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Bad Kissingen
Projekt

Neue Altstadt: Wichtige Feldforschung an Bad Kissingens Auelehm-Deckel

Eine Lehmschicht im Boden liegt wie ein Schutzdeckel über dem Heilwasser. Experten forschen, wie dieser Schutz bei der Altstadtsanierung erhalten bleibt.
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Das Objekt des Interesses: Ein Batzen  von dem Lehmboden, der wichtig für die Heilquellen ist. Benedikt Borst
Das Objekt des Interesses: Ein Batzen von dem Lehmboden, der wichtig für die Heilquellen ist. Benedikt Borst
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Julian Klöffel drückt einen grauen Klumpen in der Hand. Die Finger graben sich in den feuchte, lehmigen Boden. Unter den Fingernägeln, auf der Haut: Überall bleibt die feine Erde kleben. "Das ist ein Gemisch aus ganz feinkörnigem Sand und Ton", erklärt der Bauingenieur. 0,2 bis 0,002 Millimeter im Durchmesser sind die Körner klein. Bei dem Erdbatzen handelt es sich um eine Probe des sogenannten Auelehm-Deckels. Das ist eine Bodenschicht, die auf einer Tiefe von rund vier Metern unter der Altstadt liegt. Mehr als einen Meter dick, entstand sie im Lauf der Jahrhunderte durch Flusssedimente, die sich abgesetzt haben.

Klöffel arbeitet im Tiefbaureferat und ist Teil des Projektteams, das die Altstadtsanierung plant. Die städtischen Ingenieure haben jetzt den Lehm mit Unterstützung geotechnischer Experten genauer unter die Lupe genommen. Der Boden übernimmt für die Stadt eine wichtige Funktion. "Der Auelehm-Deckel liegt als schützende Schicht direkt über den Heilquellen und dem Grundwasser. Er schützt sie gegenüber allem, was von oben kommt", sagt er. Diese Funktion dürfe nicht zerstört werden.

Um das Projekt Neue Altstadt vorzubereiten, hat der Tiefbau bereits etliche Bodenproben genommen. Allein für den Auelehm-Deckel liegen 20 bis 30 Vergleichswerte vor. Das Problem bislang: Bei den Proben handelte es sich ausschließlich um "gestörte Proben". Gestörte Proben sind nicht 100-prozentig exakt, weil die Entnahme unter nicht optimalen Bedingungen stattfindet. "Wir können nicht mitten auf dem Marktplatz oder in einer engen Altstadtgasse ein Loch graben, von der Dimension, wie wir es bräuchten", sagt Tiefbauleiter Thomas Hornung. In der Innenstadt müssen die Planer mit einer gewissen Unschärfe leben. Die ließ sich bei der jüngsten Schürfung aber ausschalten.

Forschung auf Baugrundstück

Das Grundstück von Vera Söder am Rande der Altstadt ist derzeit ohnehin eine offene Baustelle. Die Eigentümerin hat vergangenes Jahr die alten Kurpensionen an der Ecke Max- und Theresienstraße abgerissen und plant, stattdessen einen barrierefreien Wohnkomplex zu errichten. Sie hatte keine Einwände, dass die Stadt ihre Untersuchungen auf dem Grundstück vornahm. "Ich habe davon keinen Nachteil", sagt sie. Zwar habe sie vor dem Abriss bereits ein eigenes Bodengutachten anfertigen lassen, aber: "Vielleicht ergeben sich ja auch zusätzliche Erkenntnisse." Immerhin liegt das Areal über den Heilquellen.

Fachleute des Tiefbauamts sowie von externen Fachfirmen hatten dort die Möglichkeit, das Erdreich unter optimalen Bedingungen zu untersuchen. So können sie ganz genaue Aussagen über die Bodenstruktur treffen. "Es geht in der Hauptsache darum: Wie dicht ist der Auelehm-Deckel und wie gut schützt er das Grundwasser", erläutert Klöffel. Anhand eines Drucktests im Labor sind die Experten in der Lage zu berechnen, wie durchlässig die feine, lehmige Erde ist. Klöffel: "Wenn von oben ein Wassertropfen auf den Auelehm-Deckel fallen würde, würde er in einem Jahr drei Millimeter tief eindringen". In der Maxstraße bräuchte er also mehr als 450 Jahre, um komplett durchzudringen. Der Auelehm-Deckel ist nahezu dicht.

Erfolg bei der Forschung

Bei der Altstadtsanierung geht es vor allem darum, die maroden Kanäle zu sanieren. Durch den Kanalbau greifen die Arbeiter aber in die Lehmschicht ein. Einmal ausgebaggert, kann der Boden nicht einfach wieder in die Grube eingefüllt werden. Die Planer befürchten, dass sich der Untergrund setzt und damit die Straßen absacken. Als Alternative setzen sie auf einen Flüssigboden aus Sand, Zement, Tonmehlen und Wasser. Die technische Herausforderung sei, eine Rezeptur zu finden, die sowohl so dicht hält wie der Lehmboden, als auch wieder ausgebaggert werden kann, etwa wenn Reparaturen nötig sind. "Diese Lösung haben wir gefunden. Wir können den Heilquellenschutz garantieren", sagt Tiefbauchef Hornung. Für die Neue Altstadt sei das ein wichtiger Meilenstein.

Das bedeutet aber nicht, dass die Vorplanungen für das 25-Millionen-Euro-Vorhaben beendet sind und demnächst die Bagger anrollen. "Wir müssen die Feldversuche jetzt abschließen, dass sie konsistent sind über das gesamte Plangebiet", informiert er. Nach derzeitigem Stand sei aber ein Ende der Feldforschung absehbar. Als nächsten Schritt kümmert sich die Stadt um die wasserrechtliche Genehmigung. Ist die erteilt, macht sich das Tiefbauamt an die Ausführungsplanung. Hornung: "Da wird dann jede Schraube geplant." Sobald die steht, können die Arbeiten beginnen. Wenn die Stadt den Antrag beim Wasserwirtschaftsamt einreicht, ist aber zumindest ein wichtiger Zwischenschritt erreicht.