Von konventioneller Landwirtschaft mit dem Einsatz von Kunstdünger, Spritzmitteln und anderen chemischen Hilfsmitteln hat sich der Burgläurer Landwirtschaftsbetrieb Back verabschiedet und wird künftig seine Äcker ökologisch bewirtschaften. Ein Schritt, der schon länger angedacht war, wurde nun in die Tat umgesetzt.

"Ich habe selbst jahrzehntelang konventionell angebaut. Aber so kann es nicht weitergehen. Die Massenproduktion erzeugt riesige Probleme für Menschen und Natur, da sie vor allem unser wichtigstes Lebensmittel, das Trinkwasser, durch das Einbringen von Pflanzenschutz- und Düngemittel beeinträchtigt. Außerdem können durch die Überzüchtung Allergien und Unverträglichkeiten entstehen und die Artenvielfalt geht verloren. Mittlerweile möchte aber auch ein Großteil unserer Bevölkerung andere Lebensmittel - regional und ökologisch erzeugt", sieht Albert Back im ökologischen Landbau die Zukunft der Landwirtsfamilie. Das Ziel soll es sein, gesunde, geschmackvolle Lebensmittel zu produzieren, wobei gleichzeitig natürliche Lebenskreisläufe respektiert werden.

"Das Motto muss auf alle Fälle 'zurück zur Natur' lauten", erläutert Marie-Christine Back, für die ökologische Landwirtschaft eine Herzensangelegenheit ist. Künftig wird also auf chemisch-synthetische Dünge- und Spritzmittel verzichtet. Bisher wurde im Jahr drei- bis viermal gespritzt, gegen die Käferbekämpfung und Pilzbefall mussten auch chemische Hilfsmittel eingesetzt werden. Gerade beim Rapsanbau musste rund fünf Mal im Jahr gespritzt werden, das wird der Vergangenheit angehören.

"Wir werden beim Anbau künftig auf eine vielfältige Fruchtfolge setzen. Das heißt, dass jedes Jahr eine andere Frucht auf dem Acker angebaut wird. Der Stickstoff, den die Pflanze zum Wachstum braucht, wird künftig unter anderem durch den Anbau von Leguminosen (Erbsen, Ackerbohnen und kleeartige Futterpflanzen) gebildet", erklärt Albert Back.

Chance in der Selbstvermarktung

Der Ertrag der Ernte wird sich ohne den Einsatz chemischer Hilfsmittel verringern und neue Vertriebswege wollen erschlossen werden. Außerdem kommen hohe Kosten auf sie zu, dessen ist sich die Landwirtsfamilie bewusst. Dafür werden aber im Gegenzug der höhere Arbeitsaufwand und die nachhaltigere Anbauweise vom Kunden mit höheren Preisen honoriert.

Außerdem kann durch die Selbstvermarktung die Wertschätzung an den Endverbraucher weitergegeben werden. Mit einem kleinen Verkaufsstand, an dem Kartoffeln in Selbstbedienung angeboten werden, hat man bereits den ersten Schritt in diese Richtung gewagt. Diese Kartoffeln sind auch das erste Produkt, das ohne Spritz- und Düngemittel angebaut wurde und eigentlich für einige Aktionen im Rahmen der Kinder- und Jugendarbeit gedacht war.

Kartoffellese kam gut an

Denn ein weiteres Anliegen der Familie Back ist es, Kindern die natürlichen Abläufe und die Wertigkeit von Lebensmitteln bewusst zu machen. "Wir arbeiten mit unserer Grundschule, Vereinen und unserem Kindergarten zusammen, wo wir mit gemeinsamen Projekten die Kinder sensibilisieren möchten. Sie sollen lernen, wo ihre Lebensmittel eigentlich herkommen und welche Schritte vollzogen werden müssen, bis sie ihr frisches Brot beim Bäcker einkaufen können", weist Stefan Back auf sein letztjähriges Programm mit verschiedenen Getreidesorten hin.

Heuer war ein Projekt rund um die Kartoffel geplant. "Da uns die Corona-Epidemie dazwischen kam, war nicht klar, ob überhaupt etwas von den geplanten Aktionen stattfinden kann. Deshalb hatten wir die Idee mit der eigenen Kartoffellese", zeigt sich Marie-Christine Back vom Erfolg begeistert.

Das Angebot, Kartoffeln selbst zu lesen, sei ausgezeichnet angenommen worden. Selbst die Kartoffeln von der Erde aufsammeln, sich über den mehr und mehr gefüllten Korb zu freuen, lassen bei manch Älteren alte Erinnerungen aufleben. "Auch den Kindern hat es enormen Spaß gemacht, auf dem Feld herum zu hüpfen und 'Pommes Frites' mal in ihrem Urzustand kennenzulernen", erzählt Marianne Back.

Mittlerweile konnte mit der dritten und vierten Klasse der Burgläurer Grundschule doch eine Aktion auf dem Kartoffelacker durchgeführt werden. Mit Begeisterung suchten die Kinder auf dem Acker nach den Bodenschätzen. Im Anschluss kam noch der Roder zum Einsatz, der eine größere Menge Kartoffeln ans Tageslicht beförderte, sodass sich die Kinder selbst eine Tüte zusammenlesen konnten.