von Thomas Pfeuffer

Eigentlich sind genügend Schilder vorhanden, die darauf hinweisen, dass der Bohlensteg durch das Schwarze Moor derzeit gesperrt ist. Wie in zahlreichen anderen Fällen auch nehmen viele Besucher derartige Schilder aber einfach nicht wahr - oder wollen sie nicht sehen und dringen in den gesperrten Bereich ein.

Über das Tor, unter den Zaun

Manche klettern über das Tor, manche kriechen unter dem Zaun hindurch. So war es auch in diesem Winter. Kontrollierte ein Ranger den Zugang an schönen Tagen, musste er meist Dutzende Neugierige auf die Sperrung hinweisen zurückschicken. Dafür erntete er nicht immer verständnisvolle Worte.

Dabei ist es wichtig, dass die Sperrung berücksichtigt wird, betont Klaus Spitzl, Geschäftsführer beim Verein Naturpark und Biosphärenreservat Rhön. In normalen Jahren erfolge die Sperrung, weil Schnee und Glätte das Laufen auf dem rutschigen Bohlensteg zu gefährlich werden lassen, zudem ist das Moor über den Winter wichtiger Rückzugsort seltener Tierarten.

In diesem Winter haben zusätzlich Corona-Auflagen dafür gesorgt, dass die idyllische Moorrunde schon seit Anfang November nicht mehr betreten werden durfte. Nun kommt ein weiterer Grund hinzu, weshalb der Lehrpfad nicht betreten werden sollte. Es stehen Bau- und Sanierungsarbeiten an. In diesem Rahmen wurden auch die Infotafeln zur Überarbeitung abtransportiert.

Spitzl mag sich die Folgen gar nicht vorstellen, wenn jemand ausrutscht und in eines der aus dem Boden ragenden Fundament-Eisen stürzt. "Wir sperren das Moor ja nicht, um die Leute zu ärgern", ergänzt der Gebietsbetreuer für die Lange Rhön, Torsten Kirchner. Die Gefahren seien nicht zu unterschätzen. Entsprechend bittet der Naturpark Geschäftsführer um Verständnis und darum, die Sperrung zu respektieren.

Kleine Moorrunde

Zumal Teile des Moorpfades heuer möglicherweise bis zum Herbst gesperrt bleiben werden. Je nach Witterung beginnen jetzt die Arbeiten am Bohlensteg. Seit 2017 wurde der 2,5 Kilometer lange Pfad in mehreren Bauabschnitten ausgetauscht. Heuer folgt das letzte, etwa 840 Meter lange Teilstück.

Die Bohlen sowie die Unterkonstruktion müssen abgebaut und teils mit der Schubkarre über etwa 900 Meter abtransportiert werden. Ebenso aufwändig und mit viel Handarbeit verbunden sein wird der anschließende Neuaufbau. Wenn das Wetter in fast 800 Metern Höhe mitspielt, sollen die Arbeiten bis Juli oder August abgeschlossen sein. Bis dahin bleibt die große Moorrunde gesperrt.

Können die Vorarbeiten rechtzeitig abgeschlossen werden und die Corona-Lage spricht nicht dagegen, ist ab Ostern eine kleine Tour möglich, kündigt Spitzl an. Wegen des Corona-Schutzes dürfte der Aussichtsturm aber weiterhin geschlossen bleiben. Dort war jüngst ein unschöner Vorfall zu verzeichnen. Weil er es sich nicht nehmen lassen wollte, die Aussicht vom Turm zu genießen, hat ein uneinsichtiger Zeitgenosse das Schloss an der Eingangstüre einfach aufgebrochen und sich Zutritt verschafft. Der Täter sei inzwischen ermittelt und bestraft worden, weiß der Naturpark-Geschäftsführer.

Um noch deutlicher auf die Sperrung hinzuweisen, haben Spitzl und Mitarbeiter des Naturparks neue Schilder anfertigen lassen und jetzt an mehreren Stellen am Moor angebracht. 1,20 Meter breit und 80 Zentimeter hoch sind die größeren der knallrot gehaltenen Hinweistafeln, auf denen über die Sperrung und die Bauarbeiten im Moor informiert wird. "Damit es auch der letzte versteht und keiner mehr behaupten kann, dass er die Schilder nicht gesehen hat", betonte Spitzl.

Dass man auch mit den neuen Schildern vermutlich nicht alle vom Eindringen in das Schwarze Moor abhalten wird, ist den Verantwortlichen auch bewusst. Entsprechend trifft man mit der Polizei Absprachen, wann und in welchem Umfang das Moor kontrolliert werden soll.

Ein Problem lässt sich mit neuen Schilden nicht lösen. Im Internet tauchen an den verschiedensten Stellen immer wieder Falschmeldungen auf, dass die Moorrunde aktuell geöffnet sei. Offiziell gültige Informationen gebe es einzig auf der Homepage des Biosphärenreservats.