Der Einzelhandel in Bad Kissingen steht gar nicht so schlecht da. Eine Studie des Zentrums für Regionalforschung an der Uni Würzburg im Auftrag der IHK belegt das.

Allerdings könnte sich an der örtlichen Einzelhandelslandschaft in naher Zukunft einiges ändern. Die Zahl der inhabergeführten Geschäfte, bei denen in den nächsten Jahren eine Schließung ansteht, ist nach der Studie mit rund 27 Prozent recht hoch. Häufigster Hintergrund ist dabei, dass die Betreiber in Ruhestand gehen. Insofern werde sich "im Zuge des demografischen Wandels das Bild der Stadt verändern", zitiert die IHK Professor Jürgen Rauh. Er berichtete vor einigen Wochen vor dem Gremialausschuss Bad Kissingen der Industrie- und Handelskammer über die Studie.

Die innerstädtische Verkaufsfläche des Einzelhandels wird für Bad Kissingen insgesamt als gut bewertet. "Auch der Anteil derjenigen Unternehmen, die den Onlinehandel zur Verbreiterung des eigenen Dienstleistungssortiments nutzen, ist in Ordnung", erklärte Rauh dem regionalen Gremialausschuss.

Eine Befragung unter Einzelhändlern ergab für Bad Kissingen eine ausgesprochen hohe Zufriedenheit mit der Passantenfrequenz. 9,2 von zehn Punkten vergaben die Kissinger hier. Das ist mit Abstand der Spitzenwert im Vergleich der unterfränkischen Mittelzentren. Gemünden, Gerolzhofen und Karlstadt, zum Beispiel, blieben sogar deutlich unter fünf Punkten. Das vorhandene Angebot an der Peripherie sehen Einzelhändler aber auch in Bad Kissingen als Gefahr für die innerstädtische Entwicklung.


Parkflächen zu weit entfernt?

Spitzenwerte im Konzert der unterfränkischen Mittelzentren erzielt die Kurstadt laut Einschätzung der befragten Einzelhändler auch bei Kriterien wie den Leerständen im Umfeld der Geschäfte, der Sichtbarkeit des Ladens und der Attraktivität der Nachbarschaft. Auf dem vorletzten Platz der Tabelle landete Kissingen im Rahmen der Befragung dagegen beim Thema Entfernung zur nächsten Parkmöglichkeit. Schlechter schnitt hier nur noch Bad Neustadt ab.

Beim Blick auf ihre künftigen Umsätze allerdings gehören die Kissinger Einzelhändlern zu den weniger optimistischen in den unterfränkischen Mittelzentren. 39 Prozent der Kissinger Geschäfte gehen davon aus, dass ihre Umsätze in den nächsten fünf Jahren stagnieren. Noch pessimistischer sind lediglich ihre Kollegen in Marktheidenfeld und Karlstadt. Überhaupt, so die Studie, schätzen Filialbetriebe ihren Umsatz für die nähere Zukunft grundsätzlich optimistischer ein als die befragten Einzelbetriebe.

Befragt worden sind Einzelhändler im Rahmen der Studie auch, welche Themen zur Entwicklung des Einzelhandels vor Ort aus ihrer Sicht wichtig sind. In Bad Kissingen ragt dabei nur ein Thema heraus: Attraktivere Innenstadt und Fußgängerzone heißt es. Ein Zeichen dafür, dass etliche Geschäftsinhaber durchaus Hoffnung in die seit Jahren von der Stadt geplante Neugestaltung der Fußgängerzone setzen.

Gefragt, von welchen Veranstaltungen in der Stadt ihre Geschäfte profitieren, verwiesen etwa gleich viele Kissinger Einzelhändler auf den Kissinger Sommer, auf Seminare und Tagungen sowie auf verkaufsoffene Sonntage.


Öffnungszeiten im Mittelfeld

Was die eigenen Beiträge zum Geschäftserfolg angeht, fallen Kissingens Einzelhändler nicht aus dem unterfränkischen Rahmen. Bei den Öffnungszeiten, zum Beispiel, bewegen sie sich ziemlich im Mittelfeld.