Vergleich zum Pkw-Verkehr deutlich langsamer und damit für Autofahrer zur Behinderung.

Der zweite Kandidat für die Anbringung eines Sicherheitsstreifens für Radfahrer ist aus Sicht des Stadtratsbeauftragten für Mobilität und Umwelt der südliche Teil der Salinenstraße. Fix hält es für sinnvoll, den Sicherheitsstreifen, der in der nördlichen Von-Hessing-Straße gegen die Einbahnrichtung bereits bestehe, stadtauswärts fortzusetzen. Bis zur Einmündung der Hemmerichstraße wäre das angebracht, findet er. Das mache schon optisch deutlich, dass da nicht nur Autos unterwegs sind, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer.

Einen allgemeinen Antrag, die Stadt solle künftig bei allen Planungen von Straßen und Wegebau im Stadtgebiet "die Interessen aller Verkehrsteilnehmer (Fußgänger, Auto- und Radfahrer) gleichermaßen" berücksichtigen, hat er bereits gestellt. Die konkreten Anträge für Maxstraße und besagten Teil der Salinenstraße sollen folgen, berichtete Fix.

Möglich sind solche Sicherheitsstreifen in geschlossenen Ortschaften auf Straßen mit maximal Tempo 50. Voraussetzung ist ausreichende Breite der Straße. Autofahrer dürfen diese durch eine unterbrochene Markierung gekennzeichneten Streifen nur bei Bedarf überfahren, "insbesondere um dem Gegenverkehr auszuweichen", heißt es in den Vorgaben. Der Radverkehr dürfe nicht gefährdet werden. Parken und Halten auf dem Schutzstreifen sei verboten. Auch Be- und Entladen ist dort nicht erlaubt.

Probelauf

Fix' Anliegen stößt im Rathaus wohl auf offene Ohren. Das deutet sich schon aus dem an, was David Rybak auf Anfrage für die Stadt zu den Fahrrad-Sicherheitsstreifen erklärt. Es sei das erklärte Ziel des Oberbürgermeisters, gute Lösungen für alle Verkehrsteilnehmer zu finden, für Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer, sagt Rybak. Das richte sich nicht nur auf Bereiche, wie die von Fix angesprochenen. Aktuell gebe es auch einen Probelauf in Bezug auf Radfahren in der Fußgängerzone.

Während der Lieferzeiten sei dort zurzeit Fahrradfahren erlaubt. Rybak beschreibt das als Pilotprojekt, bei dem die Stadt sich bis ins neue Jahr hinein anschaue, wie Radfahrer und Fußgänger nebeneinander und miteinander zurechtkommen.