Die Stadtverwaltung arbeitet an der Bewerbung für die Landesgartenschau in neun oder zehn Jahren. Die Chancen für einen Zuschlag stehen laut Oberbürgermeister Dirk Vogel nicht schlecht, auch wenn die Zahl der Konkurrenten noch offen ist.

Ein erstes Konzept ist bereits erstellt und ein 15-minütiger Imagefilm aufgezeichnet. Auf Einladung der Stadt haben ihn zwei Vertreter der Landesgartenschau GmbH im Rahmen einer ersten Begehung vor rund sechs Wochen bereits angeschaut.

Durch die Resonanz der Experten sieht sich das Bewerbungsteam im Rathaus bestätigt. Die Gäste halten Bad Kissingen als Austragungsort geeignet, freut sich Vogel. Am kommenden Mittwoch soll der Stadtrat entscheiden, ob die Bewerbung weiterverfolgt wird.

Vogel: Historische Chance

Verschiedene Denkanstöße zu dem Projekt umriss Bürgermeister Dirk Vogel bei einem Gespräch im Rathaus. "Wir haben eine toll gepflegte Innenstadt, aber gleichzeitig Bereiche, wo dieses hohe Niveau nicht gehalten werden kann", beschreibt er die Lage. Diese Zonen fokussiert anzugehen, sei die historische Chance einer Landesgartenschau.

Besonderes Potenzial schreibt das städtische Bewerbungsteam dem Bereich südlich des Kurparks zu. "Bisher ist an den Tennisplätzen Schluss", beschreibt Vogel das Landschaftserlebnis für Gäste. Durch neuere Straßen und Bauten seien historische Bezüge zwischen den Anlagen gestört.

Achse von Süden nach Norden

Als Folge davon sei etwa der Park am Ballinghain so gut wie in Vergessenheit geraten. Mit der ehemaligen Stadtgärtnerei müsse etwas geschehen, und der Bereich um Schlachthof, E-Werk und Sportpark sowie das Umfeld der Eissporthalle könnten besser eingebunden werden. Im Blick sei auch die künftige Radweganbindung nach Euerdorf.

Weiterführend beschreibt der städtische Imagefilm eine Achse, die auch das Hallenbad, das ehemalige BayWa-Gelände, das Café Neptun an der Salinenpromenade, das Turniergebäude in der Au, die Untere und die Obere Saline bis durch das Kaskadental zum künftigen Naturerlebniszentrum Klaushof aufgreift.

Bei der Gartenschau gehe es nicht in erster Linie um Nutzung oder Erhalt teils maroder Gebäude. Profitieren würden diese aber dennoch, weil es leichter fallen könnte, durch die Aufwertung ringsherum Investoren und Betreiber zu finden, prophezeit Vogel. Er sieht die Möglichkeit von "Satellitenkonzepten" für Bauwerke. Dafür gebe es dann eventuell ebenfalls Fördertöpfe. Natürlich geht es auch ums Geld.

Investitionshaushalt von 10 Millionen Euro

Landesgartenschauen sehen einen Investitionshaushalt von zehn Millionen Euro vor. Bis zu vier Millionen Euro davon müsste die Stadt beisteuern, abzüglich eventuell anderer Zuschüsse.

Den größten Unsicherheitsfaktor sieht Vogel im Durchführungshaushalt. Er umfasst Eintritts- und Sponsorengelder. Um Besucherzahlen ist es dem Bewerbungsteam jedoch nicht bange. Das Bad Kissinger Gästepotenzial von 1,6 Millionen Übernachtungen in guten Jahren, davon 800.000 im Reha-Bereich, verspräche reges Interesse.

Dies seien bessere Voraussetzungen als in Schweinfurt. Die Industriestadt ist Austragungsort 2026. Sehr durchwachsen waren die Erfahrungen in Würzburg im Jahr 2018.

Sollte der Stadtrat zustimmen, müsste bis Anfang April 2022 eine detaillierte Bewerbung unter Einbeziehung eines Landschaftsarchitekten und der Bevölkerung erstellt werden. Dann käme noch im selben Jahr eine Delegation, um über den Zuschlag für 2030 oder 2031 zu entscheiden.

Stadt könnte Vorhaben noch stoppen

Rund 90.000 Euro will sich die Stadt ihre Bewerbung kosten lassen. "Sollte sich in drei bis vier Jahren herausstellen, dass das auch durch die Folgen von Corona nicht leistbar ist, können wir es auch noch stoppen", ist Vogel überzeugt. Die Ausgangslage sei anders als 1996. Damals hatte sich die Stadt unter Bürgermeister Christian Zoll vergeblich beworben. Dieses Mal gehe es um mehr als Ja oder Nein.

Auch falls Bad Kissingen nicht zum Zuge käme, würde die Stadt von dem erarbeiteten Konzept profitieren. In verschiedenen Bereichen müsse sowieso etwas gemacht werden, ist Geschäftsleitender Beamter Gerhard Schneider mit Blick auf Ballinghain und alte Stadtgärtnerei überzeugt.

Gleichzeitig warnt Bürgermeister Vogel vor falschen Vorstellungen. "Es geht nicht darum, die Stadt noch bunter zu machen oder eine weitere Party zu feiern."

Vielmehr sollten Werte für kommende Generationen geschaffen werden. Zusammen mit der Ernennung zum Weltkulturerbe könnte Bad Kissingen zu einem leuchtenden Stern ganz Nordbayerns werden. Die nächste Landesgartenschau in der weiteren Region steht übrigens 2023 an. Dann ist Fulda Ausrichter der hessischen Version. Wolfgang Dünnebier