Die Polizeiinspektionen in Bad Kissingen, Hammelburg und Bad Brückenau sowie die Verkehrspolizei Schweinfurt-Werneck haben ihre Verkehrsbilanzen für das Jahr 2021 vorgelegt. Und es gibt gute Nachrichten. Zwar zeigt der langjährige Vergleich, dass die Verkehrsunfallzahlen im Landkreis Bad Kissingen stetig gestiegen sind. Im Jahr 2020 kam dann wegen der Pandemie und dadurch weniger Verkehrsaufkommen die Trendwende. "Erfreulich ist, dass im Jahr 2021 trotz einer deutlichen Zunahme des Straßenverkehrs, die Unfallzahlen auf dem niedrigen Niveau geblieben sind", bilanziert Polizeioberkommissar Florian Heuring, der bei der Polizeiinspektion Bad Kissingen für den Verkehr im Landkreis zuständig ist.

Die Anzahl der Verkehrsunfälle mit verletzten Menschen fiel zum Beispiel im Bereich Bad Kissingen weiter auf 283 (295). Allerdings starben 2021 landkreisweit fünf Menschen, zwei davon im Bereich der Polizeiinspektion Bad Brückenau. Dort sind denn auch die Gesamtunfallzahlen um zwölf Prozent gestiegen, die Unfälle mit Verletzten um 20 Prozent und auch die Zahl der Verletzten ging hoch. Die Zahl der Schwerverletzten hat sich hier gar fast verdoppelt, wie aus dem Bericht von Polizeihauptkommissar Klaus Wiesler hervorgeht. Auch für den Bereich Hammelburg berichtet Ralf Peter, Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizeiinspektion Hammelburg, von einem leichten Anstieg der Unfälle.

Bußgeld wurde erhöht

Die häufigste Unfallursache liegt im Landkreis Bad Kissingen bei Fehlern beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren. "Gerade die Ursache Abbiegen, führt meist zu schweren Unfallfolgen", so Heuring. Hier hat der Gesetzgeber das Bußgeld auf 170 Euro erhöht. Außerdem droht nun ein einmonatiges Fahrverbot. Fehlender Sicherheitsabstand führt am zweithäufigsten zu einem Unfall.

Um so erfreulicher sind die Zahlen bei den Radfahrunfällen. Während sich die Unfallzahlen in den drei Jahren zuvor noch verdreifacht hatten, halbierten sie sich letztes Jahr. "Das ist sehr erfreulich", kommentiert Heuring. Er könne sich das nur so erklären, dass sich die Rad-Nutzung im Coronajahr eingespielt hat. Das Freizeitverhalten habe sich mit Corona massiv verändert, viele Menschen seien aufs Rad oder auch Pedelec umgestiegen. Das habe die Unfallzahlen zunächst in die Höhe getrieben.

Daraufhin habe man bei der Polizei den Schwerpunkt auf Radfahrer gesetzt, so Heuring. Es gab Präventionsaktionen und zwei Schwerpunkttage mit Kontrollen. Auch heuer werde die Aktion "Kopfentscheidung" - eine Präventionskampagne des Polizeipräsidiums Unterfranken - fortgesetzt, bei der lokale Promis wie Komiker Michel Müller und _Bauchredner Sebastian Reich ("Amanda") für das Tragen eines Helms werben. Heuring macht deutlich: Der Helm ist immens wichtig. Zwölf der 31 verunglückten Fahrrad- und Pedelecfahrer (etwa 30 Prozent) im Bereich Bad Kissingen trugen keinen Helm. Davon wurden sechs schwer verletzt. Der Anteil der schwer verletzten "Helmträger" lag hingegen nur bei zwei.

Die Anzahl der Radfahrunfälle und der dadurch verletzten Personen fiel in Bad Kissingen um 53 Prozent. Bei 18 (38 im Jahr 2020) Verkehrsunfällen mit Beteiligung eines Radfahrers wurden vier (zwölf) Personen schwer und zwölf (22) leicht verletzt. Bei der Hälfte der Unfälle stürzte der Radfahrer alleinbeteiligt.

Auch in Bad Brückenau ist die Entwicklung bei den Unfällen mit der Beteiligung von Fahrrad- und Pedelec-Fahrern (umgangssprachlich E-Bike) positiv. 2021 kam es lediglich zu sechs (13) Unfällen, bei denen vier (elf) Fahrrad- und zwei (zwei) E-Bike-Fahrer beteiligt waren. Hierbei wurden drei (sieben) Radfahrer schwer und zwei (sechs) leicht verletzt. Die Zahl der Pedelec-Fahrer ist in den letzten Jahren gestiegen und damit häufig auch die Unfälle. In Bad Kissingen stiegen sie 2021 auf 11 (7). Es wurden 5 (5) Personen leicht und 7 (2) schwer verletzt, bei neun von elf Unfällen stürzte der/die Pedelec-Fahrer/in aufgrund eines individuellen Fahrfehlers alleinbeteiligt.

Gute Nachrichten gibt es aber auch: Es gab keine Schulwegunfälle. Und die Anzahl der alkoholisierten Fahrzeugführer, die einen Unfall verursachten, reduzierte sich um 23 Prozent.

172 bei erlaubten 100 Stundenkilometer

Dafür ist ein Anstieg von 25 Prozent bei den Geschwindigkeitsunfällen feststellbar. Auch bei den schweren Verkehrsunfällen ist die zweithäufigste Ursache zu hohes Tempo. Die Polizei Bad Kissingen maß daher zusammen mit der Verkehrspolizeiinspektion Schweinfurt-Werneck insgesamt 341 das Verkehrstempo. Dabei wurde der Gasfuß von 3376 Verkehrsteilnehmer beanstandet.

Unrühmlicher Spitzenreiter war ein Ford-Fahrer (51) zwischen Oberweißenbrunn und Wildflecken mit 172 Sachen bei erlaubten 100 km/h. Strafe: zwei Monate Führerschein weg, 440 Euro plus zwei Punkte in Flensburg.

Die Hammelburger Polizei hat 90 mal die Geschwindigkeit gemessen - mit folgendem Ergebnis: 60 Anzeigen, 68 Verwarnungen, zwei Fahrverbote.

Immer mehr Wildunfälle

Der Zahl der Wildunfälle steigt seit Jahren in allen Bereichen an. Dieser Trend zeigt sich auch im Dienstbereich der Polizei Bad Kissingen, wo es 2021 667 Unfälle (603 ) gab. Bei vier Unfällen wurden eine Person schwer und drei leicht verletzt. In Hammelburg machen Wildunfälle ein Drittel aller Unfälle aus. In den letzten Jahren hat sich ihr Anteil von 119 (2007) auf jetzt 230 massiv gesteigert. In Bad Brückenau ist die Zahl der Wildunfälle mit 242 (189) wieder auf das hohe Niveau der Vorjahre gestiegen.

Unfallbrennpunkte im Bereich Wildunfälle werden nun angegangen. Wie im Vorjahr werden zum Beispiel die Straßenränder von Büschen befreit, damit das Wild keinen Unterstand hat und vom Autofahrer rechtzeitig erkannt werden kann.

Ein Kreisverkehr soll helfen

Bei der Polizeiinspektion Hammelburg ist auf der B 287 im Bereich der Anschlussstellen zur A7 eine Unfallhäufung zu verzeichnen. Als temporäre Lösung wurde die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 60 Stundenkilometer reduziert. Als langfristige Lösung ist der Bau eines Kreisverkehrs in Planung.

Keine Toten gab es bei den Unfällen auf der A7 und A71 im Bereich Bad Kissingen, wie Erster Polizeihauptkommissar Bernhard Meyer von der zuständigen Verkehrspolizeiinspektion Schweinfurt-Werneck berichtet. Es gab jedoch 369 Unfälle auf der A7 und 56 auf der A71 mit einem Gesamtsachschaden von 2.431.000 Euro.