Wenn es bei Stehempfängen eine Tagesordnung gäbe, dann hätte es für den Empfang der Stadt Bad Kissingen zum Abschluss des Kissinger Sommers im Weißen Saal eine solche mit genau zwei Punkten gegeben: Natürlich Verschiedenes - darunter fallen Gespräche und Büffet - und davor: "Verabschiedung von Intendantin Dr.
Kari Kahl-Wolfsjäger nach 34-jähriger Tätigkeit für die Stadt Bad Kissingen". Es war ihr Abend, auch wenn natürlich in alle Richtungen gedankt wurde -insbesondere den Gründervätern.
Sie sei die "Mutter des Festivals", sie könne zufrieden sein mit der Vergangenheit und einer stabilen guten Zukunft, meinte Oberbürgermeister Kay Blankenburg. Schließlich habe sie neue Künstler entdeckt und arrivierte an den Kissinger Sommer gebunden. Das sei gelungen mit dem "Wolfsjäger'schen Künstler-Umgangsstil". Blankenburg gab nicht nur einen kurzen Lebenslauf und erinnerte daran, dass die Gründung des Kissinger Sommers die erste, aber nicht die einzige von Kari Kahl-Wolfsjäger war: Kunstfest Weimar, Leitung Beethovenfest Bonn, Beethoven-Osterfestival Krakau, Kissinger Winterzauber und Alpenklassik Bad Reichenhall. "Ich möchte Kari Kahl-Wolfsjäger für ihre großartigen Verdienste um die Stadt danken von meiner Seite, im Namen des Stadtrates, der Bevölkerung und der unzähligen Fans."
"Frau Dr. Kari Kahl-Wolfsjäger hat mit diesem Festival eine Marke auf der Kulturlandkarte Europas geschaffen, von der das bayerische Staatsbad Bad Kissingen und die Stadt profitiert haben und immer profitieren werden." Und er fragte: "Was wären unsere prächtigen Räumlichkeiten ohne Ihre Musik und den Kissinger Sommer? Dank und großen Respekt vor Ihrer Lebensleistung." Und er wollte sich den Hinweis nicht versagen: "Wir brauchen ein gutes Hotel."


"Eine zweite Heimat"

"Was bedeutet das Festival für mich und meine Frau Angela?" fragte Lawrence Foster: "Seit 1987, als wir das erste Mal da waren, war Bad Kissingen ein ,home away from home', eine zweite Heimat." Hier konnte man abseits der Hektik so viele Musiker treffen - vor allem im Steigenberger: "Ich hoffe auf Ersatz". Aber Foster wurde sofort wieder persönlich: "Kari hat immer Zeit für jeden gehabt, beim Essen, Diskutieren oder Tratsch. Und er erinnerte an Werner Kahl, "einen fabelhaften Menschen, der Teil des Lebens in Bad Kissingen war." 30 Jahre hätten die Fosters eine Familie in Bad Kissingen gehabt: "Die Stadt ist ein Paradies in Deutschland."
Staatssekretär a. D. Eduard Lintner, einer der Gründerväter des Festivals, erinnerte an das Zustandekommen des Festivals, an die erste Begegnung mit der Kulturjournalistin Kari Steff-Wolfsjäger, die für "Capital" schrieb und die ihm empfohlen worden war. Er dankte ihr für die Übernahme der Aufgabe, "ein neues klassisches Festival in dem Kissinger Musiktempel zu etablieren und die Säle für uns wieder erlebbar" zu machen. Es sei ihr nicht nur gelungen, "ein spektakuläres Angebot an Künstlern" (Götz Friedrich) nach Bad Kissingen zu holen, sondern auch einflussreiche Kuratoriumsmitglieder und Sponsoren zu rekrutieren: "Du hast dir mit dem Kissinger Sommer ein Denkmal gesetzt, das Bestand haben wird."


Auch optische Marken gesetzt

Martha Müller, Schatzmeisterin des Fördervereins Kissinger Sommer, machte sich kurz und bündig zur Sprecherin der Mitglieder: "Ich sage danke für viele wunderbare Konzerte." Die Urkunde für die Ehrenmitgliedschaft habe der Vorstand bereits am Vorabend überreicht.
Staatssekretärin Dorothee Bär, die designierte Kuratoriumsvorsitzende, war der scheidenden Intendantin zu Ehren mit Hut gekommen. Die habe in den letzten 30 Jahren schließlich nicht nur musikalische, sondern auch optische Marken gesetzt: "Sie war ein Mensch, der immer an Menschen interessiert war, der sich auch die größte Kleinigkeit gemerkt hat. Und sie hat uns in den letzten 30 Jahren die Liebe zur Musik beigebracht." Da sei es gut, dass sie jetzt nach München geht, "um auch den Oberbayern die Hochkultur näher zu bringen. Wir sind stolz auf dich."
Die allseits so Gewürdigte machte es kurz. Sie hatte aus Italien mehrere Flaschen Olivenöl (extra vergine) mitgebracht, die sie an den OB, Eduard Lintner, Karin Renner, Martha Müller sowie Thomas Lutz und Erna Buscham vom Kissinger-Sommer-Büro verteilte. "Ich hätte gerne auch den Gerhard Glöckler hier gehabt", sagte sie. Dann war der Weg frei zum Büffet.