"Mal sehen, was da rauskommt", - mit diesen Worten endete das Interview, in dem der Musiker Michael Hilbel im November vergangenen Jahres seine Situation mitten in der Corona-Pandemie geschildert hatte. Seitdem ist viel passiert, der gebürtige Hammelburger ist seinem Ziel, sich beruflich breiter aufzustellen, ein großes Stück nähergekommen. Das Zertifikat, das ihn als Audio Assistant ausweist und das er sich während der zurückliegenden Monate per Fernstudium im Hofa College im Baden-Württembergischen Karlsdorf erworben hat, markiert aber nur den ersten Schritt.

Weiterbildung im Blick

Hilbel verdiente vor der Pandemie einen guten Teil seines Unterhalts als Bassist von Partybands, ist sonst aber musikalisch sehr breit orientiert und hat auch eine eigene Band namens "Michael Hilbel's Globalplayer", die Weltmusik mit fernöstlichem Touch spielt. Im März vorigen Jahres hatte der Autodidakt, der nie Instrumentalunterricht genommen hat, seinen letzten bezahlten Auftritt.

Mit dem Beginn der Corona-Pandemie war Schluss. Nichts geht mehr seitdem für Musiker, Schauspieler und andere Kunstschaffende, die davon leben, auf Bühnen zu stehen und andere zu unterhalten. Zum Überleben in der ersten Zeit half unter anderem eine Spendenaktion in eigener Sache und eine Künstler-Hilfe des Staates. Als aber immer mehr Aufträge storniert wurden und absolut kein Land mehr in Sicht war, entschloss sich der Vater eines 13-jährigen Sohnes schließlich Anfang Oktober dazu, Grundsicherung (Hartz IV) zu beantragen. Auch, um eine Weiterbildung zum Tontechniker und Musikproduzenten finanziert zu bekommen.

Die Beantragung entpuppte sich als kein leichtes Unterfangen, wie sich zeigte. Das Job-Center habe immer mehr Unterlagen gefordert. Unterstützung erhoffte Hilbel sich, indem er das Interview an alle möglichen Landes- und Bundespolitiker schickte. "Dann ist plötzlich alles ganz schnell gegangen", sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion. Unterhalt und Fortbildung wurden zunächst für ein halbes Jahr bewilligt.

Die erste Prüfung auf dem Weg zum "Audio-Engineering Diploma", wie die Ausbildung offiziell heißt, die zum Bachelorstudium an einer Londoner Hochschule berechtigt, hat er jedenfalls schon mal in der Tasche. Dazu sollte er aus rund 30 Tonspuren mit jeweils einzelnen Instrumenten und Mikrophon-Aufnahmen einen möglichst perfekten Sound mixen.

Professionelles Aufnehmen, Produzieren, Mischen und Mastern sind die Inhalte des Studiums. Hilbel sieht darin eine gute Voraussetzung, um auf diese Weise Musikproduktionen für andere zu erstellen. Kunden können mit ihren musikalischen Ideen an ihn herantreten und er sorgt dann für die individuelle technische und musikalische Umsetzung. Möglich wäre es daneben auch, Musik für Werbung, Computerspiele, Filme oder anderes zu komponieren.Auftritte sind nach wie vor nicht in Sicht. "Es gibt den Trend, alles, was auf 2021 verschoben war, noch einmal auf nächstes Jahr zu verschieben, allerdings ohne festes Datum", zeigt sich der 52-jährige Musiker ratlos. "Was will man da planen?" Als etwa Ende März bei günstigen Voraussetzungen in der Disharmonie in Schweinfurt ein Konzert stattfinden sollte, war die Vorbereitung schwierig, weil bis drei Tage vor dem Termin nicht klar war, ob er stattfinden konnte. Aus dem Auftritt wurde natürlich nichts, auch weil die Inzidenzwerte wieder in die Höhe geschnellt waren.

Auch wenn er jetzt entspannter in die Zukunft schaut, das Zusammenspiel mit anderen Musikern und die Auftritte vor Publikum fehlen ihm doch arg. Von jetzt auf nachher einen Auftritt zu spielen sei gar nicht so einfach möglich, weil die Bands schon so lange nicht mehr miteinander geprobt haben, sagt Hilbel, dem nicht anderes übrig geblieben ist, als alleine zu üben. Um so glücklicher ist er, den Stillstand in der Pandemie mit der Tontechniker-Ausbildung sinnvoll zu nutzen.

Ein Artikel von Michael Petzold.