Es ist eine verfahrene Situation. Sylvia Jung aus Bad Kissingen hatte bereits am Samstag in einem Leserbrief auf das Problem aufmerksam gemacht. Seit dem 9. Dezember müssen sich Besucher von Seniorenheimen einem Schnelltest unterziehen. Sie finden aber niemanden, der den Test durchführt. Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen können das nicht leisten. Auch die Münnerstädterin Claudia Koch verweist auf die großen Probleme, die sie hat, wenn sie ihren Vater besuchen will.

"Ein Schnelltest darf nicht älter als 24 Stunden sein", sagt sie. Dafür müsse man auch noch 28 Euro bezahlen. Ein "normaler" Test auf der Strecke in Oerlenbach ist 72 Stunden gültig. Es sei allerdings nicht sicher, dass das Ergebnis rechtzeitig bekannt wird. Also bleibe nur der Schnelltest. Aber sie weiß nicht, wo sie den Test machen lassen kann. "In Münnerstadt habe ich keinen Arzt gefunden", sagt sie.

Nicht genug Tests

Allgemeinmedizinerin Dr. Gertrud Kuchler bestätigt, dass sie Altenheimbesucher nicht testen kann. "Wir haben zu wenig Tests", sagt sie. Schnelltest werden in ihrer Praxis für Pflegekräfte und das eigene Personal gemacht. Es seien einfach nicht genügend Test vorhanden, bittet sie um Verständnis.

Eigentlich, so war es vorgesehen, sollten die Altenheime die Tests für die Besucher machen. Diese haben aber sowieso schon mit der besonderen Situation zu kämpfen und können diese zusätzlichen Aufgaben nicht auch noch leisten. "Manche habe schon ganz geschlossen für Besucher", sagt Claudia Koch und verweist auf das Juliusspital in Münnerstadt, das von der Carl-von Heß'schen Sozialstiftung geführt wird.

"Das stimmt", sagt Stiftungsvorstand Marco Schäfer. Damit beschreibt er allerdings die Ist-Situation. Natürlich könnten auch jetzt angemeldete Besucher kommen, wenn sie einen Schnelltest vorlegen, der nicht älter als 24 Stunden ist. Er weiß aber ganz genau, dass das kaum jemanden gelingt, weshalb die Häuser der Stiftung tatsächlich derzeit nicht besucht werden können. Wie andere auch. "Wir müssen ja unsere Angestellten zweimal in der Woche testen", erinnert Marco Schäfer an die Vorgaben. Bei 500 Mitarbeitern sind das 1000 Test pro Woche. Er habe für die Organisation der Schnelltests ein Team zusammengestellt. "Mit großer Anstrengung haben wir es geschafft, diese 1000 Test zu leisten." Er sieht die Häuser allerdings nicht in der Lage, auch noch die Besucher zu testen.

"Es ist mir ein großes Anliegen, dass die Bewohner von ihren Angehörigen besucht werden können", betont der Stiftungsvorstand. Aber die neue Verordnung sei eine rote Ampel, über die man nicht gehen dürfe. Man müsse sich einmal vorstellen, was passiert, wenn ein ungetesteter Besucher Corona in ein Altenheim bringt. "Ich möchte das nicht ausbaden", sagt er.

Claudia Koch wollte eigentlich ihren Vater am 18. und am 24. Dezember im Altenheim in Würzburg besuchen. Den 18. hat sie schon gestrichen, für Heiligabend hat sie eine private Lösung gefunden: "Meine Tochter ist Ärztin und bringt einen Schnelltest mit", sagt sie. Das ermöglicht zwar ihr den Besuch, aber sie denkt an die vielen Angehörigen, die diese Chance nicht haben. Es bestehe da wirklich dringender Handlungsbedarf.

Und es ist Hilfe in Sicht. "Wir haben festgestellt, dass die Häuser kurzfristig vor unlösbaren Aufgaben stehen", sagt Landrat Thomas Bold (CSU). Deshalb habe sich die Landkreisverwaltung entschlossen, die Häuser zu unterstützen. Der Landkreis werde diese Aufgabe nicht dauerhaft übernehmen. Vor allem an den kommenden Feiertagen gebe es ja ein großes Bedürfnis, die Angehörigen in Pflegeheimen und Behinderteneinrichtungen zu besuchen. "Wir wollen da humanitäre Hilfe leisten", so der Landrat.

Um die Häuser zu unterstützen, sollen Bürger, welche ihre Angehörigen in den Einrichtungen besuchen möchten, ab Freitag, den 18. Dezember, die Möglichkeit haben, sich an einer zusätzlichen Corona-Teststrecke des Landkreises Bad Kissingen mittels eines Schnelltests nach vorheriger Terminvereinbarung kostenfrei testen zu lassen. Es handelt sich dabei um eine von der Heimaufsicht des Landkreises angebotene humanitäre Leistung, bei der sie von der Ortsgruppen Bad Kissingen und Hammelburg der DLRG und dem Kreisverband Bad Kissingen des Bayerischen Roten Kreuzes unterstützt wird.

Jeweils am Montag, Mittwoch und Freitag werden in der Zeit von 17 bis 19 Uhr Termine vergeben. Testort wird der Tattersall in Bad Kissingen, Reithausplatz 2, sein. Dort ist auch das Impfzentrum des Landkreises, welches aber aktuell noch nicht in Betrieb ist. Die Verantwortlichen bitten darum, dass sich die zu Testenden erst um einen Besuchstermin in der Einrichtung kümmern, sodass es nicht zu Mehrfachtestungen oder unnötigen Testungen kommt. Denn die Schnelltests haben nur eine Gültigkeit von 48 Stunden

Termin vereinbaren

Die Terminvereinbarung für die Schnelltest-Strecke funktioniert entweder über ein Onlinetool über die Homepage des Landkreises Bad Kissingen unter www.landkreis-badkissingen.de/coronavirus oder telefonisch während der Öffnungszeiten des Landratsamtes unter Tel.: 0971/ 801 1005.

Ob sich die Einrichtung, die die Bürger besuchen wollen, im Landkreis Bad Kissingen oder einem anderen Landkreis befindet, ist dabei nicht wichtig. Auch Bürger aus anderen Landkreisen, die eine Einrichtung im Landkreis Bad Kissingen besuchen wollen, können sich hier testen lassen. Bis das Testergebnis nach der Testung vorliegt, dauert es etwa 30 bis 45 Minuten. Solange müssen die Besucher an der Teststrecke verweilen. Dann erhalten sie eine Bescheinigung, welche dann der entsprechenden Einrichtung am Besuchstag vorgezeigt werden kann.

"Wir, als Landkreisverwaltung, haben die Not des Pflege- und Verwaltungspersonals in unseren Einrichtungen schnell erkannt, als die Änderung in der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung kam und sofort an einer Lösung gearbeitet, wie wir die Menschen vor Ort unterstützen können. Ein großes Dankeschön an die Ortsverbände Bad Kissingen und Hammelburg der DLRG und an den Kreisverband Bad Kissingen des Bayerischen Roten Kreuzes, die uns bei den Schnelltests tatkräftig unterstützen", erklärt Thomas Bold.

Wann getestet wird

Die Testungen sollen zunächst in dem Zeitraum vom 18. Dezember bis einschließlich. 8. Januar stattfinden. Am 24., 25., 26., 31 und Dezember sowie am 2. Januar wird die Teststrecke ebenfalls geöffnet. Dann in der Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittags. Am 25. Dezember finden dadurch dann am Abend keine Testungen statt, da hier bereits am Vormittag getestet wird. Weiter Termine können folgen. Wer am Testtag Krankheitssymptome aufweist, wird gebeten, den Termin telefonisch oder per E-Mail abzusagen.