Das gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Leben kam im vergangenen Jahr der Pandemie auch im Landkreis teils komplett zum Erliegen. Der Blick zurück zeigt unter anderem auch, was kommunalpolitisch, vor allem vom Landkreis, gestemmt werden musste. Und dann gab es auch kleine gesellschaftliche Lichtblicke.

Im Januar 2020 ist das Coronavirus zwar schon Thema im Landkreis, doch so recht will noch niemand an eine Pandemie glauben, wie ein Blick ins Archiv dieser Redaktion deutlich macht. Deshalb finden es viele noch merkwürdig, dass Ende des Monats der Mundschutz in den Bad Kissinger Apotheken ausverkauft ist. Die erste Corona-Infektion im Landkreis wird am 5. März publik: Ein 26-Jähriger kommt aus dem Italienurlaub zurück und wird positiv getestet.

Am 12. März meldet das Bad Kissinger Landratsamt, dass zwei weitere Italien-Reiserückkehrer corona-positiv sind. Am 16. März wird in Bayern zum ersten Mal der Katastrophenfall ausgerufen (bis 16. Juni).

Achtjährige näht Mundschutz

Die Führungsgruppe Katastrophenschutz nimmt im Landratsamt ihre Arbeit auf. Auch im Landkreis müssen, wie überall in Bayern, Schulen und Kindergärten schließen. Geschäfte verriegeln die Türen. Restaurants und Kneipen dürfen kurzzeitig nur noch bis zum Nachmittag öffnen. Die Wirtschaft im Kreis wird zum ersten Mal schwer gebeutelt. Zu diesem Zeitpunkt werden unzählige Veranstaltungen im Kreis abgesagt.

Ab 22. März (bis 4. Mai) tritt in Bayern der erste Lockdown in Kraft. Ende März rüsten sich im Landkreis erstmals Ärzte für Corona-Tests im Freien. Aber auch das bringt die Corona-Pandemie hervor: Es bilden sich überall im Landkreis Hilfsinitiativen für Senioren, unter anderem in Ebenhausen, Bad Bocklet, Oberthulba, Rothhausen und Bad Brückenau.

Ein weiteres Zeichen der Solidarität: An den Sonntagen wird, während des Lockdowns, in verschiedenen Kommunen (unter anderem in Münnerstadt, Garitz und Seubrigshausen) vor den Haustüren und auf Balkonen Musik gemacht.

Ab 26. März ist die Corona-Teststrecke in Oerlenbach in Betrieb. Schutzkleidung, Gesichtsmasken und Testkits werden allmählich vom Freistaat an hiesige Krankenhäuser und Arztpraxen verteilt. Intensiv diskutiert wird auch im Landkreis über den Mangel an Schutzmasken für die Bevölkerung. Unternehmen und Privatpersonen aus der Region nähen spontan selbst Mund-Nasen-Schutz. Darunter ist auch die achtjährige Alya d'Angelo aus Reiterswiesen, die auf ihrer kleinen Nähmaschine Masken für die Feuerwehr näht.

In der IT-Abteilung des Landratsamts wird die Idee geboren, mittels 3-D-Drucker Face-Shields zu produzieren. Im Dezember stellt man dort auch einen Software-Roboter vor, der negative Labor-Ergebnisse von Personen, die sich auf Covid-19 testen ließen, in die Datenbank einträgt und die Leute automatisch benachrichtigt. Am 1. und 5. April berät der Corona-Gipfel im Kanzleramt über die Verlängerung des Lockdowns. Am 1. April wird bekannt, dass im Seniorenheim in Oerlenbach 19 Betreute und ein Mitarbeiter Corona haben. In den Folgetagen werden weitere positiv Getestete in dem Heim gemeldet. In den kommenden Wochen starben dort sieben Bewohner an oder mit Covid-19. Das Coronavirus dringt im April jedoch auch in andere Heime des Landkreises ein und fordert dort Todesopfer.

Anfang April wird ein Konzept für Intensivbetten in den Kliniken der Region Main-Rhön vorgestellt. Dr. Ralph Brath (Bad Kissingen) wird Versorgungsarzt für den Landkreis. Am 20. und 30. April wird vom Bund aus das Ende des Lockdowns bei Corona-Gipfeln vorbereitet.

Im Sommer bleibt die Situation entspannt

Bis Ende Mai hat sich das Infektionsgeschehen entspannt, so dass das Landratsamt sein Bürgertelefon einstellt. Auch im Sommer lässt es sich mit dem Coronavirus recht gut leben, nachdem Geschäfte und Restaurants unter bestimmten Hygienebedingungen wieder öffnen durften und man wieder verreisen kann.

Im September halten sich die Fallzahlen-Meldungen des Landratsamts noch in Grenzen. Seit Ende September spricht man im Landkreis von der 7-Tage-Inzidenz - das ist die Zahl der Fälle in einer Woche, berechnet auf 100 000 Einwohner - als kennzeichnendem Faktor für die Entwicklung der Pandemie.

Mitte Oktober zieht das Infektionsgeschehen aber auch im Landkreis wieder an. Die Bad Kissinger Gesundheitstage dürfen, unter strikten Hygienebedingungen, noch stattfinden. Ende Oktober wird das Bürgertelefon des Landkreises erneut geschaltet. Die zweite Pandemie-Welle steht offenbar bevor. Am 28. Oktober beschließen Bund und Länder einen Teil-Lockdown, der ab 2. November auch in Bayern in Kraft tritt. Am 16. Dezember wird der Lockdown light in einen harten Lockdown umgewandelt. Das bedeutet, dass auch im Landkreis das gesamte öffentliche Leben in dieser Phase wieder heruntergefahren wird. Im Dezember gehen die Corona-Fallzahlen auch im Kreis steil nach oben. Doch es gibt auch Hoffnung, denn am 21. Dezember wird der erste Impfstoff von der EU zugelassen. Impfteams beginnen am 27. Dezember im St.-Elisabeth-Heim in Bad Kissingen und im Seniorenheim Saaleufer (Bad Bocklet) mit der Arbeit. Das Kreis-Impfzentrum, das bis Mitte Dezember im Bad Kissinger Tattersall eingerichtet wurde, bleibt noch zu, weil zu wenig Impfstoff kommt.

Doch dann kommt nach Weihnachten eine schockierende Nachricht: Im Münnerstädter Seniorenzentrum St. Elisabeth gab es vor Weihnachten einen Corona-Ausbruch. Über die Feiertage waren dort Bewohner und Belegschaft auf Corona getestet worden. Das Ergebnis nach dem Fest: 51 Senioren, die dort leben, und fünf Beschäftigte bekommen positive Testergebnisse. Insgesamt starben in der Folge elf Heimbewohner an/mit Covid-19.

Während des Lockdowns startet die IHK Würzburg-Schweinfurt ein interessantes Webinar und zeigt Praxisbeispiele zur "digitalen Sichtbarkeit von Innenstädten" sowie Konzepte zur Liquiditätssicherung für Händler und Dienstleister. Denn die Krise stellt das innerstädtische Gewerbe im Lockdown inzwischen vor extreme Probleme.

Im Januar werden vom Landkreis die ersten FFP2-Masken an pflegende Angehörige und Hilfsbedürftige verteilt, denn ab 18. Januar 2021 sind diese in der Öffentlichkeit Pflicht. Am 25. Januar verteilt auch die Stadt Bad Kissingen solche Masken an alle 14 000 Haushalte.

Im Februar 2021 sind die Corona-Fallzahlen erneut rückläufig. Das Impfen geht in den vergangenen Wochen zögerlich voran. Immerhin ist das Impfzentrum nun an vier Wochentagen offen. Anfang März kommen etwa 1800 Impfdosen pro Woche hier an. Beruhigend zu wissen: Im Landkreis bleiben keine Asztrazeneca-Dosen ungenutzt liegen. Isolde Krapf