"Es war Wahnsinn! Wir dachten, wenn 200 Leute kommen, ist das schon viel. Aber dann waren rund 500 Leute da. Wir mussten mehrfach Steaks und Bratwürste nachordern." Die Begeisterung von Stadtbrandinspektor Harald Albert über den starken Zuspruch am Tag der offenen Tür in der Bad Kissinger Feuerwache ist nicht zu überhören. Denn schließlich zeigt eine solche Resonanz ja auch, dass die Arbeit der Feuerwehrleute anerkannt wird - ja, dass die Bevölkerung voll hinter der Wehr steht.

Nicht nur die schweren Einsatzfahrzeuge und Drehleitern der Wehr kamen bei Groß und Klein sehr gut an. Gezeigt wurde zudem, wie die neue Drohne genauestens über das Brandgeschehen am Boden Aufschlüsse geben kann, sagt Albert am Sonntag im Gespräch mit dieser Redaktion. Egal ob am Stand des Deutschen Wetterdienstes das Neuste zum Thema Umwelt, Klima und Unwetter dargelegt oder am Stand der Polizei das Anschnallen demonstriert wurde, die Besucherinnen und Besucher waren mit Interesse dabei.

Die Einsatzkräfte von Bergwacht und dem privaten Rettungsdienst RKT hatten je ein Fahrzeug platziert und standen für Fragen zur Verfügung. Aber auch das Rote Kreuz gab gern über seine Arbeit Auskunft. Spannend war, laut Albert, auch der Rundgang durch die Feuerwache selbst. Danach konnte man sich vorstellen, wie so eine Funk-Einsatzzentrale funktioniert und was alles in der Atemschutz-Werkstatt vorgehalten werden muss, damit die Atemschutzträgerinnen und -träger im Ernstfall bestens ausgerüstet in ihre Einsätze gehen können.

Die Kinder staunten nicht schlecht, als sie das viermal zwei Meter große Lego-Feuerwehr-Land sahen, das einer aus der Feuerwehr zu Hause hobbymäßig zusammenbaute. Dort war die Spielzeug-Feuerwehr gleich mehrfach im Einsatz und es gab unter anderem Windräder, Schiffe und Kräne zu sehen. Aber auch die Erlebnis-Hüpfburg, die vom Feuerwehrstandort Halle angefordert worden war, sorgte bei den Mädchen und Buben für großes Aufsehen, erzählt der Stadtbrandinspektor.

Kinderfeuerwehr präsentiert sich

Apropos Kinder: Seit gut einem Jahr gibt es, nach Alberts Angaben, in der Stadt auch eine Kinderfeuerwehr. Die Mädchen und Buben zeigten bei einer Löschübung, dass man später mal bei Einsätzen mit ihnen rechnen kann. Zehn Kinder kommen derzeit bei der Stadtfeuerwehr einmal im Monat zusammen, um sich von den Großen etwas abzuschauen und selbst mal Hand anzulegen. Albert findet das prima, denn schließlich sind die kleinen Helferinnen und Helfer später mal die großen Einsatzkräfte von morgen. Was ihn besonders freut: Vier Kinder haben einen Antrag auf Mitgliedschaft mit heim genommen.

Hohe Motivation bei den Wehrleuten

Die Feuerwehr der Kernstadt zählt aktuell 70 aktive Männer und Frauen. Der Verein hat rund 200 Mitglieder. Und wie steht's mit der Motivation der Truppe? "Kein Thema", sagt Albert und meint damit, dass alle "begeistert dabei" sind - und das auch bei Aktionen außerhalb des Notfall-Geschehens.

Eine derart motivierte Truppe anzuführen, macht offensichtlich auch Spaß, wie im Gespräch mit dem Stadtbrandinspektor klar wird. Albert selbst kam 1975, mit 15 Jahren, zur Feuerwehr. Ab 1991 war er Stellvertreter des Stadtbrandinspektors, 2003 übernahm er das Amt des Stadtbrandinspektor selbst. "Eigentlich wollte ich es jetzt gar nicht mehr weiter machen", sagt er zu seiner Wiederwahl im letzten Jahr. Aber dann hätten ihn die Kameradinnen und Kameraden doch überredet, noch sechs Jahre anzuhängen.

Dass er noch dabeiblieb, hat wohl auch damit zu tun, dass Albert weiß, wie wichtig die Feuerwehr ist - und das "in allen Bereichen", wie er sagt. Als Beispiel nennt er das Thema Umwelt- und Wetter-Ereignisse. "Diese Einsätze kommen immer häufiger." Im vergangenen Jahr habe man bei der Stadtfeuerwehr zum Beispiel nur wenige Flächen- oder Waldbrände verzeichnet. Dieses Jahr hätten diese Einsätze stark zugenommen.Isolde Krapf