Ein Mittwochnachmittag in der Bad Kissinger Maxstraße: Die Sonne scheint, aber die Fahrbahn ist noch nass vom Regen, der wenige Minuten zuvor über dem Stadtgebiet niedergegangen ist. Nahezu im Sekundentakt passieren Autos die verschiedenen Kreuzungen entlang der Straße. Auf den Gehwegen indes bahnen sich Passantinnen und Passanten ihren Weg. Wer die Straße überqueren muss, stößt in der Maxstraße in regelmäßigen Abständen auf weiße Markierungen am Boden: Zebrastreifen.

Doch wie sicher sind die eigentlich? Erst Ende September kam es an einem Zebrastreifen in der Bad Kissinger Hemmerichstraße gegenüber des Berliner Platzes zu einem Unfall: Eine 25-Jährige wollte zusammen mit ihrem Baby, das sie in einer Tragevorrichtung bei sich hatte, den dortigen Fußgängerüberweg überqueren. Doch ein 80-jähriger Autofahrer übersah die Passantin. Die Frau wurde von dem Pkw an der Hüfte touchiert und dabei leicht verletzt, wie die Polizei berichtete.

Alle 21 Unfälle an Zebrastreifen mit Personenschaden

Der Unfall ist einer von insgesamt drei Stück, die sich in diesem Jahr bislang an Zebrastreifen im Stadtgebiet und in den Stadtteilen Bad Kissingens ereigneten, wie Florian Heuring, Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizeiinspektion Bad Kissingen, berichtet. 2017 standen in den bei der Polizei geführten Statistiken noch sieben Unfälle an Zebrastreifen zu Buche. "Die Tendenz ist rückläufig", bilanziert Heuring.

Insgesamt ereigneten sich in der Stadt - von Anfang 2017 bis Mitte Oktober 2021 gezählt - 21 Verkehrsunfälle an Zebrastreifen. "Das deckt sich mit meiner Einschätzung", sagt der Sachbearbeiter. "Es passieren nicht so viele Unfälle. Allerdings waren leider alle 21 mit Personenschaden."

Fünf Personen wurden dabei schwer verletzt, wie Heuring berichtet. Das heißt, dass sie länger als 24 Stunden im Krankenhaus bleiben mussten. Weitere 17 Personen wurden bei den Unfällen an Zebrastreifen leicht verletzt.

Fußgängerampeln deutlich sicherer als Zebrastreifen

Ein stärkerer Kontrast ergibt sich, wenn man die Anzahl der Unfälle an Zebrastreifen mit einem anderen Wert vergleicht: den Unfällen, die sich an Straßenübergängen ereignen, die etwa mit einer Fußgängerampel gesichert sind. Hier weist die Statistik im gleichen Zeitraum lediglich vier Unfälle aus, und damit nur rund ein Fünftel der Unfälle, die sich an Zebrastreifen ereignen. "Der Unterschied ist sehr deutlich", sagt Heuring. "Es zeigt sich schon, dass die Lichtzeichenanlage mit am sichersten ist."

Für Fußgängerampeln gelten jedoch deutlich höhere Anforderungen, was das Verkehrsaufkommen betrifft, als für Zebrastreifen, wie der Sachbearbeiter erklärt. Auch ein Fußgängerübergang in Form eines Zebrastreifens ist erst ab einer Fußgängerzahl von 50 bis 100 und einem Kfz-Wert von 200 bis 300 Fahrzeugen in der Stunde möglich.

Eine der weiteren Voraussetzungen: Für die Fußgängerin oder den Fußgänger muss es an der fraglichen Stelle keine andere Möglichkeit geben, die Straße zu überqueren.

Die Unfallschwerpunkte an Zebrastreifen in der Stadt Bad Kissingen

In Bad Kissingen gibt es rund 25 Zebrastreifen, wie Heuring berichtet. Besonders viele davon befinden sich im Bereich der Kernstadt. Die meisten Unfälle an Zebrastreifen ereigneten sich im betrachteten Zeitraum in der Maxstraße (5), gefolgt von der Münchner Straße (4) und der Hemmerichstraße (4).

"Wenn man so will, ist es in der Maxstraße also mit am gefährlichsten, was die Zebrastreifen betrifft", fasst Heuring zusammen, wobei fünf Unfälle über knapp fünf Jahre gesehen natürlich überschaubar seien.

Insgesamt schätzt der Sachbearbeiter den Straßenverkehrsraum in Bad Kissingen als "sehr sicher" ein. Zudem setzt sich, wie Heuring erklärt, die Unfallkommission - bestehend aus Vertretern der Polizei, des Straßenverkehrsamts und des Baulastträgers - zusammen und sucht nach Lösungen, sobald an einer bestimmten Stelle gehäuft Unfälle passieren.

Tipps zum richtigen Verhalten an Zebrastreifen: Fußgängerinnen und Fußgänger haben zwar das Recht, Zebrastreifen als Erste zu queren, allerdings sollten sie dabei trotzdem aufpassen. "Erst stehen bleiben, in beide Richtungen gucken und sich bemerkbar machen - etwa durch Handzeichen oder indem man Blickkontakt sucht", rät Polizist Florian Heuring. Radfahrerinnen und Radfahrer, die mithilfe eines Zebrastreifens eine Straße überqueren wollen, müssen absteigen. Autofahrerinnen und -fahrern indes drohen bei Verstößen an Zebrastreifen unter anderem hohe Bußgelder.