"Der Schorsch is ä alter Krazian. Har läigt starweskrank in sei Bett. Die Nose ist racht späizet un a kaasweiß. Mir scheint dann konn me nässmer gerett." Wenn Luise Voll Gedichte in der Mundart ihres Heimatdorfes Gefäll vorträgt, ist sie ganz in ihrem Element. "Die Mundart ist mir heilig. Schade, dass der Dialekt verloren geht. Die Kinder sprechen die Rhöner Sprache kaum noch", sagt sie etwas melancholisch.


Hintersinnig und deftig

Beim jüngsten Fränkischen Heimatabend im Rossini-Saal war sie für die Rhöner Mundart zuständig. Bei ihren hintersinnigen, deftigen und lebensnahen Gedichten blieb kein Auge trocken, auch wenn mancher der Zuhörer nicht alles verstand. So auch bei der Geschichte "Die letzte Flasche Wein", in der der Schorsch auf dem Sterbebett liegt und noch eine Flasche und noch eine Flasche trinken will, bis seine Frau zuletzt sagt: "Soch mer zeerscht, ma guter Moh, würd jetzt gesturwe oder geiht doas e Saufferei?"
Ja, so sind die Rhöner Leut, spröde und direkt. "Wenn man einen Rhöner zu nehmen weiß, erkennt man, dass er im Herzen so weich ist wie ein Pfund Butter, wenn es eine Stunde in der Sonne stand", erklärt ihr Ehemann Heribert Voll, der diesmal durch den Abend führte. Auch er sprich den Rhöner Dialekt. Er erzählt vom Leben auf dem Land, den Festen, dem Schafkopf in der Wirtschaft oder den Wallfahrten zum heiligen Berg der Franken, dem Kreuzberg. Dabei warf er ein kurzes, überaus interessantes Schlaglicht auf den liebenswerten "Franggen". Doch es ging an dem Abend nicht nur nur den Dialekt, sondern auch die Musik, die man rund um die Schwarzen Berge erklingen ließ. "Hoibüche-Musik" (hochdeutsch: Hainbuchen-Musik) nennt sich eine Gruppe, zu denen auch die Volls gehören. Sie kommen aus Gefäll, Langenleiten, Wollbach und Rottershausen. Mit Gitarre, Kontrabass, Klarinette, Ziehharmonika und Hackbrett begeisterten die sechs Musiker ihre Zuhörer. Unter ihnen ist mit viel Herzblut auch die Organisatorin des Fränkischen Heimatabends Gabi Kanz. Mal instrumental mal mit Gesang erklangen Weisen, die zu Herzen gingen. In fränkischer Tracht zeigte die Volkstanzgruppe Fuchsstadt, was "Herrla" und "Fräala" tanzten, wenn sie früher eine flotte Sohle aufs Parkett legten. Der "Schecher", die "Sternpolka" oder das "Bauramadla" heißen drei beliebte Volkstänze aus der Region.
Natürlich gehörte früher auch eine Blaskapelle zum Tanzvergnügen. Sechs Musiker der Blaskapelle Diebach spielten zum Tanz auf, so wie es früher üblich war. Oft kennt man als echter, hier geborener Franke manches, was noch vor 100 Jahren an der Saale und in der Rhön fränkisches Kulturgut war, nicht mehr. Vieles ist in Vergessenheit geraten, viele Bräuche werden nicht mehr gepflegt, und auch die fränkisches Tracht wird weder im Alltag noch an Festtagen getragen. Eine einzigartige Möglichkeit sich mit der Geschichte, den Liedern, der Musik, den Tänzen und der Mundart aus der Region zwischen Main und Rhön auseinanderzusetzen, bildet der Fränkische Abend, der einmal im Monat im Rossini-Saal abgehalten wird. Gleichzeitig ist er eine Möglichkeit, fränkische Kultur und Brauchtum vor dem Vergessen zu bewahren. Nicht nur von den Gästen der Kurstadt wird dieses Angebot gerne angenommen.