Eigentlich werden scheidende Kreistagsmitglieder noch während der laufenden Wahlperiode geehrt. Doch in Zeiten von Corona ist so manches anders, sagte Landrat Thomas Bold bei der Verabschiedung der 21 Kreisrätinnen und Kreisräte am Donnerstag in der Musikakademie in Hammelburg.

Gleich zu Beginn erinnerte der Kreischef an die verstorbenen Kreistagsmitglieder Walter Müller (2015), Alfred Schrenk und Wolfgang Back (beide 2018). "Sie waren herausragende Persönlichkeiten, die die kommunalpolitische Landschaft des Landkreises stark mitprägten."

An den Anfang stellte Bold auch ein Resümee wichtiger Vorhaben aus der vergangenen Wahlperiode und wies unter anderem auf die Bewältigung der Flüchtlingskrise, auf Erfolge in Sachen SuedLink, auf Baumaßnahmen wie den BBZ-Neubau in Münnerstadt, die Sanierung der Hammelburger Musikakademie oder die Erweiterung des Landratsamts hin.

Fünf Mal gab's den Wappenteller

Er zählte aber auch Projekte wie zum Beispiel die Fortentwicklung des Zentrums für Telemedizin und das geplante Naturerlebniszentrum am Klaushof auf. Man habe im Gremium stets "konstruktiv und vertrauensvoll" zusammengearbeitet. Bold: "Auch wenn wir uns in der Sache nicht immer einig waren, blieb der Umgang fair und sachlich."

Zunächst überreichte der Kreischef als Dank für die geleistete Arbeit im Gremium den Landkreis-Wappenteller an fünf Kreistagsmitglieder. Achim Bieber (SPD) ist seit 2008 im Marktgemeinderat Maßbach aktiv und engagierte sich seit 2014 im Kreistag, sagte Bold. Ursula Müller-Ahammer (SPD) war von 2002 bis 2014 im Hammelburger Stadtrat aktiv und rückte im Dezember 2018 für den verstorbenen Kreisrat Alfred Schrenk ins Gremium nach.

Michaela Wedemann (CSU) wurde in Abwesenheit geehrt. Sie ist seit 2008 im Münnerstädter Stadtrat vertreten. Im Juli 2015 rückte sie für Walter Müller in den Kreistag nach. Für ihre seit 2014 im Gremium geleistete kommunalpolitische Tätigkeit wurden auch Stefan Lang (Freie Wähler) in Abwesenheit und Norbert Schmäling (ÖDP) gewürdigt.

Acht frühere Mitglieder des Kreistags wurden mit dem Landkreis-Ehrenzeichen für zwölf Jahre kommunalpolitische Tätigkeit bedacht. Helmut Blank (CSU) war 2008 bis 2020 Bürgermeister in Münnerstadt und genauso lang im Kreistag vertreten. Manfred Dittmar (FDP) setzte sich 30 Jahre nach der ersten Wahlperiode im Kreistag (1978 bis 1984) seit 2014 erneut für die Anliegen der Kreisbürger ein.

Jürgen Englert (SPD) ist seit 1996 im Marktgemeinderat Elfershausen vertreten, 2002 bis 2020 sogar als 2. Bürgermeister. Seit 2008 war er im Kreistag tätig und war seit Dezember 2018 Stellvertretender Landrat.

Peter Hart (CSU) setzte sich seit 1990 in der Kommunalpolitik ein, sagte Bold. Zunächst war er Mitglied im Fuchsstädter Gemeinderat und wurde 2002 an die Spitze des Gremiums gewählt, ist also 18 Jahre dort Bürgermeister gewesen. Im Kreistag ist er seit 2008 vertreten. Bold lobte Harts "großen Einsatz für die Gemeinschaft". So war er zum Beispiel auch Feldgeschworenen-Obmann für den Altlandkreis Hammelburg.

Anna Maria Krug (CSU) war im Juli 2018 für Wolfgang Back in den Kreistag nachgerückt. Zuvor war sie von Dezember 2004 bis 2014 schon einmal Mitglied im Gremium gewesen. Seit 1995 war Robert Römmelt (SPD) in der Kommunalpolitik aktiv. Bis 2014 war er Bürgermeister in Riedenberg. In den Kreistag wurde er 2008 gewählt. Dass Römmelt im Kreistag stets sagte, was er für richtig hielt, selbst wenn es nicht der eigenen Parteidoktrin entsprach, dafür zollte ihm Bold Lob.

Landkreis-Ehrenzeichen in Silber

Peter Sell (CBB-FW) ist im Landkreis vor allem auch durch sein Engagement bei der Feuerwehr als Kommandant, Kreisbrandmeister, Kreisbrandinspektor und Stellvertreter des Kreisbrandrats ein Begriff. Im Kreistag vertrat er die Interessen der Bürger seit 2008 auf vielfältige Weise.

Oswald Türbl war 1996 bis 2014 im Marktgemeinderat Schondra vertreten und engagierte sich seit 2008 auch im Kreistag, so zum Beispiel im Kulturausschuss und im Sportbeirat.

Danach ging's um die Ehrenzeichen in Silber. Eins davon erhielt Wolfgang Görner (SPD), der seit 2008 im Kreistag war und neun Jahre lang als Vorsitzender seiner Fraktion fungierte. Bold sagte, man habe überlegt, ob die "Kreistagsband", bestehend aus Görner, Walter Gutmann und Bernd Hammer, am Donnerstag in der Musikakademie nochmals aufspielen sollte. Aber zur eigenen Verabschiedung zu spielen, wäre zuviel verlangt gewesen, fand Bold. Gute Musik gab's dennoch von Roman Riedel (Posaune) und seinem Schüler Jonas Greubel (zwölf Jahre).

Zudem gab's vier Mal Gold

Silber gab's auch für Bernd Hammer (CSU), der seit 2002 im Kreistag war. Bold hob zudem seine Verdienste in der Musik hervor. So war er unter anderem zehn Jahre lang Kreisvorsitzender des Nordbayerischen Musikbundes gewesen.

Ein politisches Urgestein ist Irmgard Heinrich (CSU). 1984 wurde sie erstmals in den Marktgemeinderat Oberthulba gewählt und war dort 18 Jahre vertreten. Seit 2002 setzte Heinrich sich dann im Kreistag für die Belange der Bürgerinnen und Bürger ein. Bold hob hervor, dass sich Heinrich "mit großem Einsatz für die Gemeinschaft" stark machte. Das sei auch dem Kreistag zu Gute gekommen, wenn er unterwegs war, schmunzelte der Landrat. Denn Heinrich habe auf den Fahrten stets für alle gesorgt: "Sie ist so etwas wie die Mutter der Kompanie."

Und schließlich gab's noch viermal Gold in dieser Sitzung. Reimar Glückler (CBB) ist seit mehr als drei Jahrzehnten Stadtratsmitglied in Hammelburg. Von 1996 bis 2008 hatte er als 3. und von 2008 bis 2020 als 2. Bürgermeister die Geschicke der Stadt mitgestaltet. Seit 2002 gehörte er dem Kreistag an und war von Beginn an Vorsitzender seiner Fraktion. Bold zählte die zahlreichen Funktionen und Kreistagsgremien auf, in denen sich Glückler Verdienste erwarb. Nach Bolds Ansicht habe Glückler sich "weit über das übliche Maß hinaus" engagiert.

Walter "Pizzi" Gutmanns (CSU) kommunalpolitische Laufbahn begann vor 50 Jahren. 1970 wurde er in den Gemeinderat Wildflecken gewählt und war dort ab 1979 für 23 Jahre Bürgermeister. Seit 1984 mischte er im Kreistag mit. Von 1985 bis 2008 fungierte er als stellvertretender Landrat. Gutmann habe sein breites Wissen stets "gewinnbringend" eingebracht, sagte Bold.

Edgar Kast (CSU) ist seit 1996 im Kreistag gewesen. Auch Kast habe sich in den vergangenen 24 Jahren "in erheblichem Maße für die Belange der Bürgerinnen und Bürger eingesetzt", lobte Bold. Er nannte ihn den "Mr. Verkehrssicherheit", weil er sich Jahrzehnte lang als Polizist darum bemühte, Kindern das adäquate Verhalten im Verkehr beizubringen. Hans-Dieter Scherpf wurde zweimal in den Kreistag gewählt (1984 bs 1996 und 2002 bis 2020). Zudem war er 1978 bis 2017 im Hammelburger Stadtrat. Durch "sachkundige Arbeit" habe er sich das Vertrauen der Bürger erworben, so Bold.

Das Goldene Landkreis-Ehrenzeichen konnte Bold an Robert Kiesel (CSU) nicht überreichen. Das besitzt dieser bereits. Trotzdem hob Bold die außerordentlichen Verdienste Kiesels hervor, der freilich auch als Landtagsabgeordneter (1990 bis 2013) über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt wurde. 25 Jahre war er im Kreistag vertreten (1990 bis 1991 und 1996 bis 2020). Kiesel habe sein breites Wissen bereitwillig in den Kreisgremien eingebracht. Isolde Krapf