Beim Spaziergang durch den Nüdlinger Naturfriedhof findet man Ruhe, einen wunderschönen Wald - und einige Erinnerungsstücke, die Friedhofsbesucher zurückgelassen haben. Mit dem Verbleib dieser Dinge im Wald sind nicht alle einverstanden.

Um den Baum ist eine schwarzes Tüllband gewickelt. An ihm hängt eine Schiefertafel, auf der zu lesen ist: "Manchmal bist du in unseren Träumen, oft in unseren Gedanken und immer in unserem Herzen." Daneben ein Bild, darunter ein Name und ein Monat. An anderen Bäumen hängen verwelkte Blumen, persönliche Notizen und von Kinderhand gebastelte Foto- und Basteleien in Form einer Blume. Das Problem: Laut Friedhofssatzung dürfte das alles nicht hier sein.

"Der gewachsene, weitgehend naturbelassene Friedhof darf in seinem Erscheinungsbild nicht gestört und verändert werden. Es ist daher untersagt, den Bestattungsplatz zu bearbeiten, zu schmücken oder in sonstiger Form zu verändern." So steht es in Paragraf 8. Grabmäler, Gedenksteine und sonstige bauliche Anlagen, Kränze, Blumenschalen, Grabschmuck, Erinnerungsstücke oder sonstige Beigaben, Kerzen, Lampen oder Anpflanzungen - alles nicht erlaubt.

Dass sich manche Trauernde nicht daran halten und die Gemeinde bisher nicht darauf geachtet hat, ob die Satzung eingehalten wird, ärgert einzelne Bürgerinnen und Bürger, die gerne dort spazieren gehen.

Bürgerinnen und Bürger ärgern sich

Eine Bürgerin aus Nüdlingen, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, sagt: "Manche kommen zur Beisetzung und waren dann nicht mehr gesehen." Die Kränze blieben ein halbes Jahr und länger liegen, obwohl die gar nicht erlaubt seien. Es fehle ein Müllbehältnis, wo man die verblühten Kränze oder die Plastikteile entsorgen könne. "Im Wald bleibt Müll und verwelkte Blumen liegen. Ich habe das bei der Gemeinde angesprochen."

Das falle nicht nur ihr auf, sondern sie höre das oft von Mitbürgern. Sie sei eben diejenige, die den Mund aufmache.

Klaus Beck (Bürgerblock) brachte das das Anliegen der Bürgerin im Gemeinderat vor. Er wies auch auf die Gefahr hin, die durch entzündete Kerzen entstehe. "Wenn da ein Windzug kommt, bei dem ganzen Laub - das ist nicht ungefährlich."

Die Gemeinderäte waren sich in diesem Punkt weitgehend einig. Leid und Tod, das sei ein sensibles Thema, findet Edgar Thomas (CSU). Man könne die Sachen nicht einfach wegwerfen. Er schlug vor, dass Bauhofmitarbeiter die Teile mitnehmen und im Bauhof verwahren.

Sebastian Schäfer (SPD) erinnerte daran, dass laut Satzung die Niederlegung von Blumen lediglich bis zu fünf Tagen nach der Bestattung gestattet sei. "Wir können uns darüber unterhalten, ob man es auf 14 Tage erweitert." Er warb für eine rigorose Abnahme.

Ähnlich äußerte sich André Iff (CSU). "Wenn ich einen Naturfriedhof habe, habe ich einen Naturfriedhof. Wenn ich damit als Trauernde nicht klarkommen, dann muss ich auf einen anderen Friedhof gehen."

Besonders ärgerlich findet Volker Schäfer (SPD) Blumengebinde mit Draht in einem Gebiet, in dem Wildtiere leben. Er sagte, die Gemeinde hätte es bisher schleifen lassen. "Wir ignorieren es, wir gehen es nicht an." Dieses Verhalten führe zu der Argumentation: "Der Nachbar macht es doch auch." Er sei der Meinung: "Jeder unterschreibt die Satzung und geht damit einen Vertrag ein." Wenn auf dem Friedhof ein Engel oder Kranz "vergessen" werde, betrachte die öffentliche Hand dies als Fundsache.

Uwe Beer (CSU) wandte ein: "Schuld sind nicht diejenigen, die das dort hinstellen." Der "schwarze Peter" liege bei der Verwaltung. Dort habe man "gepennt". Wenn nach einer Woche die Sachen vom Bauhof weggeräumt würden, sei das Thema erledigt.

Klaus Beck schlug vor, dass Betroffenen nun im April noch Zeit hätten, ihre Sachen abzuholen und von den Bäumen zu entfernen. "Ansonsten kommt es Ende April/Anfang Mai einfach weg." Die Leute könnten es im Bauhof abholen.