Wie ist Nüdlingen auf Hochwasser und Starkregen vorbereitet? Mit dieser Frage beauftragte die Nüdlinger Gemeinde vor etwa drei Jahren das Unternehmen "Tractebel Hydroprojekt" aus Weimar. Der Fachgebietsleiter für Wasserwirtschaft und Hochwasser-Risikomanagement Stefan Schmid stellte den Nüdlinger Gemeinderäten am Dienstagabend in der Schlossberghalle die Ergebnisse vor.

Bald auf der Homepage verfügbar

Die Studie zum Sturzflutenrisikomanagement soll bald auch für Bürger einsehbar sein. Sie werde "so schnell wie möglich" auf die Homepage der Gemeinde Nüdlingen eingestellt, versprach Bürgermeister Harald Hofmann (CSU). "Der Bürger kann dann nachsehen, da ist mein Haus, das ist mein Gefährdungspotenzial. Jeder kann sich Gedanken machen, wie kann ich mein Objekt schützen - das geht mit einfachen Mitteln."

Behörden wie dem Wasserwirtschaftsamt und diversen Planungsbüros liege das umfangreiche Dokument vor. "Für uns ist es das Handbuch für die Zukunft - das begleitet uns jetzt für immer", sagte Hofmann.

Wie kamen die Ergebnisse der Analyse zustande?

Mitarbeiter des Unternehmens sahen sich die Gegebenheiten vor Ort an, ließen Stellen nachmessen und sammelten Daten. "Von der freiwilligen Feuerwehr haben wir Informationen über Probleme erhalten, die in der Vergangenheit aufgetreten sind", sagt Schmid. Als Beispiel zeigte er ein Bild vom Hohlweg, der im Februar 2009 überlastet war. Zudem trugen Mitarbeiter Daten zum Gelände, Statistiken zum Niederschlag und weitere Informationen zur Bebauung und Landnutzung, zur Leistungsfähigkeit der Kanalisation und zur Entwässerung zusammen, um "ein Gesamtbild zu gewinnen".

Sie bewerteten die Hochwassergefahr, die von Bächen ausgeht, und simulierten den sogenannten "wilden Abfluss", also wie sich das Wasser beispielsweise in Mulden sammelt. Das Unternehmen markierte zudem Orte, wo es ein hohes Gefahrenpotential gebe, weil dort etwa hohe Wassertiefen und hohe Fließgeschwindigkeiten möglich seien. "Mithilfe eines Computermodells haben wir das nachgebildet", erklärt Schmid.

Simulation 100-jährliches Hochwasser

Das Szenario: Ein 100-jährliches Hochwasser. Nachteilig sei, dass die lehmigen Böden eine geringere Versickerungsfähigkeit hätten. "In der Ortslage drin und in Haard" gebe es eine "erhebliche Gefährdung."

Nüdlinger Bach, Zweigrund, Riedbachtal, Am Bödelein

Als einen der Hauptabflusswege identifizierten die Mitarbeiter des Büros etwa den Nüdlinger Bach und Zuflüsse aus dem Nordost- und südöstlichen Außengebiet. Auch Zweigrund am Schlossberg, das Riedbachtal und das Außengebiet am Bödelein nannte Schmid als Hauptabflusswege.

In Haard führte er "das enge Tal entlang der Albrecht-Merck-Straße" an, "wo wir einen großen Abfluss haben". Am Brendergraben und an der Alten Schulstraße in nördlicher Ortslage in Haard und in der südlichen Ortslage bei der Burgstraße und beim Höllweg könne sich Wasser sammeln, teils mit Wassertiefen über einen Meter. Schmid empfahl eine gezielte Abflussführung.

Eine gute Nachricht: Die Hochwassergefahr am Nüdlinger Bach sei eher gering. "Die Verrohrung hat eine hohe Leistungsfähigkeit, die kann auch ein 100-jährliches Hochwasser aufnehmen." Es gebe zwar Stellen, an denen der Bach flussauf- und abwärts über die Ufer trete, diese Überschwemmungen seien aber für die Bebauung nicht als kritisch einzustufen. Nachteilig an der "Verrohrung" des Nüdlinger Baches sei, dass das Wasser in der Talsenke nicht gut abfließe, sondern dort stehen bleibe.

Kanalisation

Die Leistungsfähigkeit der Kanalisation schätzte Schmid als begrenzt ein. "Ein drei- bis fünfjährliches Hochwasser kann sie aufnehmen, dann ist sie überlastet." Wobei er einschränkt: "Unser Schwerpunkt war nicht die Überprüfung der Kanalisation, das macht ein anderes Unternehmen aus der Region." Dass die Gemeinde einen Gewässerentwicklungsplan erstellt habe, lobte er als "vorbildlich".

Was kann die Gemeinde tun

Der Ingenieur stellte den Gemeinderäten einen Katalog an Möglichkeiten vor, was die Gemeinde zur Prävention von schlimmen Überschwemmungen tun könne. Die Gemeinde solle "Vertiefungen mit Dämmen, ähnlich einem Becken" schaffen, die das Wasser zurückhalten (auch "Rückhalt" genannt). Für das Gebiet Nüdlingen und Haard stellte Schmid zahlreiche Vorschläge für solche Rückhalte-Möglichkeiten vor. Das Büro empfiehlt bei vielen dieser Flächen, diese zwischen 50 Zentimeter und 1,15 Meter abzusenken.

Landwirte gefordert

Ein weiterer Vorschlag: "Die jetzige Bewirtschaftung sorgt dafür, dass der Regen recht schnell im Bach landet." Landwirte sollten deshalb die Felder parallel zu den Höhenlinien bewirtschaften. "Die Richtung, mit der Landwirte mit dem Traktor fahren und ihre Furchen ziehen, hat sehr großen Einfluss auf die Bewässerung eines Feldes", erklärte Schmid. Wenn sie die Furchen in Richtung Gefälle ziehen würden, führe das zu einer starken Beschleunigung des Wassers und fördere die Erosion des Bodens. "Wenn sie es quer bewirtschaften, hält es das Wasser stärker zurück."

Bürger sollten zudem Möglichkeiten der Dachbegrünung und der Regenwassernutzung berücksichtigen.

"Sturzflutmanagement ist nicht nur die Aufgabe der Gemeinde, sondern auch von jedem einzelnen Bewohner." Das Grundstück solle man so planen, dass Wasser nicht in den Keller oder ins Erdgeschoss laufe. Auch die Heizung oder der Stromverteilerkasten sollten nicht im Keller stehen. "Und wenn dann so, dass da kein Wasser dran kommt und er nicht absäuft."