Daniela M. hatte bereits als Kind regelmäßig Kopfschmerzen. Im zwölften Lebensjahr wurde ihr attestiert, das es sich um eine Migräne handelt. Medikamente, Reha, unzählige Arzttermine - Daniela M. hat vieles ausprobiert. In den letzten Jahren wurden die Abstände der Migräneattacken kürzer: Die Frau aus dem Landkreis Bad Kissingen hatte fast jeden zweiten Tag Migräne. Schmerz und Stress wurden immer größer. Sie gönnte sich keine Ruhepause, wollte trotzdem alles perfekt machen in Familie und Beruf. Weil sie immer mehr Medikamente schluckte, empfahl ihr der Arzt eine stationäre Schmerztherapie.

Chronische Schmerzen verändern das Lebensumfeld und das Verhalten der Betroffenen, können depressiv machen. Die gewohnte Lebensqualität geht verloren. Umgekehrt entwickeln auch depressive Menschen oft körperliche Schmerzen. Auch wenn es für den Betroffenen schwer zu akzeptieren ist - Schmerzen haben einen Sinn: Sie zeigen dem Körper Überlastungen an. Akute Schmerzen haben eine Warnfunktion, chronische Schmerzen haben sie verloren. Beispiel Wirbelsäule: Manche Menschen können sogar Verkrümmungen gut wegstecken. Sie haben starke Muskeln, die die Wirbelsäule stützen und Schmerzen vorbeugen. Während ihrer stationären Therapie in der Schmerzmedizin des Helios-St.-Elisabeth-Krankenhaus Bad Kissingen machte Daniela M. mit Dr. Deckart und ihrem Team einen vollständigen Entzug ihrer Schmerzmittel.

Sie lernte, die Migräne zu akzeptieren. Ihr wurde bewusst, dass ihre bisherige Lebensführung die Migräne eher verstärkt hatte. Sie lernte Entspannungsübungen und Verhaltensweisen für den Alltag. Alternative Behandlungsmethoden wie Akupunktur und Schröpfen halfen dabei, die Entzugssymptome zu behandeln. Chronische Schmerzen können auch nichtorganische Ursachen haben: Stress am Arbeitsplatz, familiäre Konflikte und Überlastungen, finanzielle Schwierigkeiten, ständige Anspannung.


Meist langer Leidensweg

Wer in eine Schmerzklinik kommt, habe meist einen langen Leidensweg hinter sich. Als "chronisch" gilt ein Schmerz, wenn er mindestens sechs Monate besteht. "In der Klinik sind die Erwartungen an Ärzte und Therapeuten in der Regel groß", berichtet die Medizinerin. Wenige Tage haben Ärzte und Patienten Zeit, Veränderungen anzustoßen bei Schmerzen, die vielleicht schon Jahre dauern. Deckart setzt auf ganzheitliche Behandlung, die seelische und körperliche Veränderungen einschließt. "In der Schmerzklinik lernen die Patienten auch, sich auf Dinge außerhalb ihrer Schmerzen zu konzentrieren", betont Dr. Deckart. Neben Physiotherapie und Yoga setzt das Eli auf Kunsttherapie zur Ablenkung. Ergotherapeuten geben zudem Tipps, wie die Patienten Alltagsaufgaben erledigen können, auch wenn sie unter körperlichen Einschränkungen leiden.

"Die Therapie funktioniert nur dann, wenn die Patienten bereit sind, alte Verhaltensmuster zu ändern", sagt Deckart. Wenn Bewegungen Schmerzen verursachen, sei es normal, dass man diese Bewegung lieber vermeidet. Oft ist es laut Deckart für Schmerzpatienten verlockender, eine Tablette zu schlucken, aber: "Klassische Schmerzmittel sind für den akuten Fall gedacht, sie haben bei längerer Anwendung Nebenwirkungen." Schmerzmedizin in einer Klinik sei eine komplexe Behandlung, die neben den körperlichen auch die psychischen Veränderungen umfasst: "Manche Patienten müssen regelrecht lernen, sich wieder zu freuen", berichtet Dr. Deckart. Denn: "Wenn man nur noch an seine Schmerzen denkt, ist man nicht mehr dazu in der Lage, Schönes zu empfinden." Patienen müssten "aus der Schmerzspirale herauskommen". Daniela M. geht nach zwei Wochen mit einem guten Gefühl nach Hause. "Wenn man sich auf die Therapie einlässt, lernt man, besser mit der Migräne zu leben."


Am 7. Juni anrufen

Die Saale-Zeitung beteiligt sich mit einer Telefon-Aktion am bundesweiten "Aktionstag gegen den Schmerz": Am Mittwoch, 7. Juni, kommen dafür Dr. Maximiliane Deckart und Prof. Dr. Rudolf-Albert Venbrocks in die Redaktion. Sie beantworten Fragen zu den Themenbereichen Schmerztherapie, Akupunktur, Wirbelsäulenerkrankungen und -schmerzen sowie Orthopädie und künstlicher Gelenkersatz.

Dr. Deckart ist Fachärztin für Anästhesie und Schmerztherapie, Notfallmedizin und Akupunktur. Im September 2015 hat sie mit dem Aufbau der Abteilung Schmerzmedizin am Bad Kissinger St.-Elisabeth-Krankenhaus begonnen. Prof. Dr. Rudolf-Albert Venbrocks ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie für Physikalische Therapie und Rehabilitationsmedizin. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem künstlichen Gelenkersatz. Seit 2011 ist er leitender Orthopäde an der Ortho-Clinic Hammelburg. Am Mittwoch, 7. Juni, erreichen Sie die beiden Ärzte von 14 bis 17 Uhr in der Redaktion unter den folgenden Nummern:

0971/ 8040 225: Dr. Maximiliane Deckart

0971/ 8040 227: Prof. Dr. Rudolf-Albert Venbrocks

Hinweis: Informationen unserer Experten können keine persönliche ärztliche Beratung und Behandlung ersetzen. Im Zweifelsfall wenden Sie sich bitte persönlich an Ihren behandelnden Arzt.