In einem riesigen Schwall ergießt sich die sonnengelbe Gerste in die Gosse. 25 Tonnen hat Bernhard Schreyer bei der Mälzerei Schubert in Schweinfurt angeliefert. Reine Biogerste, angebaut und aufbereitet vom Schloss Gut Obbach. Die erste Biogerste, die in der traditionsreichen Mälzerei Schubert vermälzt und anschließend in der Brauerei von Ulrich Martin in Hausen mit Biohopfen zum Ökobier gebraut wird. Das erste Ökobier aus Schweinfurt und dem Schweinfurter Land, das auch in der Region vermarktet werden soll. "Das ist gelebter biologischer Anbau bis zum Ende gedacht", freut sich Braumeister Ulrich Martin auf das "Guts Bier", das beim Bieranstich am 14. Juli um 11 Uhr auf Schloss Gut Obbach zum ersten Mal ausgeschenkt wird.

In 0,33-Liter-Flaschen

Es wird ein naturtrübes Helles, abgefüllt in 0,33-Liter-Flaschen. Und auch dieser letzte Schritt erfolgt regional. Denn ab Mitte Juni wird bei der Brauerei Martin selbst abgefüllt. Dann geht nämlich die eigene Flaschenabfüllung in Betrieb. Das einzige nicht regionale Produkt am neuen Ökobier ist der Hopfen. Den bezieht Braumeister Martin über Naturland, weil es in der Region keinen Biohopfenanbau gibt.

Die Bedeutung dieses neuen ökologischen Produktes aus der Region unterstrich die Prominenz, die sich zur Anlieferung der ersten Biobraugerste bei der Mälzerei Schubert versammelt hatte: Neben Landrat Florian Töpper und Schweinfurts drittem Bürgermeister Karl-Heinz Kauzcok sind das Andreas Schäfer von der Besitzerfamilie des Schloss Guts Obbach sowie Wasserlosens Bürgermeister Anton Gößmann als Sprecher der Allianz Oberes Werntal und die Managerin der Ökomodellregion Oberes Werntal, Anna-Katharina Paar. Und natürlich auch die Vertreter der drei Naturland-zertifizierten Unternehmen, die das Projekt stemmen: die Gutsverwalter Bernhard Schreyer und Petra Sandjohann, Mälzerei-Inhaberin Catharine Freifrau von Schoen mit Seniorchefin Susan Schubert und Produktionsleiter Michael Grünewald sowie Braumeister Ulrich Martin. Bevor Bernhard Schreyer die Bordwand öffnen darf, um die wertvolle Fracht in die Gosse zu kippen, wird erst eine Probe gezogen und die Biobraugerste auf Eiweißgehalt und Feuchtigkeit analysiert. "Das Ergebnis ist super", verkündet Betriebsleiter Grünewald und gibt grünes Licht. Das Getreide rauscht in einer riesigen Staubwolke vom Wagen herab in den Schacht am Boden. Dass es so staubt, ist ein gutes Zeichen, die Gerste besitzt wenig Restfeuchtigkeit. Nach der Reinigung wird das Korn in Wasser eingeweicht, bis es zu keimen beginnt.

19 Tonnen Malz

Das dauert etwa sechs Tage, erklärt Betriebsleiter Grünewald. Der Malzmeister muss hier gut aufpassen und eingreifen, bevor eine Pflanze daraus wird. Das Malz wird dann getrocknet, eingelagert und schließlich an die Brauerei geliefert. Dort wird es mit Wasser zur Maische vermischt, aus der wiederum die Würze wird, die dem Bier im wahrsten Sinne des Wortes die Schaumkrone aufsetzt.

Die vom Schloss Gut Obbach angelieferten 25 Tonnen Ökobraugeste werden 19 Tonnen Malz ergeben. "Das reicht für 1000 Hektoliter Bier", informiert Betriebsleiter Grünewald. Vom neuen "Guts Bier" werden in der ersten Charge 3000 Liter gebraut. Allianzsprecher Anton Gößmann appelliert an Bürgermeister Kauzcok, kräftig die Werbetrommel für das Ökobier zu rühren. In Schweinfurt gebe es viele Verbraucher, und mit dem Guts Bier könne der Ökogedanke nun auch in die Stadt "hineinschwappen". Ermöglicht hat dies die Bio-Zertifizierung, die die Mälzerei Schubert seit März in der Tasche hat.

"Das war mir eine Herzensangelegenheit", bekennt Inhaberin Catherine Freifrau von Schoen. Mit der Öko-Linie wolle sich das Unternehmen ein zweites Standbein aufbauen. Biobier sei rar gesät, aber auf dem Vormarsch. Sie blickt deshalb optimistisch nach vorne und macht anderen Unternehmen Mut, auch diesen Schritt zu gehen. "Das ist unser Beitrag für mehr regionale Ökoware."

Strahlkraft über Region hinaus

Die Idee zu einem regionalen Ökobier wurde vor einem halben Jahr auf dem Schloss Gut Obbach geboren, dem Demonstrationsbetrieb der Bundesregierung für Öko-Landbau und der Ideenschmiede für besondere regionale Öko-Produkte. Hier werden Öko-Aprikosen angebaut, wird fränkischer Cidre aus heimischen Äpfeln gekeltert und eigenes Sonnenblumenöl hergestellt. "Uns ist es dabei wichtig, auch mit Partnerbetrieben zusammenzuarbeiten", erläutert Petra Sandjohann die Philosophie des Gutshofs, die Kompetenz anderer Handwerksbetriebe zu nutzen und auf diese Weise voneinander zu profitieren. So gibt es beispielsweise Brot aus Obbacher Biogetreide, das in der Untereuerheimer Schlossmühle zu Mehl gemahlen und in der Greßthaler Bäckerei Wolz gebacken wird. Für das Ökobier habe man mit der Mälzerei Schubert und der Brauerei Martin ebenfalls "tolle Partner" gefunden. "Ich glaube, dass das ein Erfolg wird."

Dass sich hier ein gutes Trio zusammengeschlossen hat, daran hegt dritter Bürgermeister Karl-Heinz Kauzcok keinen Zweifel. Er lobt den Mut, ein regionales Ökobier zu kreieren. Und Landrat Florian Töpper pflichtet bei: "Das ist was anderes wie ein Global Player. Hier geht es nicht nur um den Absatz, sondern um das Produkt." Die Bedeutung der Vernetzung von Ökobetrieben, wie sie in der Ökomodellregion Oberes Werntal erfolgt, unterstreicht Ökomodellregion-Managerin Anna-Katharina Paar.

Mittlerweile gibt es in Bayern 27 solcher Ökomodellregionen. Sie haben das Ziel, eine regionale Wertschöpfungskette aufzubauen. "Das erhält Arbeitsplätze und gibt dem Verbraucher die Chance, mit dem Kauf von Bioprodukten zum Handelnden zu werden", sagt Paar. Allianzsprecher Anton Gößmann freut sich deshalb, mit dem Obbacher Ökobier einen Fuß zur Tür ins Schweinfurter Oberland zu setzen. "Wir haben schon einen hohen Bioanteil in der Region, aber wir können noch mehr erreichen", ist er überzeugt, dass das Guts Bier eine "Strahlkraft" auch über Schweinfurt hinaus haben wird.

Die Mälzerei Schubert versteht sich dabei als Impulsgeber in der Region, so Seniorchefin Susan Schubert. "Ich bin glücklich, dass meine Tochter dieses Projekt angenommen hat. Das ist ein Meilenstein für unsere Mälzerei." Irene Spiegel