Alteingesessene Hammelburger sind es fast schon gewöhnt, aber Neubürger reagieren bisweilen verstört: Wenn die Bundeswehr auf dem Truppenübungsplatz trainiert, kann es schon mal richtig laut werden.

Diese Woche war es besonders heftig. "Ja, ist denn schon wieder Krieg?", schreibt ein Facebook-Nutzer. "21 Uhr und die Kinder können nicht schlafen", vermerkte jemand anderes.

Im Rahmen der Genehmigungen

Koordiniert wird das Übungsgeschehen auswärtiger Einheiten von der Truppenübungsplatz-Kommandantur. Dort verweist ein Sprecher auf Nachfrage dieser Redaktion auf die Erfordernisse einer realistischen Einsatzvorbeitung. Dazu gebe es nun mal Truppenübungsplätze. Alles laufe im Rahmen der erteilten Genehmigungen für das Gelände. Zu sehr möchte die Dienststelle zu Art und Ablauf der Übungen nicht ins Detail gehen. So viel verrät sie aber: Die zurückliegenden Übungen diente der Ausbildung von einzelnen Hubschrauber-Besatzungen für Such- und Rettungseinsätze.

Rettungskräfte mit an Bord

Mit an Bord der Helikopter (CH 53, NH-90 und H145 M) waren dabei auch unterschiedliche Rettungskräfte. Die Bundeswehr sei schließlich auch bei der Rettung vom Menschen aktiv. Davon profitieren am Ende alle Bürger, so die Stellungnahme weiter. Weil die Einsätze militärisch und zivil nicht nur tagsüber und bei guten Sichtverhältnissen stattfinden, müsse auch bei einsetzender Dunkelheit und in der Nacht geübt werden.

Weiter entfernt von bewohntem Gebiet könne auf dem Gelände bei Hammelburg nicht geübt werden. Er gehört mit einer Ausdehnung von sieben mal sechs Kilometern zu den kleinsten Plätzen in Deutschland. Nur geringfügig größer ist die sogenannte Flugbeschränkungszone (acht mal acht Kilometer), die von anderem Luftverkehr freigehalten werden muss. Von wo die Helikopter anfliegen, steht den Piloten frei.

Weil sich die Trainingsflüge der Rettungshubschrauber rein auf das Fliegerische konzentrieren, führte dies zu längeren Flugzeiten. Allerdings werde das so künftig kaum mehr stattfinden, weil die freien Ausbildungszeiten auf dem Truppenübungsplatz knapp sind. Verschärft worden ist der Fluglärm diese Woche, weil sich zusätzlich auch Schützen (Door Gunner) von bewaffneten Hubschraubern (NH- 90) auf Einsätze vorbereiten.

Ausbildung von Bordschützen

Diese Hubschrauber fliegen einen eigenen Übungskurs. Einer der Ausbildungsdurchgänge in der Luft dauert 15 bis 20 Minuten. Dann wird gelandet, die Besatzung gewechselt, aufmunitioniert und getankt, verrät die Bundeswehr auf Nachfrage.

Begünstigt worden ist die Ausbreitung der Geräusche Richtung Stadt in dieser Woche von der Windrichtung und der Wolkendecke. Manchmal sei von dem Übungsbetrieb so gut wie nichts zu hören, ein anderes Mal deutlicher. Der Emissionsschutz werde sehr ernst genommen, heißt es aus der Kommandantur. So gebe es eine Software, die schon vor Übungen eine Prognose zu der erwarteten Belastung abgibt, damit es gar nicht erst zu einer Überschreitung der Grenzwerte komme.

Mit einer Zunahme des Übungsbetriebs sei übrigens nicht zu rechnen, wenn das Ausbildungzentrum Infanterie (ab 1. April wieder Infanterieschule) die Verantwortung über Teile des Kommandos Spezialkräfte KSK) übernimmt. Übernommen werde die Zuständigkeit Ausbildung als einer der vier KSK-Bereiche, und dabei vorwiegend im administrativen Bereich. Die Schulung laufe an den bisherigen Standorten weiter und ein Teil davon, wie bisher bereits, in Hammelburg. Wolfgang Dünnebier